Weltweite Gesundheit

Brief von Bundeskanzlerin Merkel, Norwegens Ministerpräsidentin Solberg und Ghanas Staatspräsidenten Akufo-Addo an den Generalsekretär der WHO, Tedros

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Dr. Tedros,

als Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben wir im September 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen angenommen. Das dritte Nachhaltigkeitsziel sieht ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters vor und steht dabei in engem Zusammenhang mit anderen Nachhaltigkeitszielen wie Geschlechtergleichheit, saubere Luft, Ernährungssicherheit, nachhaltige Städte und Gemeinden, Bildung und Armutsbekämpfung. Wir setzen uns mit vielen anderen führenden Politikern mit ganzer Kraft dafür ein, diese so wichtigen Ziele zu erreichen.

Nach der Verabschiedung der Agenda begann vor nunmehr zwei Jahren die Umsetzungsphase. Die globale Gesundheit profitiert von den umfangreichen Investitionen zahlreicher engagierter Akteure aus dem staatlichen und nichtstaatlichen Bereich. Viele Organisationen im globalen Gesundheitssektor sind bereits auf dem richtigen Weg, indem sie ihre praktische Arbeit und ihre strategischen Planungen an den Vorgaben und Indikatoren des dritten Nachhaltigkeitsziels ausrichten.

Es muss aber noch mehr getan werden, damit wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen können, und wir glauben, dass sich alle einschlägigen Akteure gemeinsam in vollem Umfang für das dritte Nachhaltigkeitsziel und die damit verbundenen anderen Ziele stark machen müssen. Wir sind der Überzeugung, dass alle Bemühungen weiterentwickelt und einem gemeinsamen „Globalen Aktionsplan für ein gesundes Leben und das Wohlergehen aller Menschen“ (Global Action Plan for Healthy Lives and Well‑being for All) gebündelt werden sollten. Ein solcher Aktionsplan sollte konkrete Zwischenziele für die Zeit bis 2030 umfassen und dabei die Wechselwirkung mit anderen Nachhaltigkeitszielen berücksichtigen. Es würde für Regierungen und globale Akteure dann einen Mehrwert bedeuten, eine regelmäßige Fortschrittskontrolle durchzuführen und Anpassungsmaßnahmen zu benennen, die für die vollständige Umsetzung des dritten Nachhaltigkeitsziels bis 2030 erforderlich sind. Wir sind überzeugt, dass für einen rascheren Fortschritt bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele eine Aufstockung der inländischen Ressourcen und eine effizientere Leistungserbringung von grundlegender Bedeutung sind, und auch für eine Mobilisierung dieser Ressourcen könnte der Globale Aktionsplan eine solide Grundlage bieten.

In einem ersten Schritt könnten globale Akteure wie die WHO, UNAIDS, UNICEF, UNODC, UNDP die Weltbank, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung sowie die Globale Finanzierungsfazilität und andere einschlägige Organisationen zusammengebracht werden und ihre Bemühungen bündeln. Wir möchten anregen, dass die WHO als führende globale Gesundheitsorganisation – unter Beteiligung der Leiter der anderen einschlägigen Organisationen – die Federführung bei der Ausarbeitung eines solchen Plans übernimmt und ihn beim 10. World Health Summit in Berlin im Oktober 2018 präsentiert. Er könnte dann den WHO-Mitgliedstaaten als Anknüpfungspunkt dienen, anhand dessen sie diese wichtige Zukunftsvision diskutieren, mit ihren jeweils eigenen Initiativen ergänzen und sie somit voranbringen können.

Gern unterstützen wir Sie in jeder uns möglichen Weise bei diesem wichtigen Vorhaben.

Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland
Nana Addo Akufo-Addo, Präsident der Republik Ghana
Erna Solberg, Ministerpräsidentin des Königreichs Norwegen

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