Das virtuelle Klassenzimmer

Demografiepolitik Das virtuelle Klassenzimmer

Lehrerin Leena Brütt kann sich nicht über ein überfülltes Klassenzimmer beklagen. Wenn ihre Englisch-Stunde startet, sitzen ihre zwölf Schülerinnen und Schüler nicht mit ihr im Raum, sondern weit entfernt: auf drei nordfriesischen Halligen. Ein einzigartiges Konzept des digitalen Lernens macht das möglich.

Virtueller Unterricht mit Laptop in einer Schule auf den nordfriesischen Halligen.

Jedem Schüler steht für den Fernunterricht ein Laptop zur Verfügung.

Foto: Jörg Wohlfromm/sh Werbung

Jede Hallig hat ihre eigene kleine Schule. Dort können die Schüler den Hauptschulabschluss machen. Für einen höheren Abschluss müssen sie aber aufs Festland. Das neue Konzept bietet den Schülern ab der 5. Klasse ergänzenden Englischunterricht via Internet. Damit sind sie besser für einen späteren Wechsel auf eine Festlandschule gerüstet.

Von der Hallig in die weite Welt

Im Online-Klassenzimmer wird digital gelesen, geschrieben, zugehört und gesprochen. Und dabei spielt es keine Rolle, dass die Beteiligten an vier verschiedenen Orten sitzen. Manchmal sogar an fünf, denn es besteht auch eine Online-Partnerschaft mit einer Schule in Tennessee.

Die Schüler sind auch keineswegs alle im selben Alter: Derzeit verteilen sich die zwölf Schülerinnen und Schüler auf die Klassenstufen 5 bis 8. Aber das sind sie alle von Beginn an gewöhnt, denn auch der "normale" Unterricht findet wegen der geringen Schülerzahlen jahrgangsübergreifend statt.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung bleibt es, gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in allen Regionen zu unterstützen. In ländlichen und strukturschwachen Regionen ist der Ausbau von schnellem Internet besonders wichtig. Der Bund unterstützt den flächendeckenden Breitbandausbau mit vier Milliarden Euro. Ziel ist es, bis 2018 in ganz Deutschland schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde anzubieten. Dazu dient auch das Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze, das den Netzausbau kosteneffizienter macht.
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Medienbildung und selbständiges Arbeiten garantiert

Virtueller Unterrricht mit Laptop in einer Schule auf den nordfriesischen Halligen.

Die Kinder lernen auf der Hallig Langeneß, die Englischlehrerin ist 140 Kilometer entfernt in Kiel.

Foto: Jörg Wohlfromm/sh Werbung

Jedem Schüler steht für den Fernunterricht ein Laptop zur Verfügung. Es gibt Online-Unterricht, Präsenzzeiten im digitalen Klassenraum, aber auch eine Lernplattform. Hier kann jeder Schüler selbst entscheiden, wann er seine Aufgaben erledigt.

Und ein bis zweimal im Jahr gibt es für alle Beteiligten eine ganz analoge Begegnung: Dann nämlich besucht Leena Brütt ihre Schüler vor Ort. Jeweils ein bis zwei Tage bleibt sie auf jeder Hallig. "Darauf freuen wir uns alle schon immer", sagt Brütt. Denn das Gegenüber in natura zu sehen, sei dann trotz aller Technik einfach wichtig.

Deutschland verändert sich: Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, aber es gibt immer weniger junge Menschen und der Anteil der Menschen im erwerbstätigen Alter sinkt. Mit ihrer Demografiestrategie gibt die Bundesregierung Antworten auf die Bevölkerungsentwicklung. Sie will Wohlstand und Lebensqualität für alle Generationen sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Es gilt, Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, Familien die Vereinbarung von privaten mit beruflichen Pflichten zu erleichtern, soziale Sicherungssysteme demografiefest zu gestalten, die Lebensqualität in Stadt und Land zu erhalten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ältere Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können.