Aufarbeitung der DDR-Diktatur

"Voll der Osten. Leben in der DDR"

Abgekämpfte Schichtarbeiter in der U-Bahn, ein verliebtes Paar beim Trabbikauf, ein Straßenfest im Prenzlauer Berg. Die eindrücklichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen des renommierten Fotografen Harald Hauswald bieten intensive Einblicke in das Alltagsleben der Menschen in der DDR.

Drei Männer, die in der U-Bahn nebeneinander sitzen.

Szene in der U-Bahn: Dicht an dicht und doch weit weg.

Foto: Ostkreuz/Harald Hauswald

Mehr als einhundert bekannte und unbekannte Aufnahmen des DDR-Fotografen Harald Hauswald können Interessierte bewundern. In den achtziger Jahren zog Hauswald durch Ost-Berlin, beobachtete die Menschen der Zeit und fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam.

Bildungsangebot gerade für jüngere Menschen

Eine beeindruckende Auswahl haben die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Ostkreuz-Verein für Fotografie jetzt auf großen Schautafeln zusammengestellt. Schulen, Bildungsorganisationen, Rathäuser oder sonstige Interessenten können das Poster-Set seit kurzem bestellen. Die Fotos entfalten ihre Wirkung auch heute noch, 28 Jahre nach dem Fall der Mauer.

Bilder von Abschied, Einsamkeit und Rebellion

Die mobile Ausstellung ist in 18 thematische Bereiche gegliedert, etwa Abschied, Einsamkeit und Flucht über Jugend, Neugier, Ordnung und Rebellion. Die Texte von Stefan Wolle, Historiker und Wissenschaftlicher Leiter des DDR Museums, ordnen die Momentaufnahmen ein.

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Foto: Hirschhof, Berlin-Prenzlauer Berg, 1986, DDR

Ausstellung „Voll der Osten. Leben in der DDR“

Foto: Ostkreuz/Harald Hauswald

Unabhängiger Chronist der DDR

Dazu gehörten im Ost-Berlin der 80er Jahre auch verfallende Fassaden, Trinker, Punks oder Schlangen vor Lebensmittelläden. Seine Bilder wirkten, ohne Teleobjektiv oder technischer Nachbereitung, als Kritik am Staat. Der eigensinnige Fotograf wurde von der Staatssicherheit überwacht, konnte durch seine wachsende Bekanntheit im Westen aber weiter arbeiten.

"Ich wollte den Osten, ohne Schminke zeigen, so wie ich ihn gesehen hat", sagt Hauswald im Video-Interview. Ihm gelingen Aufnahmen von großer, fast intimer Nähe. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Sein Werk umfasst zehntausende Aufnahmen.

Harald Hauswald, seit den 1970er Jahren in Ost-Berlin, veröffentlichte als erster DDR-Fotograf in den 1980er Jahren in Zeitschriften wie Geo oder Stern. 2006 zeichnete ihn die Bundeszentrale für politische Bildung für für sein Lebenswerk mit dem "Einheitspreis – Bürgerpreis zur deutschen Einheit". Er ist Mitbegründer der OSTKREUZ Agentur der Fotografen.

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