Stefan Nowatschin, BvLB Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Bundesregierung,

als Nachhaltigkeitsbeauftragter des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. BvLB und stellvertretender Bundesvorsitzender bin ich erfreut, dass die Bundesregierung der Öffentlichkeit einen Entwurf zur Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie vorlegt. Die geplante Nachhaltigkeits-strategie der Bundesregierung ist an vielen Stellen richtig formuliert und unterstreicht die gewachsene Aufgabe, um auch die global vereinbarten 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in Deutschland zur Orientierung nationaler und internationaler Politik zu machen.
Ich verweise an dieser Stelle auf meine Ausführungen aus dem Jahr 2016.


Seit fast fünf Jahren vertrete ich ehrenamtlich die deutsche Berufsschullehrerschaft im Fachforum Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) der Nationalen Plattform Bildung Nachhaltige Entwicklung (BNE). Dort habe ich an der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans BNE – wurde im Juni 2017 veröffentlicht - mitgewirkt und brachte meine Expertise als Berufsschullehrkraft und Schulleiter der Berufsbildenden Schulen I Uelzen.

Die diesjährige Zwischenbilanz zum Stand der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE hat gezeigt, dass in den drei Jahren noch zu wenig umgesetzt wurde. Seit 2016 sind einige Best-Practice-Beispiele für nachhaltigkeitsorientierte Lernortgestaltungen auch national ausgezeichnet worden und es wurde ein Netzwerk der BNE-Ausgezeichneten gegründet. Diese geben eine sehr gute Orientierung, in welcher Weise die BNE bzw. BBNE Lernorte allgemeiner und Beruflicher Bildung gestaltet werden müssten.

Bedauerlicherweise muss ich feststellen, dass das Thema Nachhaltigkeit immer noch keine flächendeckende Stärkung der beruflichen Schulen berücksichtigt!

Die zurückliegenden und derzeitigen Modellversuche zu BBNE erbrachten und erbringen wertvolle Erkenntnisse, die flächendeckend umgesetzt gehören. Der politische Umsetzungswillen ist in den jeweiligen Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt, wie die o. a. Zwischenbilanz ausweist. Der Nationale Aktionsplan BNE scheint eine unverbindliche Empfehlung zu sein.

Ich bin gespannt, wie die Osnabrücker Erklärung zur Berufsbildung in Europa des Europäischen Rates, die viele richtige konkrete Maßnahmen, auch in Richtung Nachhaltigkeit in der Berufsbildung, formuliert hat, vom Bund, den Ländern und Kommunen umgesetzt wird.  Am 30.11.2020 soll die Osnabrücker Erklärung final von den EU-Bildungsminister*innen, die u. a. auch konkrete Gestaltungsvorschläge für den EU-Bildungs- und Berufsbildungsraum 2025 aufzeigt, verabschiedet werden. In den Bundesländern und den Regionen sind die politisch Verantwortlichen gefordert, ihren Beitrag zur Gestaltung des EU-Bildungs- und Berufsbildungsraumes 2025 zu leisten und eine Umsetzung der vielen guten Ideen zu ermöglichen.

