DIN Deutsches Institut für Normung e. V.

  • Normen und Standards tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei und sollten daher ein Kernelement der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sein. Bisher werden hierin vornehmlich politische und soziale Normen adressiert und keine technischen Normen.
  • Normung unterstützt bereits jetzt einen großen Teil der aufgeführten Ansätze und Problemfelder der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, von Circular Economy über Umweltmanagementsysteme bis hin zur nachhaltigen Agrar- oder Finanzwirtschaft. Hierauf sollte die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie gezielt hinweisen.
  • Normen sind im Konsens erarbeitete, weltweit anerkannte Richtlinien und Rahmenwerke, die Regierungen, Industrie und Verbrauchern helfen, zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) beizutragen. DIN vertritt die deutschen Interessen in der internationalen Normung und kann damit deutschen Ideen den Weg zum internationalen Standard ebnen.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) begrüßt die umfassende Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) und die Konsultation der Öffentlichkeit und bedankt sich für die Möglichkeit der Stellungnahme. Denn Normen und Standards tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Sie berücksichtigen die Belange der Verbraucher und legen darüber hinaus Anforderungen an den Gesundheits-, Arbeits- und Umweltschutz fest. So kann Normung und Standardisierung einen großen Teil der aufgeführten Ansätze und Problemfelder der DNS unterstützen bzw. tut dies bereits, von Circular Economy über Umweltmanagementsysteme bis hin zur nachhaltigen Finanzwirtschaft, um nur einige Beispiele zu nennen.

Normung sollte ein Kernelement der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sein

Normen unterstützen insbesondere als Instrument, um Rechtsvorschriften zu konkretisieren, wie beispielsweise beim Umweltrecht und bei Qualitätsanforderungen, und sollten daher ein Kernelement der DNS sein. Sie entlasten Rechtsvorschriften von technischen Detailregelungen, indem sie eine einheitliche Terminologie schaffen, materielle Anforderungen und Grenzwerte definieren oder Messverfahren standardisieren. Denn erst durch standardisierte Messverfahren werden Aussagen über Umweltqualität möglich.

Normen und Standards unterstützen auch dabei, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von nachhaltigen Produkten zu erreichen, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass nachhaltige Angebote und Geschäftsmodelle ein wirtschaftliches Erfolgsmodell werden.

In der DNS werden bisher vornehmlich politische und soziale Normen adressiert und keine technischen Normen. Ein Screening der 313 Seiten der Dialogfassung zeigt jedoch, dass sich sehr wohl direkte und indirekte Verbindungen zu Normen und Standards herstellen lassen. Zu jedem der Themen aus "Kapitel C. Der Deutsche Beitrag zur Erreichung der SDGs" liegen Normen und Standards vor, mit denen die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele unterstützt werden kann. So sollte Normung und Standardisierung auch ein Kernelement der DNS sein.

Vorschlag: Einführung eines neuen Absatzes "Normen und Standards"

Um die Bedeutung von Normung für die Nachhaltigkeit zu unterstreichen, schlagen wir folgenden neuen Absatz für die DNS vor:

Für die Fortentwicklung des Standes der Technik bei nachhaltigen, ressourcenschonenden Techniken und Produkten ist der Normung im Rahmen der rechtlichen und planerischen Instrumente eine besondere Bedeutung beizumessen. Die Fähigkeit, neue Erkenntnisse und Ideen in Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zu überführen ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und den Umweltschutz. Normung und Standardisierung können dabei als Katalysatoren für Innovationen dienen und helfen, ressourcenschonende Lösungen nachhaltig am Markt zu verankern. Denn Normen und Standards definieren u.a. Schnittstellen, legen Kompatibilitätsanforderungen fest und vereinheitlichen Prüfmethoden. Sie können im Rahmen der rechtlichen und planerischen Instrumente im Transformationsprozess hin zu ressourcenschonenden Technologien und ressourceneffizienteren Produkten für Transparenz, Vertrauen und Sicherheit sorgen.

