Best-Practice-Beispiel: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Vom Bahngelände zur Passivhaus-Siedlung

Auf der Suche nach Bildungs- und Berufschancen sowie einer hohen Lebensqualität zieht es viele Menschen in die Städte. Doch wie können immer größer werdende Städte nachhaltig wachsen? Ein Projekt in Heidelberg zeigt beispielhaft, wie dies gelingen kann. 

Im Jahr 2008 wurde in der traditionsreichen Universitätsstadt Heidelberg mit dem Bau eines der größten Stadtentwicklungsprojekten Deutschlands begonnen: Der Bahnstadt. Auch noch elf Jahre danach ist das Projekt beispielhaft für die gelungene Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Belange innerhalb der Städteentwicklung.

Die insgesamt 116 Hektar große Fläche des früheren Güter- und Rangierbahnhofs bietet künftig rund 12.000 Menschen Raum zum Wohnen und Arbeiten. Ideale Voraussetzungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung: Hier gibt es eine dichte Besiedlung und ein abwechslungsreiches Angebot an Wohnungen sowie Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem setzen Kultur- und Bildungsangebote auf eine ressourcenschonende Infrastruktur.

Nachhaltige Städte und Gemeinden: Der Zuzug in Städte ist weltweit ungebrochen. Damit sie lebenswert und zukunftsfähig bleiben, bedarf es einer leistungsfähigen Infrastruktur, genügend bezahlbarer Wohnungen und moderner Mobilitäts- und Erholungsangebote. Dazu gehören auch die effiziente Nutzung der Flächen, der Schutz der Umwelt und genügend Stadtnatur. 

Attraktiv für Jung und Alt

Die Bahnstadt zeichnet sich durch eine gelungene Kombination aus Lebens-, Wissenschafts- und Entwicklungsstandort aus – in Anlehnung an die Tradition europäischer Altstädte. Dank des "Masterplans 100 Prozent Klimaschutz" wurde das Nachhaltigkeits- und Klimaschutzkonzept des Quartiers mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Planungsbeteiligten intensiv diskutiert. Die Bahnstadt wurde so imagewirksam als nachhaltiger Stadtteil etabliert.

Mit der im Jahr 2015 verabschiedeten Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft unter dem Dach der Vereinten Nationen zu 17 globalen Zielen für eine bessere Zukunft verpflichtet. Ziel 11 beschreibt die nachhaltige Entwicklung von Städten und Gemeinden. Sie ist daher auch ein wichtiges Handlungsfeld der deutschen Entwicklungspolitik.

Attraktivität bietet die Bahnstadt vor allem für junge Menschen und Familien. Das Durchschnittsalter im Stadtteil liegt bei etwa 29 Jahren. Mehrere Kindergärten, Spielplätze und Grünanlagen sorgen gemeinsam mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten für eine hohe Lebensqualität. Kurze Wege im Quartier und in die Innenstadt werden durch das weit ausgebaute Radwegnetz und den Öffentlichen Personennahverkehr ermöglicht.

Die Bahnstadt zeichnet sich auch als Forschungs- und Wissensquartier aus. Als Teil der Universitätsstadt Heidelberg befindet sie sich in nächster Nähe zum Technologiepark sowie dem Spitzencluster Forum Organic Electronics. Im Mittelpunkt des Bahnstadt-Campus steht das Labor- und Forschungsgebäude SkyLabs – mit 19.000 Quadratmetern Labor- und Forschungseinrichtungen ein sichtbares Wahrzeichen des Stadtteils.

Zur Planung des neuen Stadtteils gehörten nicht nur funktionale und gestalterische Aspekte, sondern auch Umweltkonzepte für Naturschutz, Regenwasserbewirtschaftung, Energieeffizienz und -versorgung. Sämtliche Gebäude wurden nach dem Energieeffizienz-Standard "Passivhaus" errichtet. Damit stellt der Stadtteil Bahnstadt aktuell die größte Passivhaus-Siedlung der Welt dar.

Weltweit erster Stadtteil mit null Emissionen

Mit sehr guter Dämmung, Dreischeiben-Verglasung und Lüftung mit Wärmerückgewinnung minimiert der Passivhausstandard den Energieverbrauch. Er sichert das Viertel gegenüber künftigen Energiepreisentwicklungen ab. Auch sonst ist der Wohnkomfort hoch. Die Strom- und Wärmeversorgung des Stadtteils erfolgt vollständig durch ein Holzheizkraftwerk und Biogas-Blockheizkraftwerken. Damit stellt Heidelberg-Bahnstadt den weltweit ersten Null-Emissionsstadtteil der Welt dar.

Auch die Bundesregierung baut nachhaltig. Mit verbindlichen Qualitätsanforderungen. Für die Umsetzung gibt es den Leitfaden "Nachhaltiges Bauen". Das Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit legt fest, dass Gebäude des Bundes an den Anforderungen des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) ausgerichtet werden sollen. Mehr Information gibt es hier.

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