Pakt für die Berufsschulen
Für das Jahr 2030 und darüber hinaus bis 2050 - nationale Klimaziele - bedeutet dies aber auch, die beruflichen Schulen als Nachhaltigkeitsfaktoren verlässlich und zukunftsorientiert zu stärken. Diese bisher hervorragenden Lernorte beruflicher Bildung verlieren auf nationaler und internationaler Ebene zunehmend den Anschluss, weil personell und sächlich zu wenig Investitionen von finanzschwächeren Bundesländern, von deren Schulträgern und den Städten bzw. Landkreisen getätigt werden.
Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Einführung von nachhaltigen Konsummustern und Produktionsweisen und die Bekämpfung von Ungleichheit werden gerade an den Lernorten der beruflichen Bildung, den beruflichen Schulen, nachdrücklich und mit hohem Engagement vorangebracht. Leider werden die guten Leistungen in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und der Beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) zu wenig öffentlich und politisch wahrgenommen und als verbindlicher Bildungs- bzw. Berufsbildungsauftrag ordnungspolitisch verankert.
Am 15.10.2020 wurde bei der Kultusministerkonferenz über den Pakt für Berufsschulen beraten und deren zukünftigen Aufgaben. Lediglich die Herausforderungen der Digitalisierung wurde als ein ergänzendes Aufgabengebiet ausgewiesen. Die BNE und BBNE sollten systematisch an den Lernorten der beruflichen Bildung verankert werden, aber leider nicht in den Pakt eingearbeitet worden. Scheinbar besitzen die Ergebnisse der nationalen Plattforum BNE und die Empfehlungen des Fachforums BBNE im Nationalen Aktionsplan BNE keine Umsetzungsrelevanz. Am 30.05.2020 verkündete Frau Bundesministerin Karliczek, dass die Trendthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in den Standardberufsbildpositionen aufgenommen wurden. Es verwundert mich daher, dass der Pakt für Berufsschulen die Nachhaltigkeit als Bildungs- und Berufsbildungsauftrag und damit verbundene Ressourcengestellungen für die Umsetzung nicht ausweist. In diesem Punkt muss dringend nachgebessert werden!

Nationaler Investitions- und Innovationsfonds für die nachhaltigkeitsorientierte Berufliche Bildung Flächendeckende Investitionen in die beruflichen Schulen
Der BvLB gegrüßt ebenfalls das Vorhaben, die Nachhaltigkeit in gemeinsamer politischer Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen kohärenter und internationaler zu gestalten. Mehr gemeinsame politische Verantwortung bedeutet auch, Lösungen für mehr gemeinsame Investitionen in die regionale berufliche Bildung, speziell in die beruflichen Schulen, zu finden. Schon im Jahr 2016 wurde ein nationaler Berufsbildungsfond für berufliche Schulen gefordert und in letzter Zeit wiederholt an diesen erinnert. Am 30.06.2020 wurde zum Start der deutschen EU-Ratspräsidentschaft folgende Pressemitteilung beim Deutschen Beamtenbund (dbb) veröffentlicht:

"EU-Pakt für berufliche Schulen und Innovationsfonds berufliche Bildung
Ziel der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ist es, sich für ein stärkeres, innovativeres, gerechteres und nachhaltigeres Europa einzusetzen. "Soll dies gelingen, braucht es einen Pakt für die europäischen beruflichen Schulen und einen EU-Innovationsfonds Berufliche Bildung", fordert der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB), Stefan Nowatschin.
Der Fonds soll es Lehrkräften und betrieblichen Ausbildern ermöglichen, sich EU-weit kooperativ zu den Trendthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit weiterzubilden, so der stellvertretende BvLB-Bundesvorsitzende, der sich auch auf internationaler Ebene, etwa in der CESI, aktiv für die Belange der europäischen Berufsschullehrerschaft einsetzt.
"Die Bundesregierung hat schon 2018 einen Pakt für die deutschen Berufsschulen versprochen. Die EU-Ratspräsidentschaft wäre eine gute Gelegenheit, den Worten Taten folgen zu lassen und den Anfang für einen Pakt für Berufsschulen in Europa zu machen", fordert Nowatschin. Die europäische Woche für Berufsbildung im kommenden Herbst solle von der Ratspräsidentschaft genutzt werden, dieses Thema voranzubringen. "Mit einem EU-Innovationsfonds Berufliche Bildung können wir berufliche Schulen und andere Berufsbildungsstätten zu regionalen digitalunterstützten und nachhaltigkeitsorientierten Exzellenzzentren beruflicher Bildung in Europa entwickeln", zeigt sich Nowatschin überzeugt.
Während Hochschulen und Universitäten in Sachen Exzellenz und Kooperation mit der Wirtschaft gefördert würden, gingen die nicht-akademischen EU-Berufsbildungsstätten, die beruflichen Schulen, bisher weitestgehend leer aus. "Die nicht-akademischen Berufsausbildungsstätten erwarten einen EU-Pakt für die beruflichen Schulen und einen EU-Berufsbildungsfonds, der die Transformation der Lernorte für berufliche Bildung hin zu vorbildlichen nachhaltigkeitsorientierten regionalen Exzellenzzentren beruflicher Bildung intensiv unterstützt."
An vielen Lernorten der beruflichen Bildung sei zwar der digitale Infrastrukturaufbau angelaufen, so der BvLB-Vize weiter. Es fehlten aber Arbeitszeitdeputate, die es Lehrkräften und betrieblichen Ausbildern in den EU-Regionen ermöglichen, sich zu den Trendthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit weiterzubilden. "Hier sind die politisch Verantwortlichen in der Pflicht, entsprechende Weiterbildungskonzepte aufzustellen und eine verlässliche Finanzierung zu gestalten."
Die Klima- und Nachhaltigkeitsziele fordern laut Nowatschin auch die Bildungs- und Berufsbildungseinrichtungen sowie die Ausbildungsbetriebe in ganz Europa. "Es bleibt nur zu hoffen, dass eine echte europäische Nachhaltigkeitspolitik, die Bildung und Berufsbildung einbezieht und fördert, während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch auf der Tagesordnung steht", so der BvLB-Vize."
Quelle: https://www.dbb.de/teaserdetail/artikel/eu-pakt-fuer-berufliche-schulen-und-innovationsfonds-berufliche-bildung.html

