EU unterstützt Traditionsunternehmen

Die Zukunft druckt digital

Auf Wachstumskurs in einem weltweit umkämpften Markt: Das Traditionsunternehmen Heidelberger Druckmaschinen AG entwickelt mit europäischer Unterstützung neue industriell arbeitende Digitaldruckanwendungen.

Eine 4D-Maschine bedruckt einen Fußball.

4D-Druck: Heidelberg präsentiert die Jetmaster Dimension, z. B. zum individuellen Bedrucken von Bällen.

Foto: Heidelberg

Ob für Verpackungen und Etiketten, Broschüren oder sogar Fußbälle: Schon seit mehr als 150 Jahren werden in Heidelberg Druckmaschinen gebaut – anfangs ausschließlich für das Verfahren des Buchdrucks, später auch für andere Druckmethoden. Im traditionellen Offsetdruck, bei dem die Farbe mittels eines Plattenzylinders auf dem Produkt aufgebracht wird, ist die Heidelberger Druckmaschinen AG seit langem Weltmarktführer.

Industrielle Anwendung für den Digitaldruck

Doch auch das Traditionsunternehmen muss mit der Zeit gehen. Längst hat die Digitalisierung die Branche erfasst. Der Digitaldruck wird zum Wachstumsmotor. Bei diesem Druckverfahren wird keine feste Druckplatte benötigt, um die Tinte aufzubringen. Der Vorteil: Aufdrucke können schnell und unkompliziert auf einem Computerbildschirm bearbeitet und geändert werden.

Eine neue digitale Druckmaschine.

Weltpremiere: Die neue Industriemaschine stellt digitale Druckerzeugnisse im Format 70 x 100 her.

Foto: Sascha Steinbach/actionpress for Heidelberg

Noch steht die Technik vor einigen Herausforderungen: Bei Druckaufträgen von großem Umfang ist sie teurer und langsamer als der Offsetdruck. Heidelberger Druckmaschinen arbeitet deshalb daran, schnellere und günstigere Drucksysteme als die Konkurrenz zu entwickeln. Gleichzeitig gilt es, die Produktion zu digitalisieren und zu automatisieren. "Wir sehen die digitalisierte und industriell aufgestellte Druckerei als Voraussetzung für erfolgreiche Geschäftsmodelle in unserer Branche", sagt Dirk Kaliebe, Finanzvorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG.

100 Millionen Euro für Investitionen

Die notwendigen finanziellen Mittel für die Forschung und die Entwicklung innovativer Methoden erhält das Unternehmen von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Sie gewährte der Heidelberger Druckmaschinen AG im vergangenen März ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro. Der Kredit der EU-Bank hat eine Laufzeit von sieben Jahren und ist über Garantien aus dem "Europäischen Fonds für Strategische Investitionen" (EFSI) abgesichert. Der Fonds ist das Herzstück der europäischen Investitionsoffensive von EIB und Europäischer Kommission.

Zwei Mitarbeiter vor der digitalen Druckmaschine.

Die digitale Etikettendruckmaschine - von Heidelberg und Gallus gemeinsam entwickelt - geht in Serie.

Foto: Heidelberg

"Die EIB-Finanzierung hilft uns, die Digitalisierung der Branche voranzutreiben und die Wachstumssegmente Verpackung, Digital und Services weiter auszubauen. Dazu arbeiten wir vor allem an unserem Digitaldruckportfolio für den wachsenden Etiketten- und Verpackungsmarkt", sagt Kaliebe. Die Heidelberger Druckmaschinen AG sei damit der einzige Anbieter in der Branche, der integriert Offset- und Digitaldrucklösungen anbieten kann. "Damit unterscheiden wir uns deutlich von den Anbietern aus den USA oder Asien."

Finanzierung breiter aufgestellt

Auch für die Digitalisierung der Produktion möchte das Unternehmen die EIB-Gelder einsetzen. Ziel ist, die Wertschöpfungskette der industriell arbeitenden Kunden zu integrieren und zu automatisieren, um somit die Wettbewerbsfähigkeit der Druckereien zu erhöhen. Dazu sollen die Systeme mit den passenden Serviceleistungen künftig autonomer arbeiten.

Zusätzlich sollen Kunden des Unternehmens durch neue Digitaldruckangebote die Möglichkeit erhalten, erweiterte Geschäftsmodelle umzusetzen. "Das Darlehen ist für unsere Wachstumsstrategie in Kombination mit der Projektexpertise der EIB ein idealer Finanzbaustein. Wir sind nicht mehr rein abhängig von den privaten Banken oder dem Kapitalmarkt und somit viel breiter aufgestellt", sagt Kaliebe.

Ziel der europäischen Wachstumsinitiative ist es, die derzeitige Investitionsschwäche in Europa zu überwinden. Dazu sollen mit Hilfe von EFSI Mittel aus dem Privatsektor für strategische Investitionsprojekte mobilisiert werden. Es wird erwartet, dass der EFSI innerhalb von drei Jahren zusätzliche Investitionen in Höhe von mindestens 315 Milliarden Euro in der EU auslöst. Bis Ende 2016 wurden bereits Investitionen über rund 164 Milliarden Euro in allen 28 Mitgliedstaaten angeschoben.

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