Erneuerbare Energien

Neue Ideen für Energie und Nahrung

Sowohl Nutzpflanzen als auch Energie zugleich auf einer Fläche zu produzieren, das soll in einem neuen Forschungsprojekt getestet werden. Im März startete dazu in der Region Bodensee-Oberschwaben ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Pilotprojekt.

Solaranlage

Das Bundesforschungsministerium fördert Maßnahmen zum Thema "Nachhaltiges Landmanagement".

Foto: BilderBox

Ziel ist es, die Konkurrenz zwischen der Produktion von erneuerbaren Energien und Nahrungsmitteln zu verringern. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg untersuchen in Zusammenarbeit mit Forschenden vom Karlsruher Institut für Technologie und der Universität Hohenheim sowie Wirtschaftspartnern diese neue Technologie. Die Bundesregierung fördert das bis 2019 laufende Projekt mit 2,7 Millionen Euro.

Agrophotovoltaik als Lösung

Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, den Spagat zwischen der Anpassung an den Klimawandel und dem starken Ausbau der erneuerbaren Energien zu meistern. Hier könnte die Agrophotovoltaik die Lösung bedeuten: die gleichzeitige Ernte von landwirtschaftlichen Gütern unterhalb von PV-Freiflächenanlagen. "Dieser Ansatz, Sonnenenergie auf der gleichen Fläche für Nutzpflanzen und für die Solarproduktion zu verwenden, könnte sich zu einem weltweit interessanten Beispiel entwickeln", meint Professor Eike E. Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts. 

Modellregion Bodensee-Oberschwaben

Hier startete das Pilotvorhaben, in dem im kommenden Jahr eine erste leistungsstarke Agrophotovoltaik-Anlage (APV) auf Ackerflächen installiert wird. Agrarwissenschaftliche, sozialpolitische, ökonomische und ökologische Analysen begleiten das Projekt. Ein Schwerpunkt dabei ist der Feld- und Gemüseanbau.

Im Bodenseekreis betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch 2013 etwa zwölf Prozent, im Bundesdurchschnitt lag er bei 25,5 Prozent. Regionale Besonderheiten tragen zu diesem Ergebnis bei. So sind beispielsweise Windkraftanlagen sehr umstritten, da sie den Blick auf das Alpenpanorama stören könnten.

Auch das Biogaspotenzial ist aufgrund des Obst- und Hopfenanbaus gering. Die APV könnten hier eine zukunftsträchtige und nachhaltige Lösung darstellen. Und bestimmte Feldfrüchte, wie Kartoffeln oder Salat, wachsen mit verringerter Sonneneinstrahlung sogar besser – so eine erste Studie. 

Grafik einer Agrophotovoltaik-Anlage

Agrophotovoltaik: nachhaltige Landnutzung für Energie und Nahrung - ein Pilotprojekt am Bodensee.

Foto: Fraunhofer ISE

Nachhaltiges Landmanagement

Seit 2010 fördert das Bundesforschungsministerium Maßnahmen zu "Nachhaltigem Landmanagement". Sie stehen in Zusammenhang mit den Zielen der Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung. Ziel der Forschung zum nachhaltigen Landmanagement ist die Entwicklung neuer, nachhaltiger und praktikabler Lösungen für Regionen, die durch klimatische und wirtschaftlich-strukturelle Veränderungen besonders betroffen sind.

So könnten der Obst-, Wein- und Hopfenanbau oder der Landbau in besonders regenarmen Gebieten von APV-Anlagen profitieren. Das Fraunhofer-Institut will in Ägypten Dieselgeneratoren durch APV-Anlagen ersetzen und gleichzeitig Wasseraufbereitungs- und Wasserverteilungssysteme aufbauen. Auch die Nahrungsmittel-, Energie- und Wasserversorgungsicherheit würden dadurch sicherer werden.

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