Kooperative Fortbildung des betrieblichen und berufsschulischen Leitungspersonals
Die Investitions- und Innovationsfonds für die nachhaltigkeitsorientierte Berufliche Bildung sollten es auch dem betrieblichen und berufsschulischen Leitungspersonal ermöglichen, sich regional, national und EU-weit kooperativ zu den Trendthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit fortzubilden. Konkret brauch das Leitungspersonal kooperative Fortbildungen zu den Themen Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitsberichte erstellen, um die Transformation der Lernorte beruflicher Bildung hin zu digitalunterstützten nachhaltigkeitsorientierten regionalen Exzellenzzentren beruflicher Bildung erfüllen zu können.  

Um die sehr guten internationalen und nationalen Ziele zu erreichen, müssen auch entsprechende gemeinsame - EU-BUND-Länder-Kommunen - finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Die Forderung nach einem nationalen Investitions- und Innovationsfonds für die nachhaltigkeitsorientierte Berufliche Bildung stellt daher einen wesentlichen Aspekt dar. Aus diesem Fonds müssen berufliche Schulen unmittelbar gefördert werden können. So sollte wie schon für die Hochschulen und Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten geschehen, das Kooperationsverbot auch für den dualen Berufsbildungspartner, die beruflichen Schulen, gelockert werden.  Dies würde die Chance bieten, dass auch nicht so finanzstarke Kommunen und Bundesländer die Möglichkeit hätten, ihre veralteten beruflichen Schulen verlässlich und nachhaltigkeitsorientiert sächlich und personell zu modernisieren. Die notwendigen flächendeckenden Investitionen in die beruflichen Schulen sind bis dato nicht getätigt worden. So verlieren die beruflichen Schulen international den Anschluss und können die vielfältiger werdenden Aufgaben nicht mehr erfolgreich wahrnehmen. Es droht eine Destabilisierung der international so hochanerkannten dualen Berufsausbildung, weil der bisher verlässliche Stabilitätsfaktor – die berufliche Schule – aus dem politischen Blick geraten ist und investigativ vernachlässigt wird! Es lohnt sich wirtschaftlich und gesellschaftlich in das sinnvolle europäische Ziel - Transformation der Lernorte für berufliche Bildung, auch der beruflichen Schulen, hin zu vorbildlichen digitalunterstützten nachhaltigkeitsorientierten regionalen Exzellenzzentren beruflicher Bildung zu investieren und entsprechende ordnungspolitische Maßnahmen zu ergreifen.  
Weiterhin braucht es auch auf der Ebene der Bundesländer kompensationswirksame Investitions- und Innovationsfonds für die nachhaltigkeitsorientierte Berufliche Bildung. Auch müssen ordnungspolitische Vorgaben erfolgen. Es bedarf, u. a. Schulgesetzänderungen, um BNE und BBNE an den Lernorten allgemeiner und beruflicher Bildung verbindlich und kohärent regional bzw. auch in überregionalen – nationalen – internationalen Netzwerken umsetzen zu können.
Die beruflichen Schulen haben einen Mehrwert, weil diese digitalunterstützt das nachhaltigkeitsorientierte berufliche und gesellschaftliche Denken und Handeln der jungen Menschen und angehenden Fachkräfte wesentlich prägen und bei entsprechender verbesserter personeller und sächlicher Ressourcenausstattung noch intensiver prägen könnten.
