"Pandemien und Klimawandel: Wie ernähren wir die Welt?"

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hält eine Broschüre hoch.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der virtuellen Agrarministerkonferenz.

Foto: BMEL/Photothek/Gaertner

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Schätzungen zufolge wird sie von jetzt 7,8 auf fast 10 Milliarden Menschen wachsen. Die Versorgung mit Lebensmitteln hält hier nicht Schritt. Zudem erschwert Corona den Kampf gegen den Hunger. Litten vor Corona 690 Millionen Menschen an Hunger, werden durch die Pandemie schätzungsweise 130 Millionen dazu kommen. Genau darauf machte das Global Forum for Food an Agriculture aufmerksam und legte seinen Schwerpunkt auf die globalen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und dem Klimawandel.

Aufruf zum Handeln

Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass die Landwirtschaft systemrelevant ist, aber auch die Schwachstellen und Einflussfaktoren offengelegt. "Einerseits müssen Lieferketten funktionieren, damit Nahrung verfügbar ist, Preise stabil und bezahlbar bleiben: Hohe Preise dürfen nicht mit dem Hunger von Menschen bezahlt werden," sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Gemeinsames Handeln ist auch erforderlich, um das Auftreten neuer Pandemien und deren negative Auswirkungen zukünftig möglichst zu vermeiden. Denn neue Infektionserreger seien oftmals tierischen Ursprungs. Klöckner weiter: "Die Gesundheit von Tieren ist deshalb eine gute Krankenversicherung für die Menschen. Ich setze mich entschieden für eine Stärkung des One-Health-Ansatzes ein."

Die Bundesministerin betonte weiterhin die Notwendigkeit, weltweit den Klimawandel zu bekämpfen und gleichzeitig Erträge und Ernten zu sichern. Neue Pflanzenzüchtungen oder intelligente Bewässerungssysteme seien hier wichtige Instrumente.

Die wesentlichen Punkte des Abschlusskommuniqués der Agrarministerkonferenz:

  • Wildtiergesundheit: Um weitere Pandemien zu verhindern, sind mehr Ursachenforschung, funktionierende Frühwarnsysteme und ein besseres Gesundheitsmanagement bei Wildtieren unerlässlich. Denn: 70 Prozent der Infektionserreger, die in den letzten 30 Jahren bei Menschen neu aufgetreten sind, stammen von Tieren.
  • Zugang zu Lebensmitteln: Ohne offene Märkte und funktionierende Versorgungsketten kann die Ernährung der Menschen nicht gesichert werden. 40 Länder der Welt verfügen über so wenig Agrarfläche, dass sie auf Importe zwingend angewiesen sind. Exportbeschränkungen wirken dann wie ein Preistreiber.
  • Klimawandel: Die Landwirtschaft ist Opfer des Klimawandels, jedoch auch Teil der Lösung. Moderne Produktionsweisen und Digitalisierung können den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verringern. Böden müssen verstärkt als Kohlenstoffsenken genutzt werden. Eine Stärkung der Agroforstwirtschaft sowie der Anbau standortangepasster Pflanzen sind nötig, um die Ernährung trotz veränderter klimatischer Bedingungen zu sichern.

Die Berliner Agrarministerkonferenz ist die weltweit größte Agrarministerkonferenz und findet am letzten Tag des Global Forum for Food and Agriculture statt. Auf der Konferenz formulieren die Agrarministerinnen und -minister eine gemeinsame politische Position im Abschlusskommuniqué, das in den vergangenen Jahren immer einstimmig angenommen wurde. Die Ergebnisse fließen in die weitere internationale agrarpolitische Diskussion ein. In diesem Jahr fand die Agrarministerkonferenz aufgrund der Covid-19 Pandemie rein virtuell statt.