Transparenz, Vertrauen und Sicherheit entstehen, weil

  • Forschung und Entwicklung auf das in den Normen niedergelegte Basiswissen sicher zurückgreifen;
  • eine klare Kommunikation und ein geeigneter Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Wertschöpfungskreislauf verstetigt wird, z. B. durch Anforderungen an recyclingfähige Produkte und eindeutige Materialklassifizierung für Hersteller und Verwerter bzw. Sekundärrohstoffhersteller;
  • nachhaltigen Innovationen durch Normen und Standards der Weg in (internationale) Märkte geebnet wird.
  • Kompatibilitäts- und Schnittstellennormen zu geringeren unternehmensinternen Aufwendungen und zu niedrigeren Transaktionskosten führen;
  • die Nachfrage nach Produkten steigt, wenn sie mit bestehenden Systemen und Produkten kompatibel sind und den Anforderungen des Marktes entsprechen;
  • erfolgreiche Kundenbeziehungen auf der Einhaltung von Qualitäts- und Mindestanforderungsnormen gründen;
  • der Normenerstellungsprozess vollständig nachvollziehbar ist, Normen und Standards von Experten aus den unterschiedlichsten interessierten Kreisen (wie z.B. aus Wirtschaft, Umweltbehörden, Umweltverbänden, Verbraucherorganisationen, Wissenschaft und Gewerkschaften) erstellt werden und einer regelmäßigen Aktualisierung unterliegen;
  • aktuelle Ergebnisse aus der Forschung und Entwicklung immer wieder in Normung einfließen oder eine Basis für grundlegende neue Standardisierungsvorhaben bilden.

Eine aktive Beteiligung Deutschlands an den europäischen und internationalen Normungsarbeiten von CEN und ISO ist derzeit gegeben, muss jedoch stetig durch kontinuierliches Mitwirkungen und Übernahme von Führungsverantwortung (z. B. Leitung von internationalen Gremien und Sekretariatsführung) ausgebaut werden, um die deutschen Interessen in den entsprechenden Normungsgremien nachhaltig zu vertreten und Inhalte in die neu zu erarbeitenden Normen einbringen zu können. Zur Schließung nachhaltiger Kreisläufe ist es unabdingbar, einheitliche europäische und/oder internationale Normen und Standards bereitzustellen. Rein national ausgerichtete Normen werden das Ziel der Schließung nachhaltiger Kreisläufe verfehlen.

Normung als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy

Der Begriff "Kreislaufwirtschaft" wird in Deutschland stark mit der Abfallwirtschaft in Verbindung gebracht, denn der Begriff ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) verankert, das das Abfallrecht im Mittelpunkt sieht. In der DNS wird an mehreren Stellen, so z. B. auf S. 28 f. die synonyme Verwendung als Übersetzung "Circular Economy" = Kreislaufwirtschaft gebraucht. "Circular Economy" könnte z. B. im Deutschen mit "Zirkuläre Wirtschaft" übersetzt werden, um so den Unterschied zur Kreislaufwirtschaft i. S. d. KrWG zu verdeutlichen.

Normen und Standards haben aufgrund ihrer breiten Akzeptanz und Anwendung großes Potenzial, Nachhaltigkeit zu fördern. Und sie sind ein Schlüssel zur Circular Economy – einer der Treiber für mehr Klimaschutz. Normen und Standards können Circular Economy aktiv unterstützen, denn das Produkt von heute, ist der Rohstoff von morgen. Dazu gehört es auch, Geschäftsmodelle neu zu denken. Normen und Standards haben die Kraft, neue Geschäftsmodelle in der Circular Economy überhaupt erst zu ermöglichen, weil sie Industrien, die bisher nicht miteinander in Berührung gekommen sind, eine gemeinsame Sprache geben. Sie tragen dazu bei, Terminologie und Schnittstellen zu vereinheitlichen. Damit wird eine klare Kommunikation und ein geeigneter Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Kreislauf sichergestellt, z. B. durch Anforderungen an recyclingfähige Produkte und eindeutige Materialklassifizierung für Hersteller und Recycler.