In einigen Bereichen ist die Internationalisierung und die stärkere Orientierung an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen richtigerweise im Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2020 ausgewiesen worden. Durch die Globalisierung der Arbeitswelt und der damit zunehmenden und politisch gewünschten Internationalisierung der Beruflichen Bildung, sind die beruflichen Schulen seit einigen Jahren herausgefordert. Durch internationale Schulpartnerschaften und die Mitwirkung in Bildungs- und Berufsbildungsnetzwerken, werden für die Schüler*innen und die Lehrkräfte globales Lernen, finanziert durch Erasmus Plus, Ausbildung Weltweit, verschiedene Jugendwerke und Stiftungsprogramme, ermöglicht. Die damit verbundene Verwaltungs- und Koordinationsarbeit ist  sehr hoch und für viele beruflichen Schulen zu hoch. Schulleitungen beklagen sich darüber, keine Zeit- und Personalressourcen für die Beantragung von Finanzmitteln, die Verwaltung – auch Finanzverwaltung -  und Koordination zur Verfügung zu haben. Das derzeitige Resultat ist, dass nicht die politischen Zielvorgaben von den gewünschten 10 %  bzw. demnächst 12 %  internationaler Mobiltäten und u. a. der Erwerb eines Europasses von Auszubildenden und Lehrkräften / Ausbildern erreicht wurden. Die derzeitige Mobilitätsquote liegt bei knapp unter 8 %. Es müssen daher auch in diesen Bereichen deutliche finanzielle und personelle Verbesserungen und Investitionen von den politisch Verantwortlichen getätigt werden. Die BvLB Arbeitsgruppe Internationales / Nachhaltigkeit hat dazu im Sommer 2020 ein Acht-Punkteprogramm veröffentlicht:
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Acht Punkte um europäische Berufsbildende Schulen nachhaltig zu stärken

Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V. (BvLB) setzt sich schon seit Jahrzehnten gemeinsam mit nationalen und internationalen Gewerkschaften für bessere Rahmenbedingungen an deutschen und europäischen Berufsbildenden Schulen und deren nachhaltiger Stärkung ein.
An fast jeder Berufsbildenden Schule in Europa gibt es schon Ansprechpartner*innen und Teams, um kooperativ Schüler*innen- und Lehrkräfteaustausch, interkulturelle Bildung und nachhaltigkeitsorientierte Berufsbildung zu organisieren. Der Verwaltungsaufwand hat jedoch zugenommen und gehört unserer Meinung nach, personell und sächlich unterstützt.  

Die BvLB-Arbeitsgruppe Internationales und Berufliche Bildung Nachhaltige Entwicklung (BBNE) hat ein Acht-Punkte-Programm beschlossen, mit dem der BvLB die politisch Verantwortlichen in Europa, beim Bund und in den Bundesländern für ihre bisherigen Initiativen lobt und konstruktiv weitere Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt wie die europäischen Berufsbildenden Schulen zu digitalunterstützten und nachhaltigkeitsorientierten regionalen Exzellenzzentren beruflicher Bildung in Europa werden können. Unsere acht Feststellungen und Verbesserungsmöglichkeiten:

