Kampagne "sicher drüber"

Bahnübergänge – die unterschätzte Gefahr

Die amtliche Statistik belegt: Menschliches Fehlverhalten ist in mehr als 90 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen die Ursache. Seit 2002 klärt die Präventionskampagne "sicher drüber" über das richtige Verhalten auf. Mit Erfolg: Die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen hat sich deutlich verringert.

Neben der Deutschen Bahn ist die Bundespolizei, der ADAC, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sowie zwei gesetzliche Unfallversicherer an der Kampagne beteiligt. Das gemeinsame Ziel: Kollisionen an Bahnübergängen durch intensive Aufklärung von vornherein ausschließen.

Ein "Bahnübergang" beschreibt die höhengleiche Kreuzung von Eisenbahnen mit Straßen, Wegen und Plätzen. Da Bahnübergänge sowohl Straße als auch Schiene berühren, sind sie eine Gemeinschaftsaufgabe.

Im Dienste der Unfallvermeidung

Bundesweit betreibt die Deutsche Bahn 16.871 Bahnübergänge (Stand: Ende 2016). An diesen sensiblen Verkehrspunkten kommt es immer wieder zu folgenschweren Unfällen. In den meisten Fällen handeln Verkehrsteilnehmer fahrlässig. Sie überqueren die Gleise – ungeachtet roter Blinklichter, Lichtzeichen und geschlossener Schranken.

Aufklärung und Information sind deshalb wichtig. Die Deutsche Bahn engagiert sich seit mittlerweile mehr als 15 Jahren mit der Gemeinschaftskampagne "sicher drüber". Diese sensibilisiert mit zielgruppenspezifischen Publikationen, audiovisuellen Medien sowie Presseaktivitäten für das richtige Verhalten an Bahnübergängen.

Bremsweg: Züge haben wegen ihrer großen Masse und der hohen Geschwindigkeiten einen sehr viel längeren Bremsweg als ein Pkw. So benötigt ein rund 100 Stundenkilometer schneller Reisezug mit einem Gewicht von circa 1.000 Tonnen etwa 1.000 Meter bis zum Anhalten.

Kampagne setzt auf Schockeffekt

Im Jubiläumsjahr 2017 wurde die Kampagne komplett neu aufgelegt. Im Mittelpunkt steht ein emotionales Video, das insbesondere junge Menschen erreichen soll. Die klare Botschaft lautet: "Bitte verhalte Dich nicht leichtsinnig am Bahnübergang!" Begleitend dazu wurden Postkarten mit eingängigen Sprüchen und ein Plakat entwickelt.

Seit 2016 setzen die Partner von "sicher drüber" bewusst auch auf den Schockeffekt. Ein völlig zerstörtes Auto macht bei Vor-Ort-Terminen in ganz Deutschland auf die fatalen Folgen von Leichtsinn und Unachtsamkeit am Bahnübergang aufmerksam. Die Zusammenarbeit mit einem Fachverlag für Fahrschulen rundet das Angebot ab.

Weitere Infos rund um die Kreuzungen von Straße und Schiene sowie Grafiken, Statistiken und Materialien der Kampagne "sicher drüber" zum Download stehen zur Verfügung unter www.deutschebahn.com/bahnuebergaenge.

Weniger Unfälle an Bahnübergängen

Nach mehr als 15 Jahren können die Initiatoren von "sicher drüber" eine positive Bilanz ziehen: Die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen hat sich zwischen 2002 und 2016 von 294 auf 140 mehr als halbiert. Allerdings hätten mehr als 90 Prozent der Kollisionen vermieden werden können – durch das richtige Verhalten der Verkehrsteilnehmer.

Deshalb arbeitet die Bahn auch daran, die Zahl der Bahnübergänge zu reduzieren. Von den heute noch 16.871 Bahnübergängen sind etwa 61 Prozent technisch gesichert. Sie unterliegen zweimal jährlich einer strengen Inspektion. Alle nicht technisch gesicherten Bahnübergänge werden routinemäßig dreimal pro Jahr in Augenschein genommen.

Sicherung: An Hauptbahnen ist eine technische Sicherung grundsätzlich für alle Bahnübergänge vorgesehen. Bahnübergänge ohne technische Sicherung kommen fast ausschließlich an verkehrsarmen Strecken vor.

So kommt man sicher drüber

Ein Bahnübergang wird mit speziellen Verkehrsschildern angekündigt. Das Andreaskreuz bedeutet, dass Züge absolute Vorfahrt haben. Der Abstand zum Bahnübergang ist durch Baken gekennzeichnet, die in 240 Metern, 160 Metern und 80 Metern Entfernung stehen - oft in Verbindung mit Schildern zur Begrenzung der Geschwindigkeit.

Grundsätzlich sollten die Gleise erst überquert werden, wenn sichergestellt ist, dass kein Zug kommt. Bei rotem beziehungsweise gelbem Blink- oder Dauerlicht muss angehalten werden – auch bei geöffneten Schranken. Geschlossene Schranken dürfen nicht umfahren werden. Im Bereich des Bahnübergangs gilt außerdem Überholverbot.

Zehn einfache Regeln können Leben retten. Denn: Mehr als 90 Prozent der Unfälle an Kreuzungen von Schiene und Straße passieren wegen Leichtsinn, Unwissenheit und Ungeduld!

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