Tag der offenen Tür

Ein Selfie mit der Kanzlerin

Keiner kann die Arbeit der Bundesregierung besser erklären als die Kanzlerin selbst. Deshalb folgten auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Interessierte Angela Merkel beim traditionellen Rundgang durch das Kanzleramt. Und manche bekamen sogar die Gelegenheit zu einem Selfie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schreibt beim Kanzlerin-Rundgang zum Tag der offenen Tür Autogramme.

Erinnerung auf Zeit: Die Kanzlerin gibt ein Autogramm auf den Arm.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

14:28 Uhr, Ehrenhof des Kanzleramtes: Weit mehr als 100 Menschen stehen Spalier für die Kanzlerin. In wenigen Augenblicken soll sie hier sein. Doch jetzt, ein Handyklingeln. Hörbar verärgert ruft der Besucher: "Ich kann jetzt nicht, die Kanzlerin kommt gleich", in sein Smartphone. Geht gar nicht, so ein Anruf in diesem Moment.

Und dann geht sie auf einmal durch die Massen, schlendert, schüttelt viele Hände, schreibt Autogramme auf Zettel, die ihr hingehalten werden. Angela Merkel ist da, pünktlich, zum Start ihres Rundgangs durch das Bundeskanzleramt und den Kanzlergarten, gemeinsam mit ihren Gästen.

"Einfach mal die Kanzlerin sehen"

Stefanie Salge aus Hildesheim ist eine davon. "Ich wollte einfach mal die Kanzlerin sehen", sagt sie. "Es ist ihre Art, ihr Charisma, was mich anspricht". Die Kanzlerin sehen ist das eine. Noch besser ist es, von der Regierungschefin einige kleine "Geheimnisse" der Regierungsarbeit erklärt zu bekommen.

Das erste Mal macht das Angela Merkel an diesem Nachmittag im Ehrenhof. Dem Ort, an dem sie ausländische Staatsgäste begrüßt. Zum offiziellen Empfang dazu gehört in der Regel auch das Abspielen der Nationalhymnen durch das Musikkorps. "Im Winter ist das manchmal schwierig", erzählt die Kanzlerin. "Ist es kälter als minus vier Grad, muss wegen der Empfindlichkeit der Instrumente leider darauf verzichtet werden."

Die Chinesen hätten dieses Problem aber nicht, sagt Merkel. Dort gebe es eine große Halle am Regierungssitz, in die man bei frostigen Temperaturen ausweiche. "Das haben wir wir aber in unserem kleinen Kanzleramt nicht", meint Merkel schmunzelnd.

Deutschland - ein Land der Freiheit

Noch im Ehrenhof kommt die Kanzlerin auch auf das Hauptthema des diesjährigen Tags der offenen Tür zu sprechen: "25 Deutsche Einheit." Auch wenn nicht immer alles ganz rund laufe. Im internationalen Vergleich "können wir froh sein, dass wir in Deutschland Frieden haben". Deutschland sei ein starkes Land, ein Land der Freiheit.

An der nächsten Station des Rundgangs kommt der große Moment von Steffen Thobolt. Auf der Treppe zur sogenannten Kanzlergalerie, der Ort mit den Kanzlerportraits, gelingt ihm ein Selfie. Ein Freudenschrei, und für den jungen Mann scheint es ein ganz besonders schöner Tag zu sein. Seine Freundin hat gleich auch etwas davon, sie darf sich über eine herzliche Umarmung freuen.

Doch Steffen ist nicht der einzige Glückliche an diesem Tag. Immer wieder bleibt Angela Merkel stehen, um ihre Gäste mit der Gelegenheit für ein Selfie willkommen zu heißen. Trotz Hitze und Gedränge gibt sich die Kanzlerin sichtbar entspannt.

Die Kanzlerin und ihr "Hubschrauber-Geheimnis"

Eine Station weiter verrät die Kanzlerin wieder ein kleines "Geheimnis". Neben dem tiefblauen, gewaltigen Polizeihubschrauber draußen auf der Rückseite vom Kanzleramt stehend erzählt sie, dass es im "Hubschrauber oft sehr laut ist, weshalb ich Ohrstöpsel verwende." Anders als die Piloten trage sie aber keinen Helm. Das wäre dann auch für sie wegen der Frisur nicht so ganz ganz leicht, erklärt sie den Besucherinnen und Besuchern, die mit einem heiteren Lachen reagieren. "Noch Fragen?", so Merkel. Scheint nicht der Fall zu sein, auf zur nächsten Station.

