Die berufliche Bildung weiter stärken und digitalisieren

Online-Dialog der Kanzlerin Die berufliche Bildung weiter stärken und digitalisieren

Die Kanzlerin hat sich dafür ausgesprochen, die Strukturen der beruflichen Bildung mit Blick auf die Digitalisierung „fit für die neue Zeit zu machen“. Für Bundesbildungsministerin Karliczek ist die Digitalisierung der Ausbildung eine „Riesen-Chance“. Beide äußerten sich bei einem virtuellen Austausch mit Praktikerinnen und Praktikern sowie Experten der beruflichen Bildung.

Kannzerlin Merkel im Kanzleramt während des Online-Dialogs zur Digitalisierung in der beruflichen Bildung.

Kanzlerin Merkel betonte, wie wichtig es sei, dass auch in der beruflichen Bildung alle Akteure vom „Charme der Digitalisierung erfasst“ werden.

Foto: Bundesregierung/Kugler

Die Digitalisierung der beruflichen Bildung vorantreiben, Lehrkräfte digital weiterbilden, Betriebe, Kammern und Berufsschulen miteinander verzahnen und grundsätzlich mehr Mut für neue Wege entwickeln: Einige Punkte, die beim Online-Dialog „Digitaler Wandel in der Beruflichen Bildung“ im Fokus standen.

Attraktivität der beruflichen Bildung

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich bei dem virtuellen Austausch vor allem ein Bild darüber machen, welche gelungenen Praxis-Beispiele es für die Digitalisierung in der Ausbildung bereits gibt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek betonte zu Beginn die hohe Bedeutung einer digitalisierten beruflichen Bildung – auch mit Blick auf die Attraktivität für junge Leute. Sie müssten wissen, „dass die Digitalisierung und auch das Thema Nachhaltigkeit in der dualen Bildung genauso angekommen ist wie in der Hochschulbildung“, hob Karliczek hervor.

Einsatz von VR-Brillen in der Ausbildung

Wie sehr innovative digitale Ideen in der Berufsausbildung schon heute in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden, konnte Susanne Kollmeier belegen. Sie ist bei einem Hersteller von Pumpen, beispielsweise für die Lebensmittelindustrie, für digitale Ausbildungs-Module zuständig. Ihre Auszubildenden nutzen eine VR-Brille, mit der sie sich virtuell den Feinheiten verschiedenster Pumpentechnik widmen können. Das sei „eine wunderbare Möglichkeit“, die jungen Leute auch mit Pumpen vertraut zu machen, die nicht vor Ort in der Produktion lagern. Die VR-Brillen würden auch für die Weiterbildung der Belegschaft in anderen Ländern genutzt.

„Der Meister kann sogar oft was vom Azubi lernen“

Udo Schlickenrieder brachte eine andere Perspektive ins Spiel. Er kümmert sich bei einem großen Technologiekonzern um die digitale Fortbildung der Meister. Wie nutze ich ein Tablet in der Ausbildung? Wie arbeite ich sinnvoll mit Lernvideos? Schlickenrieder hält es für entscheidend, dass das Hierarchiegefälle zwischen Meistern und Auszubildenden abgebaut werde. „Der Meister kann sogar oft was vom Azubi lernen, weil sich der besser mit digitaler Technik auskennt.“

Benedikt Salvermoser ist Auszubildender zum Schuhfertiger – und hat am Online-Dialog der Kanzlerin zum digitalen Wandel in der beruflichen Bildung teilgenommen. Erfahren Sie hier, wie er sich beim Projekt „Digiscouts“ bei der Digitalisierung seines Betriebes einbringt.

Markus Weitzmann, Leiter eines Bildungszentrums in Baden-Württemberg, berichtete von der digitalen Ausbildung im Holzbau. Der Einsatz von Drohnen oder digitalen Elementen beim Einsatz einer Fräse ist hier schon länger Alltag. Wichtige digitale Kompetenzen erwerben die Auszubildenden vor Ort in einem dualen Studium.

Azubis schreiben eigene Blog-Beiträge  

Über neue, digitale Wege in der Bewerbersuche informierte Nicole Heinrich, Ausbildungs-Leiterin bei einem großen Dienstleistungsunternehmen. Selbst für den modernen Beruf E-Commerce-Kaufmann/-frau sei es schwer, motivierten und qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Helfen sollen auf die Homepage gestellte Blog-Beiträge der eigenen Auszubildenden. Diese berichten in lockerer Form über ihren Alltag in Betrieb und Berufsschule sowie über ihre vielfältigen Aufgaben.