  1. Auslandsaufenthalte, ab 2021 auch über Europa hinaus, finanziert durch Erasmus Plus und das ENSA-Programm oder Ausbildung weltweit, Mercator Exchange, …, sind schon heute zum Teil integraler Bestandteil der Beruflichen Bildung und steigern die Attraktivität der Berufsausbildung und damit verbunden auch die Chancen Auszubildende zu finden. Der BvLB lobt, dass die Finanzmittel erhöht werden und rät dazu, diese, speziell die derzeit nicht auskömmlichen ENSA-Fördermittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verwaltet von Engagement Global, zum Aufbau und der Pflege von Berufsschulpartnerschaften weltweit, in den nächsten Jahren noch auszuweiten.
  2. Die Nationale Agentur des Bundesinstituts für Berufsbildung NA-BIBB und andere nationale und europäische unterstützende Einrichtungen bieten schon jetzt eine gute Beratung, um Finanzmittelanträge erfolgreich stellen zu können. Wir begrüßen, dass die Antragstellung und die Projektrealisierung vereinfacht worden ist und noch weiter vereinfacht werden soll.
  3. Zur Entlastung von Lehrkräften und der Schulleitung sollten ergänzend in den europäischen Regionen professionelle Dienstleistungsagenturen (Regionale Netzwerkstellen) beim Projektmanagement unterstützen.  Damit könnten bei den Berufsbildenden Schulen personelle und zeitliche Ressourcen bei der Beantragung, der systematischen Vorbereitung auf die gesellschaftspolitischen Verhältnisse im Zielland, der Durchführung und Auswertung der Projekte sowie der Betreuung der Schüler*innen und der Auszubildenden eingespart und diese für pädagogische Aufgaben verwendet werden.
  4. Die vorhandenen Fortbildungsangebote unter anderem im Bereich des internationalen Projektmanagements sowie der europäischen und außereuropäischen Sprachen (z. B. chinesisch) und Fachsprachen sollten ausgeweitet und auskömmlich finanziert werden, dafür gehört auch das Fortbildungsbudget der Berufsbildenden Schulen deutlich erhöht. Weiterhin sollte auch digital unterstütztes Sprachenlernen, z. B. Sprachlern-Apps und weitere Schulungsmöglichkeiten für das eigenverantwortliche Lernen integraler Bestandteil einer systematischen Weiterbildung des beruflichen Ausbilderpersonals und auch ein Bestandteil der Arbeitszeit sein.
  5. Der BvLB stellt erfreut fest, dass die im internationalen Kontext von Schüler*innen und des betrieblichen sowie berufsschulischen Ausbildungspersonals erworbenen Kompetenzen schon heute im Europass und ergänzend auf den Schüler*innen-Zeugnissen der Berufsbildenden Schulen ausgewiesen werden. Die Anerkennung dieser besonderen Leistungen sollte aber öffentlich noch besser kommuniziert werden.  
  6. Der BvLB freut sich, dass das BMBF-finanzierte Pilotprojekt "AusbildungWeltweit" verstetigt und finanziell gestärkt worden ist. Um eine noch höhere Teilnehmer*innenquote zu erreichen, können die nunmehr antragsberechtigten Berufsbildenden Schulen als Dienstleister der regionalen dualen Berufsausbildungspartner (Betriebe) auch die fortbildenden weltweiten Auslandsmobilitäten des regionalen betrieblichen und berufsschulischen Ausbildungspersonals, unterstützt von den Bildungsbüros der Schulträger, organisieren.
  7. Der BvLB unterstützt es, dass die politisch Verantwortlichen allen Schülerinnen und Schülern unabhängig von Geschlecht, Aufenthaltsstatus, Bildungsstand, sozialem Hintergrund, Beeinträchtigung oder Behinderung die Teilnahme an internationalen Mobilitäts-Programmen ermöglicht.
  8. Europäische Exzellenzzentren beruflicher Aus-und Weiterbildung wurden am 22.05.2018 von der Europäischen Kommission als wesentliche Eckpfeiler des Europäischen Bildungsraums 2025 bezeichnet. Wir begrüßen daher, dass die Europäische Kommission europäische Berufsbildungsnetzwerke fördert, die es sich zur Aufgabe machen, die Anforderungen an regionale nachhaltigkeitsorientierte Exzellenzzentren beruflicher Aus-und Weiterbildung in Europa zu beschreiben. Universitäten, Hochschulen, Berufsbildende Schulen, Unternehmen, die Sozialpartner und weitere Kooperationspartner der Bildung/ Beruflichen Bildung beraten derzeit gemeinsam, wie Innovation und Exzellenz in der europäischen Berufsbildung vorangebracht werden kann. Der BvLB fordert, dass die politisch Verantwortlichen zeitnah einen Pakt für die europäische Berufsbildung schließen, der eine verlässliche und exzellente europäische berufliche Bildung gewährleistet und zusätzlich ein EU-Innovations- und Entwicklungsfonds Berufliche Bildung Nachhaltige Entwicklung - BBNE -  (Dekaden-Investition 2020-2030) zur Finanzierung der Exzellenzentwicklung und zur Erreichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 bereitstellt.  

