Vierte World Vision Kinderstudie

Bessere Teilhabechancen für Kinder wichtig

Was sind die Wünsche, Sorgen und Ängste von Kindern? Wo fühlen sie sich ernst genommen und beteiligt? Diesen und weiteren Fragen geht die vierte Kinderstudie des "World Vision Instituts" nach. Eines der Ergebnisse: Kinder brauchen bessere Teilhabechancen - vor allem in Familien mit kleinen Einkommen.

Familie beim Kartenspielen.

Die vierte Kinderstudie des "World Vision Instituts" geht den Wünschen, Sorgen und Ängsten von Kindern nach.

Foto: Ute Grabowsky/photothek.net

Jedes fünfte Kind in Deutschland erlebt sich und seine Familie im Alltag als arm. Die Chancen auf Teilhabe und Mitbestimmung sind ungleich verteilt. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle "World Vision Kinderstudie", in der Kinder im Grundschulalter zu ihrem subjektiven Erleben befragt werden.

Kampf gegen Kinderarmut als Schwerpunkt

Mit Blick auf die Ergebnisse der Studie ist für Bundesfamilienministerin Katarina Barley der Kampf gegen Kinderarmut besonders wichtig. "Ein reiches Land wie Deutschland kann es sich nicht leisten, dass jedes fünfte der befragten Kinder sagt, in seiner Familie sei das Geld öfter mal knapp."

Denn Armut grenze aus, mache klein und verschlechtere die Chancen, gut ins Leben zu starten, so Barley. "Wir brauchen gute und kostenfreie Kinderbetreuung, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder und mehr Möglichkeiten für alle Kinder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben", sagte die Ministerin.

Selbstbestimmung wirkt sich für Kinder positiv aus

Laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht darauf, in allen Angelegenheiten, die sie betreffen, gehört zu werden. Die Studie zeigt: Nur jedes dritte der befragten Kinder zwischen sechs und elf Jahren hat das Gefühl, dass seine Meinung für Lehrerinnen und Lehrer eine Rolle spielt. In den Familien sieht die Situation etwas besser aus: Vom Vater fühlt sich etwa jedes zweite Kind in seinen Anliegen ernst genommen, von der Mutter zwei von drei Kindern.

Das Recht auf Selbstbestimmung ist für Kinder aber wichtig. Denn: Kinder, die sich als selbstbestimmt erfahren, haben laut der Studie einen größeren Freundeskreis, gestalten ihre Freizeit vielseitiger und nehmen auch ihre Schulleistungen positiver wahr.

Erfahrungen mit Geflüchteten

Ein Schwerpunkt der Studie liegt beim Thema Flucht. Dabei wird deutlich: In Deutschland lebende Kinder im Grundschulalter sind mehrheitlich mitfühlend und offen gegenüber geflüchteten Menschen. Fast ein Drittel der Kinder gibt an, im Alltag zusammen mit geflüchteten Kindern etwas zu machen.

Die Studie zeigt: Je mehr Kontakt zwischen den Kindern und geflüchteten Menschen stattfindet, desto positiver ist die Einstellung. Dort, wo sich Kontaktmöglichkeiten ergeben und wo diese zu Interaktionen führen, werden geflüchtete Kinder trotz ihrer häufig prekären Lage und auch unabhängig von vorhandenen sprachlichen Barrieren in die soziale Netze von einheimischen Kindern integriert.

Unter dem Titel "Kinder in Deutschland 2018 - Was ist los in unserer Welt" ist am 15. Februar die vierte "World Vision Kinderstudie" erschienen. Die Studie untersucht Erfahrungen, Wünsche und Sorgen von sechs- bis elfjährigen Kindern in Deutschland. Mit mehr als 2.500 Interviews gibt die Studie Einblicke in die Lebenswelten und Erfahrungen von Kindern - unter anderem zu den Themen Familie, Schule, Armut, Flucht, Freundschaft und Mitbestimmung.
Die World Vision Kinderstudien erscheinen seit 2007 regelmäßig.

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