Merkel betritt den Garten des Kanzleramtes. In dem Moment dröhnt das Lied "Heidi" durch den Park. Auf der großen Bühne ist das Kinderprogramm in vollem Gange, die Jungen und Mädchen wippen eifrig im Takt. Angela Merkel hört dies und reagiert mit einem Lächeln. Dass sie ein großes Herz für Kinder hat, zeigt sich auch, als sie bei ihrem Auftritt auf der Bühne kurzerhand die "Fernsehmaus" an die Hand nimmt und und mit ihr gemeinsam den Kindern zuwinkt.

Bürgerdialog liegt Merkel am Herzen

Im Bühnentalk mit Moderator Sascha Hingst wird es ernsthaft. Merkel berichtet von den Terminen der vergangenen Woche. Besonders hebt sie den Besuch im sächsischen Heidenau hervor, der sie sehr bewegt habe. Als einen Termin von sehr hohem Wert habe sie auch den Bürgerdialog in Duisburg-Marxloh empfunden.

Diese Veranstaltung in der Reihe "Gut leben in Deutschland" nimmt sie zum Anlass, für den Bürgerdialog zu werben. Er liege ihr und der gesamten Regierung sehr am Herzen. Für jeden Menschen bedeutet "Gut leben" etwas anderes. Für einige Umwelt, für andere soziale Sicherheit, für alle Gesundheit. Die Ergebnisse des Dialogs würden wissenschaftlich ausgewertet. Danach könne man klarer erkennen, was man konkret noch optimieren müsse.

Auf die Frage, ob die Ergebnisse des Bürgerdialogs denn nicht in der Schublade verschwänden, entgegnet Merkel mit einem klaren "Nein". Und verwies als Beleg auf den Bürgerdialog in der vergangenen Legislaturperiode. Dort sei eine Anregung ein "Denkmal aus drei Bäumen" zum Thema Einheit gewesen. Ein Baum für den Westen, einer für den Osten, und ein Baum in der Mitte für das wiedervereinigte Deutschland. Diese Anregung habe man umgesetzt, so Merkel. Und das werde auch mit vielen Ideen aus dem aktuellen Bürgerdialog passieren.

Merkel: "Noch toleranter werden"

Dann wird Sascha Hingst persönlich. Er fragt die Kanzlerin, was sie sich denn selbst wünschen würde, Stichwort "Gut leben". Angela Merkel zögert eine Sekunde, dann nennt sie zwei Wünsche. Zum einem "könnten wir alle noch ein Stück toleranter sein". Es sei wichtig, friedlich zusammenzuleben. Und es sei ein großer Wert, dass wir in Freiheit leben könnten. Aber es sei die Frage, wo die eigene Freiheit die Freiheit des anderen beschneide. Hierüber gelte es vielleicht noch einmal nachzudenken. Als zweiten Wunsch sagt Merkel, "dass es wichtig ist, neugierig zu bleiben, und das Interesse für andere Menschen zu behalten".

Möglicherweise denkt die Kanzlerin in dem Moment auch an das aktuelle Flüchtlingsthema, was sie auch bei einem Gespräch am Sonntagabend beschäftigen werde, wie sie erzählt. Ihre Haltung sei, dass man denjenigen, die wirklich Schutz bräuchten, helfen müsse. Um dies ausreichend tun zu können sei es wichtig, den Menschen, die nicht aus Not gekommen seien, schnell zu sagen, dass sie nicht bleiben können. Beides gehöre zusammen. Mit ihren Auffassungen steht Merkel nicht alleine da. Das zeigt der enorme Beifall der Zuhörer an dieser Stelle.

Unter den Gästen sind auch zwei junge Japanerinnen, die in Berlin studieren. Sie scheinen beeindruckt von den klaren Worten der Kanzlerin. Und freuen sich über ihre Selfies, wozu auch sie vorher mit Angela Merkel Gelegenheit hatten. Vielleicht kommen nächstes Jahr auch ihre Eltern aus Osaka zum Rundgang der Kanzlerin beim Tag der offenen Tür. Die Selfies mit der Kanzlerin haben sie jedenfalls schon - geschickt von ihren Töchtern aus dem Kanzlergarten.

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