Die Lage ist ernst, das Infektionsgeschehen stark

Aktuelle Corona-Lage Die Lage ist ernst, das Infektionsgeschehen stark

Angesichts schnell steigender Infektionszahlen rufen Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler die Bürger dazu auf, sich umsichtig zu verhalten und von den kostenlosen Testmöglichkeiten Gebrauch zu machen. Die Länder sollen die vereinbarte Notbremse konsequent anwenden.

„Noch können wir Ostern nicht so gestalten, wie wir es gewohnt sind“, erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. Der Grund: Die Zahlen steigen sehr schnell, die Virusmutationen machen die Lage gefährlich. Spahn betonte, es sei mit ähnlich hohen Neuinfektionen wie im Winter und damit auch mit einer steigenden Zahl von Todesfällen zu rechnen. Er appelliert daher an die Länder, die vereinbarte Notbremse beim Überschreiten der Inzidenz von 100 „konsequent umzusetzen und konsequent anzuwenden“.

„Wir sind wahrscheinlich im letzten Teil dieses Pandemie-Marathons angekommen“, so Spahn. Doch dieser letzte Teil sei auch der schwerste – jeder weitere Schritt wirke für viele wie eine Tortur. Doch es gehe nun darum, das Erreichte nicht zu verspielen und noch miteinander durchzuhalten.

Wieler: Diese Welle könnte noch schlimmer werden

Auch RKI-Präsident Wieler warnte: „Es gibt sehr deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Fallzahlen stark steigen, dass wieder mehr Menschen schwer erkranken, dass Kliniken überlastet werden und dass viele Menschen auch sterben werden.“ Bürgerinnen und Bürger sollten sich an Ostern, aber auch davor und danach idealerweise nur draußen treffen, da dort die Infektionsgefahr deutlich reduziert ist.

Impfeffekt durch Infektionsgeschehen geschmälert

Zum Fortschritt bei den Corona-Impfungen teilte Spahn mit, dass mittlerweile mehr als zwölf Millionen Dosen verimpft worden seien. Über acht Millionen Bürgerinnen und Bürger und damit über zehn Prozent der Deutschen hätten eine erste Impfung erhalten. Die zweite Dosis haben 4,4 Prozent der Menschen bekommen. Gleichzeitig werde der Effekt des Impfens durch die steigenden Infektionszahlen aktuell geschmälert – diese Entwicklung sei auch international zu beobachten. Denn „je höher die Inzidenz, desto weniger hilft das Impfen, um die Zahlen zu drücken“, erklärte der Gesundheitsminister.

15 Millionen Impfdosen im April

Allein im April werden nun, so Spahn, mehr als 15 Millionen Impfdosen erwartet. Die Impfkampagne werde damit an Dynamik gewinnen. Auch Arztpraxen werden dann in die routinemäßigen Impfungen einbezogen. Spahn rief zur Flexibilität auf: Auch alle Menschen, die der zweiten Prioritätsgruppe angehören, sollten nun in die Impfkampagne einbezogen werden. Diese zweite Gruppe ist groß und umfasst unter anderem die 70- bis 80-Jährigen, aber auch bestimmte Berufsgruppen.

Spahn betonte: „Impftermine sind zu wertvoll, um sie verfallen zu lassen“. Daher brauche es auch kreative Lösungen mit Stand-by-Listen, wie sie teilweise schon zur Anwendung kommen.

Inzidenz bei über 80-Jährigen nimmt deutlich ab

Der Gesundheitsminister wies darauf hin, dass die Impfungen bei älteren Menschen schon deutlich Wirkung zeigen. So sei die 7-Tage-Inzidenz bei Menschen über 80 Jahren von über 290 Anfang Januar auf jetzt 55 gefallen. Auch die Corona-Ausbrüche in den Pflegeheimen seien deutlich zurückgegangen. Diese Daten seinen „ermutigend“ – dürften aber nicht darüber hinwegtäuschen, „dass wir damit noch nicht am Ziel sind“, so Spahn.

Von kostenlosen Coronatests Gebrauch machen

Spahn appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, umfassend von den Testangeboten Gebrauch zu machen. Seit dem 8. März übernimmt der Bund die Kosten für einen Test. „Jeder und jede kann sich mindestens einmal pro Woche kostenlos testen lassen und darüber ein Nachweis erhalten“, so Spahn. Über 10.000 Testzentren seien in kurzer Zeit nahezu flächendeckend entstanden. Je nach Region entstehen unterschiedliche Angebote mit unterschiedlichen Organisationen - „ob mit den Rettungsorganisationen, mit privaten Partnern, ob mit Drogerien, Apotheken, Ärzten.“ Diese Infrastruktur sei Voraussetzung, um die Tests in einem nächsten Schritt strategischer nutzen zu können und sie mit vorsichtigen Öffnungsschritten zu verknüpfen, so Spahn.

Corona-Regeln einhalten

RKI-Präsident Wieler appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, auf Reisen im In- und Ausland zu verzichten und konsequent die Corona-Regeln einzuhalten: „Abstandhalten, Hygienemaßnahmen beachten, Maskentragen und, wenn es in Innenräumen ist, Lüften.“ Denn, das Tückische an einer Covid-19-Erkrankung sei, so Wieler, dass man schon ansteckend sein kann, bevor Symptome auftreten. Etwa die Hälfte aller Viruslasten werde schon vor Symptombeginn ausgeschieden, so „dass man sich umgekehrt natürlich dann auch beim Menschen anstecken kann, die völlig gesund wirken.“

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