Bündnis ZukunftsBildung

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Bündnis ZukunftsBildung – Kommentierung zur Dialogfassung der „Deutschen Nachhaltigkeits-strategie - Weiterentwicklung 2021“ der Bundesregierung

Das Bündnis ZukunftsBildung ist eine Initiative von deutschen Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Bildung, Umwelt- und Naturschutz, Jugend, Entwicklung und Menschenrechte. Namentlich sind im Bündnis ZukunftsBildung folgende Organisationen vertreten: BUND, BUNDjugend, GEW, Germanwatch, Greenpeace, Innowego, NAJU, OXFAM, Welthungerhilfe und WWF.

Unsere Kernanliegen sind die strukturelle Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im gesamten Bildungssystem, die systematische und allumfassende, wirkungsvolle Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und allen weiteren Lernenden in Bildungsfragen sowie eine gute Bildung für alle. Wir treten für ein ganzheitliches, lebenslanges Bildungsverständnis ein, das sowohl formale als auch non-formale und informelle Bildungswege und Lernorte umfasst.

Drei Punkte wollen wir im Rahmen dieser Kommentierung insbesondere hervorheben:

  1. Der Nationale Aktionsplan BNE und das neue UNESCO Programm BNE2030 müssen Leitperspektiven für Bildung sein
    Alle in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aufgeführten Ziele, Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich Bildung müssen als transformative Hebel agieren, um die SDG zu erreichen. Hier ist zum einen inhaltliche Kohärenz gefragt. Zum anderen können die SDG und eine Umsetzung von BNE nur erreicht werden, wenn dieses auch die Entscheidungstragenden mitverantworten und mitgestalten. Hier fehlt es bisher an Verbindlichkeit.
  2. Indikatorik
    Ziele sind nur verbindliche Ziele, wenn sie messbar sind. Der geplante pars pro toto BNE-Indikator – beispielsweise anhand der Lehrkräfteweiterbildung – ist dringend noch in diese Fassung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aufzunehmen.
  3. Zukunftsinvestitionen notwendig
    Transformation im Bildungsbereich braucht solide Finanzierungen, um strukturelle Verankerung, echte Wirkung und überzeugende Umsetzung in der Breite zu erreichen. Hierzu sind Investitionen in die Bildungsinfrastruktur notwendig, die Nachhaltigkeitskriterien als Anforderung formulieren. Dazu gehören im Sinne des „whole institution approach“ bspw. auch Investitionen in Gebäude, Ausstattung und Verpflegung. Darüber hinaus müssen alle Investitionen in Bildung - wie DigitalPakt oder die vom Koalitionsausschuss kürzlich beschlossenen Förderungen aufgrund der Pandemie - dem Kompass der SDG folgen. Die Anschaffungen von Hardware für Schulen allein stellt nicht Pädagogik, Qualität oder nachhaltige Entwicklung sicher. Hier sind insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Digitalisierung wie auch die besonderen Chancen einer notwendig anderen Lernkultur zu beachten. BNE leistet zu beiden Punkten einen essenziellen Beitrag und muss auch bei digitalgestützter Bildung Leitkonzept sein.

Vorabbemerkung:

Wir betonen auch zu dieser Dialogfassung der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie erneut, dass ernstgemeinte Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Leitperspektive zu etablieren ist. Das bedeutet nicht weniger als einen Kulturwandel aller bisherigen Denk-, Lebens- und Wirtschaftsweisen zu vollziehen. Die Dialogfassung ist aus dieser Perspektive in weiten Teilen eher eine halbherzige Fortschreibung als eine echte Weiterentwicklung. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie entfaltet nicht die Wirkung, die sie haben sollte und müsste. Sie bewegt sich weiterhin zwischen Strategie und Berichterstattung, die ressort- und sogar referatsübergreifenden Abstimmungen sind weiterhin deutlich verbesserbar. Insgesamt fehlt – und das ist der entscheidende Punkt – über weite Strecken die Verbindlichkeit und politische Priorisierung der SDG.

Transformatives Handeln muss ambitioniert in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie eingefordert, dargelegt und die angesprochenen Maßnahmen evaluiert und angepasst werden. Entscheidend ist, dass die Entscheidungstragenden dem Prinzip „walk the talk“ verbindlich folgen.

