Positive Entwicklungen im Bildungssystem

Bildungsbericht 2020 Positive Entwicklungen im Bildungssystem

Steigende Investitionen in Bildung, mehr Menschen mit höheren Abschlüssen und ein deutlicher Ausbau der Ganztagsbetreuung: Der Bildungsbericht 2020 zeigt insgesamt eine positive Entwicklung des deutschen Bildungssystems. Das Schwerpunktthema Digitalisierung ist angesichts der Corona-Pandemie von besonderer Aktualität.

Die Grafik fasst die wichtigsten Zahlen des Bildungsberichts 2020 zusammen.

Deutschlands Bildungssystem ist auf einem guten Weg.

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Foto: Bundesregierung

"Dieser Bericht ist ein Gradmesser, wo wir in der Bildung in Deutschland stehen. Gute Bildung bleibt ein Kernthema in einer sich immer schneller entwickelnden Welt. In der aktuellen Krise sehen wir noch einmal schärfer denn je, wo wir stehen und insbesondere das digitale Lernen voranzutreiben ist das Gebot der Stunde." So äußerte sich Bundesbildungsministerin Karliczek bei der Vorstellung des Berichts "Bildung in Deutschland 2020".

Der Bildungsbericht liefert alle zwei Jahre Zahlen und Entwicklungen aus allen Bildungsbereichen - von der frühkindlichen Bildung bis zur beruflichen Weiterbildung. Im Fokus des diesjährigen Berichts steht die "Bildung in einer digitalisierten Welt". Erstellt wird der Bericht von unabhängigen Wissenschaftlern im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesbildungsministeriums.

Mehr Geld, mehr Personal, höhere Bildungsabschlüsse

Der inzwischen achte Bildungsbericht bestätigt positive Entwicklungen im deutschen Bildungssystem:

  • Höhere Bildungsausgaben: Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft sind - nach vorläufigen Berechnungen - im Jahr 2018 auf gut 310 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2010. Die Bildungsausgaben des Bundes stiegen von 2008 bis 2019 sogar um fast 120 Prozent.
  • Höhere Bildungsabschlüsse: Immer mehr Menschen verfügen über ein Abitur (2018: 33 Prozent der Bevölkerung, 2008: 24 Prozent) beziehungsweise über einen Hochschulabschluss (2018: 18 Prozent, 2008: 13 Prozent).
  • Mehr Personal: Die Zahl der Menschen, die im Bildungswesen beschäftigt sind, hat von 2008 bis 2018 deutlich zugenommen. Den größten Zuwachs gab es in der frühen Bildung (ein Plus von 63 Prozent) und an den Hochschulen (ein Anstieg von 37 Prozent). An Schulen sind trotz eines Rückgangs an Schülerinnen und Schülern 20.000 Lehrkräfte mehr tätig als zehn Jahre zuvor.
  • Mehr Ganztagsbetreuung: Sowohl Angebot als auch Inanspruchnahme sind deutlich gestiegen. Im Schuljahr 2018/19 werden 68 Prozent aller Schulen als Ganztagsschulen ausgewiesen (2005/06: 30 Prozent). Rund die Hälfte aller Grundschulkinder (1,5 Millionen) nutzten im Schuljahr 2018/19 Ganztagsbetreuung in Schulen oder Kindertageseinrichtungen.
  • Höhere Durchlässigkeit - Bildungschancen steigen: Die Bildungschancen für Kinder von gering qualifizierten Eltern steigen. Zwar spielt die Herkunft weiter eine Rolle, dennoch erreichen diese Kinder häufiger einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern. Dazu mag neben dem Ausbau der Ganztagsbetreuungsangebote auch beigetragen haben, dass das Bildungssystem insgesamt flexibler geworden ist. Es gibt beispielsweise flexiblere Übergänge zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Herausforderungen bleiben

Der Bildungsbericht zeigt aber auch auf, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. So verlassen wieder mehr Schüler ohne einen Abschluss die Schule. Seit 2013 stieg ihre Anzahl von 5,7 auf 6,8 Prozent eines Abschlussjahrgangs. Über alle Bildungsbereiche hinweg gibt es Menschen mit geringen schriftsprachlichen Kompetenzen. Und nach wie vor ist der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf den Bildungserfolg groß.

Die vergangenen Wochen hätten die Schwächen des Bildungssystems - "gerade im Bereich der Digitalisierung" - sehr deutlich gemacht, erläuterte Karliczek. Man habe gesehen, dass "wir noch nicht so weit sind, wie wir gewollt hätten". Dies betreffe sowohl die Ausstattung als auch den pädagogisch sinnvollen Einsatz. Deshalb müsse beim Digitalpakt Schule darauf geachtet werden, "dass die Förderung digitaler Infrastrukturen und die Entwicklung pädagogischer Konzepte Hand in Hand gehen".

Die Ministerin betonte: "Wir haben uns vorgenommen, das Jahrzehnt zu einem Jahrzehnt von Bildung, Forschung und Innovation zu machen." Bei dieser nationalen Aufgabe müssten alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Die Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen sei - gerade auch in den vergangenen Wochen - gut.