Arzneimittel nehmen - aber sicher

Aktionsplan im Kabinett Arzneimittel nehmen - aber sicher

Rund 68.000 apothekenpflichtige Arzneimittel sind in Deutschland verfügbar. Da können schon einmal Fehler bei der Einnahme oder Verschreibung passieren. Deshalb hat das Bundesgesundheitsministerium dem Kabinett den Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit vorgelegt.

Apothekerin im Gespräch mit einer Kundin.

Ein Ziel des Aktionsplans ist es, Patienten und Fachleute - wie Apotheker - für vermeidbare Risiken zu sensibilisieren.

Foto: Thomas Koehler/photothek.net

Rund 48.000 verschreibungspflichtige Arzneimittel stehen in Deutschland zur Verfügung. Dazu kommen etwa 20.000 Medikamente, die nicht verschrieben werden müssen, aber apothekenpflichtig sind. Viele Krankheiten können ohne Arzneimittel nicht behandelt werden.

Doch immer wieder passieren Fehler in der Medikation. Die Kosten für deren Behandlung liegen allein im ambulanten Bereich bei jährlich rund 800 Millionen Euro.

Bei Medikamenten müssen alle aufpassen

Damit weniger Fehler in der Medikation passieren, müssen sich alle Beteiligten anstrengen - Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte sowie Patienten. Denn jeder kann bei jedem Schritt der Therapie etwas falsch machen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat dem Kabinett den inzwischen vierten Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit vorgelegt. Er umfasst 42 Maßnahmen für die Jahre 2016 bis 2019.

Der Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit 2016 - 2019 wurde vom Bundesgesundheitsministerium erarbeitet. Beteiligt waren die Ärzte- und Apothekerschaft, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, das Aktionsbündnis Patientensicherheit, der Deutsche Pflegerat und die Patientenverbände. Der erste Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit wurde 2007 in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ins Leben gerufen. Er wurde 2010 und 2013 fortgeschrieben.

Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Gut ein Prozent aller Krankenhauseinweisungen gehen auf vermeidbare Medikationsfehler zurück. Bei einem Drittel der Patienten, die ins Krankenhaus kommen, wurden Nebenwirkungen von Arzneimitteln festgestellt. Das ergab eine Studie.

71 Prozent der Nebenwirkungen beruhen auf vermeidbaren Medikationsfehlern - also auf unpassender Verschreibung oder ungenügender Therapieüberwachung. Betroffen sind vor allem ältere Patienten, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Ungünstige Wechselwirkungen können Nebenwirkungen auslösen, die dem Patienten schaden.

Damit weniger Fehler in der Medikation passieren, müssen die Risiken der Arzneimitteltherapie allen Beteiligten bekannt sein. Ein Ziel des Aktionsplans ist es, sowohl Patienten als auch die Fachleute für vermeidbare Risiken zu sensibilisieren.

Ab Oktober 2016: Medikationsplan

Ab Oktober haben Patienten, die mindestens drei verordnete Medikamente nehmen, einen Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan - zunächst noch in Papierform. Ab 2018 sollen die Medikationspläne über die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein, wenn Patienten das wollen. Grundlage ist das E-Health-Gesetz (Gesetz für "Sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“) vom Januar 2016.

Verschiedene Merkblätter für Patienten mit zusätzlichen Hinweisen für eine sichere Arzneimitteltherapie werden vorbereitet. Geplant sind auch Merkblätter für Arzneimittel, die Patienten ohne ärztliche Verordnung einnehmen können. Denn Fehler passieren auch, wenn Patienten sich selbst mit Medikamenten versorgen.

Ärzte, Apotheker und Pfleger sollen geschult werden und zusammen an sicheren Therapieverfahren arbeiten. Zudem soll bis 2019 ein Pilot-Masterstudiengang Arzneimitteltherapiesicherheit entwickelt werden.

Tag der Patientensicherheit

Beim zweiten Internationalen Tag für Patientensicherheit am 17. September wird die Arzneimittelsicherheit im Mittelpunkt stehen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat dazu aufgerufen. Krankenhäuser, Rehabilitationszentren, Praxen, Pflegeeinrichtungen, Apotheken und Gesundheitsorganisationen sollen zeigen, wie Risiken und Nebenwirkungen vermieden werden können.

Medikamente sicher verordnen

Ebenfalls geplant sind Handlungsempfehlungen für Ärzte und Apotheker für hochriskante Arzneimittel. Vorgesehen ist eine Datenbank zur Dosierung von Arzneimitteln für Kinder. Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, sollen besser gekennzeichnet werden.

Krankenhausärzte sollen Arzneimitteltherapien einheitlicher dokumentieren. Das ist auch wichtig, wenn Patienten aus dem Krankenhaus entlassen und Therapiepläne an ambulante Ärzte weitergegeben werden.

Für Pflegeeinrichtungen sollen Qualitätsindikatoren für die Arzneimitteltherapie entwickelt werden. Rund ein Drittel der 2,5 Millionen pflegebedürftigen Menschen lebt in Pflegeheimen. Die meisten müssen mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. Forschung soll sich darauf richten, wie diese Patienten sicherer mit Medikamenten versorgt werden können.