Verantwortungslose Produktionsweisen sowie verschwenderische Konsummuster und Lebensstile haben weltweit zu gravierenden ökologischen (Überschreiten planetarer Grenzen) und sozialen Schäden (Missachtung von Menschenrechten, Wachsen der sozialen Kluft) und daraus resultierenden Krisen geführt. Nur wenn Nachhaltigkeit gesellschaftliche Leitperspektive ist, können wir Krisen kohärent und konsequent begegnen. Bildung nimmt dabei eine besondere Schlüsselrolle ein, denn hier werden Lösungen für den Umgang mit Unsicherheiten und globalen Herausforderungen gelernt und gelebt sowie dringend notwendige Resilienzen geschaffen. Dafür müssen Lernende Zugang zu qualitativ hochwertiger und wirkungsvoller Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer entsprechenden Lernumgebung erhalten. Das ist notwendige Voraussetzung zur konsequenten und erfolgreichen Umsetzung und Implementierung der SDG.

Zudem ist die junge Generation auf der Straße, fordert aktiv einen überzeugenden Wandel und politische Teilhabe ein. Während die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie versucht die Zukunft zu gestalten, fordert „die Zukunft“ eine erheblich ambitioniertere und ernsthaftere Transformation ein.
Diese Generation engagiert sich wie kaum eine zuvor für Nachhaltigkeit und übt demokratisch Druck auf politische Entscheidungsträger*innen aus. Sie ist eine Generation, die im Krisenmodus aufwächst, in einer Zeit, in der wir uns nahtlos von einer Krise in die nächste begeben. Gerade die frühkindliche und schulische Bildung steht vor der Herausforderung, Kinder und Jugendliche auf eine Welt im Wandel vorzubereiten. Faktisch befindet sich das Bildungssystem in der aktuellen Krise jedoch im Ausnahmezustand. Es ist beinahe unvermeidlich, dass sich der Bereich Bildung nahezu bei jeder Krise als Verlierer herauskristallisieren dürfte, weil Bildung Berührungspunkte zu beinahe allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens besitzt, jedoch nicht auf diese Veränderungen vorbereitet ist und nicht priorisiert wird.

BNE kann einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Weichen des Bildungssystems auf Zukunft zu stellen. Insbesondere das neue UNESCO-Programm „Education for Sustainable Development: Towards Achieving the SDGs“, kurz BNE2030, beinhaltet wesentliche Transformationshebel, um die SDG zu erreichen und eine zukunftsfähige Bildung im Sinne von SDG4 bzw. SDG4.7 zu verankern. Die Corona-Pandemie ist ein disruptives Moment in der Diskussion um die nötige Weichenstellung im gesamten Bildungssystem und muss als solcher anerkannt werden. Ein Weitermachen wie bisher ist keine Option. Es braucht eine Transformation, die (selbst-)wirksame Partizipation und handlungsorientierte Prozesse nicht nur zulässt, sondern vorsieht. Politische Diskussionen und demokratische Prozesse müssen als essenzieller Bestandteil von Bildung angesehen werden und Aktions- und Freiräume in allen Bildungsbereichen strukturell verankert sein.
 
BNE leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung für Toleranz, Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe. Eine gute Bildung im Sinne der Agenda 2030 und BNE2030 befähigt Lernende zu transformativem Handeln, um Lösungsansätze für die aktuellen globalen Krisen unserer Zeit zu finden sowie Resilienzen zu schaffen, um mit zunehmenden Komplexitäten und Unsicherheiten umgehen zu können.

Um die Agenda 2030 zu verwirklichen „… müssen wir umfassende und tiefgreifende gesellschaftliche Transformationen anstoßen und umsetzen. Bildung spielt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. … Bildung befähigt zur Gestaltung von politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Veränderungen. … Wir brauchen kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut für eine nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit muss Bildungsziel sein.“ Es geht um einen „Fahrplan für die Veränderung unseres Bildungssystems“. (Nationaler Aktionsplan BNE)

Es braucht ein konsequentes und kohärentes Umsetzen der gesetzten Ziele und ein fortlaufendes Prüfen und Hinterfragen der geplanten Umsetzungsmaßnahmen. Wir betonen erneut: Dafür müssen die SDG auf allen bundes-, landes- und kommunalpolitischen Ebenen als unverhandelbarer Fahrplan verstanden und BNE als Bildungskonzept Chef*innensache werden. Nur durch eine ganzheitliche Herangehensweise und klaren politischen Willen können die vielen guten Ansätze von engagierten Einzelkämpfenden die Wirkung entfalten, die für die Umsetzung der SDG bis 2030 notwendig ist.