Der BvLB fordert daher eine Unterstützungsstruktur für die Berufsbildenden Schulen, die die folgenden acht Elemente beinhaltet:

  • weitere Heranführung der Lehramtsanwärter an diese Berufsbildungsaufgabe als Aufgabe moderner Berufsbildender Schulen in Europa in den Studienseminaren
  • eine themenbezogene Lehrkräfteaus- und weiterbildung
  • Sicherstellung notwendiger digitaler Infrastrukturen und der sächlichen Ausstattungen in den Berufsbildenden Schulen
  • gute Unterbringungsmöglichkeiten für Auszubildende
  • zusätzliches Personal (Planstellen) und Anrechnungsstunden, um die Außerunterrichtlichen Verwaltungsarbeiten, wie die Antragsstellung, das Projektmanagement, die Budgetverwaltung sowie die Projektdokumentation und - evaluation professionell leisten zu können
  • mehr Koordinierungszeit für den Aufbau und die Pflege von internationalen Schulnetzwerken, um nachhaltig die Qualität der Internationalisierung der beruflichen Bildung weiterzuentwickeln
  • es braucht zusätzliche Werbemaßnahmen und mehr Förderangebote sowie zusätzliches Finanzbudget, um die Auszubildenden und ihre Ausbildungsbetriebe für eine Erasmus+-Mobilität ins Ausland zu begeistern
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für ein digitalunterstütztes Lernen und die Kommunikation mit den internationalen Partnern, z. B. von länderübergreifenden Videokonferenzen von Klassenraum zu Klassenraum und die Einrichtung von Webinar- Studios, um den dringend erforderlichen verstärkten europäischen und außereuropäischen Dialog über die Berufsbildung und das gemeinsame Werteverständnis intensivieren zu können.

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Eine vollständige Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt mehr Investitionen in die Wirkfaktoren für nachhaltige Entwicklung, die beruflichen Schulen! Diese müssen die finanziellen, personellen und baulichen Rahmenbedingungen und ordnungspolitischen Vorgaben - Schulgesetzänderungen, … -  bekommen, sich zu regionalen digitalunterstützten nachhaltigkeitsorientierten exzellenten Lernorten beruflicher Bildung entwickeln (transformieren) zu können.

Die Zeitschrift "Das Parlament", 70 Jahrgang, Nr. 39-40 vom 21.09.2020 mit dem Leitthema Nachhaltigkeit titelte mit einer richtigen Überschrift "Warten auf Taten" und verwies darauf, dass die Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten (Umsetzungs-) Maßnahmen unterlegt werden muss. Als BvLB-Vertreter zeichne ich ein konkretes Bild und einen konstruktiven Weg für eine konkretisierende Nachhaltigkeitspolitik, bei dem die Lernorte berufliche Schulen die Maßnahmen mit ihren Bildungs- und Berufsbildungspartnern kooperativ umsetzen können. An nachhaltigkeits-orientierten Lernorten, so auch an den beruflichen Schulen, muss deutlich mehr investiert werden, da diese bei verbesserten Rahmenbedingungen einen erheblich größeren Anteil zur erfolgreichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation und zur Erreichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele in Deutschland, Europa – hier auch die Umsetzung des Green Deal, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und Erreichung der EU-Klimaziele -  und der Welt beitragen könnten.

Stefan Nowatschin
Stellvertretender BvLB Bundesvorsitzender
BvLB Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e. V.