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100 Jahre Weimarer Verfassung

Deutschland feiert die Demokratie

Der Festakt zum 100. Jubiläum der Weimarer Reichsverfassung begann exakt um 15:15 Uhr in Weimar. Zur selben Zeit traten vor 100 Jahren - am 6. Februar 1919 - die Abgeordneten der Nationalversammlung zum ersten Mal zusammen. Das feierten mit Bürgerinnen und Bürgern der Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzlerin Merkel und die Spitzen der anderen Verfassungsorgane.

Kanzlerin Merkel unterzeichnet im Weimar ein Gedenkblatt zu 100 Jahre Nationalversammlung.

Bundeskanzlerin Merkel unterzeichnet in Weimar ein Gedenkblatt.

Foto: Bundesregierung/Denzel

Nach Novemberrevolution, Kaisersturz und dem Ende des ersten Weltkrieges traten am 6. Februar 1919 in Weimar die Abgeordneten der Nationalversammlung zum ersten Mal zusammen. 100 Jahre danach fand nun ein Festakt im Deutschen Nationaltheater statt, bei dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Festrede hielt.

Wichtiger Schritt in Richtung Demokratie

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: "Es ist sehr bewegend, dass wir heute in Weimar der 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung gedenken können und wissen, dass damals ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratie gegangen wurde." Es habe ganz wichtige neue Rechte gegeben, etwa das Wahlrecht für Frauen. Merkel erinnerte in ihrem Statement auch an das letztliche Scheitern der Weimarer Republik und an die schreckliche Periode des Nationalsozialismus und des Holocaust.

"Und unsere heutige Verfassung, unser Grundgesetz - das in diesem Jahre 70 Jahre alt wird - baut im Grunde auf dieser Weimarer Reichsverfassung auf und hat die Lehren aus den Schwächen dieser Verfassung gezogen", betonte die Kanzlerin. "Das Grundgesetz hat eine stabile Bundesrepublik hervorgebracht", so Merkel weiter.

Lehren aus der Weimarer Republik

Kanzlerin Merkel traf sich neben den offiziellen Veranstaltungen mit einer 12. Klasse des Humboldt-Gymnasiums in Weimar. Die Schülerinnen und Schüler hatten in dem Workshop "Denkraum Demokratie" Fragen zum Thema "Lehren aus Weimar für Europa heute" erarbeitet. Es sei eine Freude gewesen, "mit jungen Leuten darüber zu diskutieren, was Demokratie heute bedeutet, was Europa heute für uns bedeutet, weil Europa ja auch eine Lehre aus dem Scheitern der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus ist", sagte Merkel.

Es sei wichtig, junge Menschen dazu zu ermutigen, sich nicht nur repräsentiert zu fühlen, sondern auch etwas für die Demokratie zu tun. "Denn es gibt keine Selbstverständlichkeiten, sondern jede Generation muss wieder für Demokratie kämpfen", betonte die Kanzlerin. Das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern habe erfreulicherweise gezeigt, dass junge Leute genau das wollen und auch tun werden.

Im "Denkraum Demokratie" entwickeln jungen Menschen Ideen, wie sie sich aktiv an politischen Prozessen beteiligen können. Ziel dieser Workshops ist, das Interesse und Verständnis junger Menschen an politischen Prozessen zu stärken. Gefördert werden sie vom Bundesfamilienministerium im Programm "Demokratie leben!".

Der Weg zur Reichsverfassung

Die Nationalversammlung tagte 1919 in Weimar, weil die Situation in Berlin noch sehr unruhig war. Deshalb wird die erste Demokratie auf deutschem Boden als Weimarer Republik bezeichnet. Erstmals durften auch Frauen wählen. Außerdem wurde das Wahlalter von 25 auf 20 Jahre gesenkt, wodurch die Anzahl der Wahlberechtigten um 20 Millionen stieg.

Die Nationalversammlung hatte die Aufgabe, die künftige Reichsverfassung sowie dringende Gesetze zu beschließen. Von Februar bis zum Beschluss am 31. Juli 1919 dauerten die Beratungen. Schließlich trat die Verfassung am 14. August in Kraft.

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Vor 100 Jahren

Auf dem Weg zur Demokratie

Frauen und Männer gleichgestellt

Zentrale Verfassungsprinzipien waren die Volkssouveränität (Artikel 1), die Gewaltenteilung und die Grundrechte. Erstmals wurden Frauen Männern bei staatsbürgerlichen und familiären Rechten gleichgestellt. Darüber flossen in die Weimarer Reichsverfassung verschiedene Elemente aus deutschen und internationalen demokratischen Traditionen zusammen. Die repräsentative Demokratie, in der das Parlament der Regierung verantwortlich ist, die Möglichkeit zu Volksabstimmungen und die Präsidialdemokratie mit einem starken, direkt gewählten Präsidenten wie in den Vereinigten Staaten oder Frankreich.

Historisches Zeitdokument unterzeichnet

Bei den Feiern zum 100. Jubiläum der Weimarer Rreichsverfassung nahmen Kanzlerin Merkel und die Vertreter der anderen Verfassungsorgane auch an einem Ökumenischen Gottesdienst in der Herderkirche teil. Anschließend folgte ein Empfang des Ministerpräsidenten und der Landtagspräsidentin des Landes Thüringen. Im Wittumspalais in Weimar wurde dann in Erinnerung an die Ereignisse vor 100 Jahren ein historisches Zeitdokument "Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Zusammentritts der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und der Entstehung der Weimarer Reichsverfassung" unterzeichnet.

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