Normung zum Schutz der Umwelt

Normen regeln Aspekte des Luft- und Gewässerschutzes, der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes. Sie tragen zudem in vielen Branchen zum Energiesparen bei: von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zementwerke. Die Grundlagennorm DIN EN ISO 14001 legt beispielsweise die Anforderungen für die Einführung eines Umweltmanagementsystems in Unternehmen fest. Die ISO-Norm 14001 ist der weltweit akzeptierte und angewendete Standard für Umweltmanagementsysteme und sollte auch in der DNS entsprechend genannt werden, anstatt wie bisher lediglich das Europäische System EMAS.

Weitere relevante DIN EN ISO-Normen setzen sich mit Umweltkennzeichnungen und Umweltdeklarationen, der Erstellung von Ökobilanzen und Umweltberichten bis hin zur Gestaltung von Umweltkommunikation auseinander. Als Resultat der Anwendung von Normen und Standards minimieren Unternehmen den Einsatz von Ressourcen, verringern die Belastung der Umwelt und erfüllen so Anforderungen von Mitarbeitern, Kunden und Stakeholdern.

Normung für nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme

Für ein resilientes und nachhaltiges Agrar- und Ernährungssystem ist eine Vernetzung des gesamten Systems unverzichtbar - und hierfür braucht es wiederum eine Standardisierung. Nur durch die Vernetzung und die Verwendung von Smart Farming Lösungen wird die Nahrungsmittelproduktion in der Lage sein, bei der Produktion unter der Verwendung von weniger Betriebsmitteln das gleiche Output oder eine Steigerung dessen zu erreichen.

Durch eine neutrale Plattform wie DIN ist es möglich, die Interessen der Stakeholder des Ernährungssystems zu orchestrieren und Lösungen zu standardisieren. Ebenso bedarf es vertrauensfördernder Instrumente, wie Normung und Standardisierung, um eine Akzeptanz der Landwirte für den Einsatz von nachhaltigen Produktionslösungen zu schaffen.

DIN als internationale Plattform

DIN bietet den verschiedenen Marktteilnehmern einer nachhaltigen, zirkulären Wirtschaft eine offene, unabhängige Plattform, die alle Stakeholder-Perspektiven einbindet. So entstehen Normen und Standards, die Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren beschreiben – transparent und im Konsens. Zudem vertritt DIN die deutschen Interessen in der internationalen Normung bei CEN und ISO und kann damit deutschen Ideen den Weg zum internationalen Standard ebnen.

Beispiele für internationale Normen, die die SDGs unterstützen

Die internationale Normungsorganisation ISO hat mehr als 22.000 internationale Normen veröffentlicht, die im Konsens erarbeitet wurden und weltweit anerkannte Richtlinien und Rahmenwerke darstellen. Sie sind wesentliche Instrumente, die Regierungen, Industrie und Verbrauchern helfen, zum Erreichen jeder einzelnen SDG beizutragen. ISO hat eine Übersicht der wichtigsten bereits bestehenden Normen für jede der SDGs erarbeitet, die unter den folgenden Links zu finden sind:

  1. Armut in allen ihren Formen und überall beenden (77 ISO-Standards)
  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern (82 ISO-Standards)
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern (917 ISO-Standards)
  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern (165 ISO-Standards)
  5. Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen (97 ISO-Standards)
  6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten (286 ISO-Standards)
  7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern (261 ISO-Standards)
  8. Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern (1013 ISO-Standards)
  9. Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen (2161 ISO-Standards)
  10. Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern (182 ISO-Standards)
  11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten (1054 ISO-Standards)
  12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen (536 ISO-Standards)
  13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen (371 ISO-Standards)
  14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen (122 ISO-Standards)
  15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der Biodiversität ein Ende setzen (228 ISO-Standards)
  16. Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen (77 ISO-Standards)
  17. Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben füllen (16 ISO-Standards)