Viele junge Leute wüssten gar nicht, wie viele attraktive Berufe es gebe, meinte Heinrich. Deshalb warb sie für eine engere Verzahnung von Betrieben, Berufs- sowie den allgemeinbildenden Schulen.  Bundesbildungsministerin Karliczek schlug vor, dass sich noch mehr Betriebe bei der Berufsorientierung einbringen könnten. Zum Beispiel, indem sie in den Schulen mit kurzen Filmen ihren Ausbildungsberuf vorstellen.

Akteure der Berufsausbildung besser verzahnen

Die engere Zusammenarbeit von Unternehmen, Berufsschulen und den Kammern war ein wichtiger Schwerpunkt des Austauschs. Geht der Unterricht in den Berufsschulen genug auf die jeweiligen Ausbildungsberufe ein? Sind die Lehrkräfte ausreichend für die digitale Lehre qualifiziert? Kennen Verantwortliche in den Kammern den aktuellen Ausbildungsablauf in den Betrieben?

Alle waren sich beim Online-Dialog einig, dass hier noch einiges zu tun sei – auch mit Blick auf die Digitalisierung der Ausbildung. Laut Kanzlerin Merkel muss es das Ziel sein, „dass wir noch besser die Kammern, die Prüfungsausschüsse, die Schulträger und Betriebe zusammenbringen, damit sozusagen alle von dem Charme der Digitalisierung erfasst sind“.

Zur Weiterbildung der Lehrkräfte erwähnte Ministerin Karliczek, dass entsprechende Kompetenzzentren eingerichtet seien.

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Video Online-Dialog zum digitalen Wandel in der beruflichen Bildung

Mehr Mut und Tempo nötig

Häufig ging es beim Dialog auch um Mut und Geschwindigkeit. Vor allem Hubert Romer machte sich dafür stark, dass Deutschland bei der Digitalisierung der beruflichen Bildung schneller sein und mehr Mut haben müsse. Romer ist Geschäftsführer von WorldSkills Germany und leitet das deutsche Team für die Berufs-Weltmeisterschaften. Mit Blick auf die Digitalisierung „traut man sich international mehr zu experimentieren“. Deutschland sei hier manchmal zu behäbig, so Romer.

Die Kanzlerin erwähnte, dass man gerade in der Pandemie die Bedeutung von Geschwindigkeit gesehen habe. „Die Zeit drängt, sonst entschwindet das alles in den quasi akademischen Bereich.“

Plädoyer für lebenslanges Lernen

Für Tempo und Fortschritt in der digitalen Welt steht das Silicon Valley. Von dort zugeschaltet meldete sich Sebastian Thrun, Gründer eines digitalen Zukunftslabors. Er hat komplette Online-Ausbildungen entwickelt, die als Module von allen weltweit genutzt werden könnten. Zahlreiche deutsche Unternehmen unterstützten es nach Meinung Thruns, wenn sich ihre Beschäftigten entsprechend weiterbilden. Lebenslanges Lernen müsse noch viel selbstverständlicher werden.

Nationale Bildungsplattform kommt

Bundeskanzlerin Merkel und Bundesbildungsministerin Karliczek erwähnten in dem Zusammenhang die Nationale Bildungsplattform. Jeder Einzelne soll hierüber künftig leichteren Zugang zu individuell zugeschnittenen Bildungsangeboten haben, und zwar ein Leben lang. Zum Abschluss des Dialogs zog die Kanzlerin das Fazit: „Deutschlands Strukturen sind eigentlich auch sehr gut, die wir haben, und die müssen sich nur fit für die neue Zeit machen, wie wir alle.“

Die virtuelle Veranstaltung ist Teil der „Initiative Digitale Bildung“. Ende April gab es bereits einen Online-Dialog unter dem Motto „Kulturwandel Digitales Lernen“. Hierbei tauschte sich die Kanzlerin mit Lehrkräften, Innovatoren und Influencern über Best-Practice-Beispiele zum digitalen Lernen aus. Am 22. Februar gaben Bundeskanzlerin Merkel und Bundesbildungsministerin Karliczek in einem Online-Dialog  den Startschuss für die „Initiative Digitale Bildung“. Ziel der Initiative ist es, das digitale Lernen, Unterrichten, Lehren und Ausbilden über den gesamten Bildungsweg hinweg zu verbessern.

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