Kommentierung

1. Der Nationale Aktionsplan BNE und das neue UNESCO Programm BNE2030 müssen Leitperspektiven für Bildung sein

Die unter SDG 4 in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verankerte Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Bildungskonzept. Dieses Konzept ist ein essenzieller Hebel, um eine überzeugende Transformation voranzubringen, es befähigt dazu, vom Wissen zum Handeln zu kommen.
Die SDG sind dabei Kompass für Bildung, für jede Form der Bildung, gerade auch für digitalgestützte Bildung. Der Nationaler Aktionsplan BNE und das UNESCO Programm BNE2030 müssen hier Leitkonzept sein und sich kohärent in allen Teilen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu Bildung und Transformationshebeln wiederfinden. Darüber hinaus muss Ziel sein, dass sich ein Transformationsprozess als whole institution approach in den Bildungseinrichtungen abbildet. Dies sollte aus unserer Sicht in verschiedenen Teilen deutlicher hervorgehoben werden.

Dafür ist der transformative Charakter von BNE sowie das neue UNESCO-Programm „Education for Sustainable Development: Towards Achieving the SDGs“ – kurz „BNE2030“ stärker zu betonen.

In Kapitel C, II., 4a) regen wir daher folgende Ergänzung an:
„Darüber hinaus gilt es weiterhin, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gezielt in allen Bildungsbereichen strukturell zu verankern und den Nationalen Aktionsplan BNE umzusetzen.“ Das neue UNESCO-Programm „Education for Sustainable Development: Towards Achieving the SDGs“ – kurz BNE2030 – wird in der nationalen Umsetzung aufgegriffen und fortgeführt. BNE2030 stellt transformatives Handeln in den Fokus und richtet Bildung für die gesamte Breite der SDG aus (ESD as key enabler).“

Weiter in Kapitel C, II., 4a) kann die Formulierung aus der BT Drucksache 19/22507, Antrag von CDU/CSU und SPD vom 15.09.2020 ergänzt werden:

Partizipationsfähigkeit, der Umgang mit Unsicherheiten und Risiken, systemisches Denken und kritische Reflexionsfähigkeit sind dabei zentrale Kompetenzen, die durch BNE gefördert werden.“ Die durch BNE geförderten Kompetenzen sind für das Erreichen aller SDG ein wichtiger Hebel.

Um den transformativen Charakter dieses Hebels wie auch die Notwendigkeit zu Handeln zu unterstreichen, sollte hier weiterhin ergänzen werden:

„… und trägt so entscheidend zu einem Leben und Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen bei.“

Um einen wichtigen Gelingensfaktor für eine Transformation hinzuzufügen, ist in dem Folgesatz zu ergänzen:

„Zentraler Punkt für das Gelingen von BNE ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur sowie formalen und non-formalen Lernorten.“ Des Weiteren ist für das Gelingen einer Transformation die Einbeziehung von Entscheidungstragenden in die BNE-Prozesse wesentlich.

Es ist essenziell, die Leitlinie „vom Projekt zur Struktur“ überzeugend und wirksam umzusetzen, denn nur wenn Entscheidungstragende mit eingebunden sind, entsteht Verbindlichkeit sowie politische und gesellschaftliche Veränderung sowie für die Prozess-Teilnehmenden (selbst)wirksames Handeln.

Den unter Aktivitäten der Bundesregierung I. Maßnahmen in Deutschland 1. Bildung für nachhaltige Entwicklung beschriebenen Prozess rund um die Nationale Plattform, den Nationalen Aktionsplan BNE sowie die strukturelle Verankerung von BNE begrüßen wir sehr. Insbesondere begrüßen wir, dass die stärkere Jugendbeteiligung im BNE-Prozess durch das BNE-Jugendforum (youpaN) in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wertschätzend hervorgehoben wird. Die nächste Generation muss Lösungen mitgestalten können, ihre Stimme ist essenziell.

Auch die Fortsetzung des Programms des BMZ mit der Kultusministerkonferenz und den Ländern auf Grundlage des Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung in Schule und Lehrerbildung sowie die Umsetzung der Erweiterung des Orientierungsrahmens auf die gymnasiale Oberstufe begrüßen wir außerordentlich.
Wir teilen ebenfalls die Einschätzung, dass die Umsetzung insgesamt noch nicht schnell genug voranschreitet und begrüßen sehr, dass die Bundesregierung entsprechende Maßnahmen für BNE weiter vorantreiben will.

Kritische anzumerken ist, dass die Zusammenstellung der Aktivitäten der Bundesregierung in Kapitel C, II., 4a), I. 3-7 und III. eine Auflistung von Bildungsprojekten und Initiativen ist, die an verschiedenen Stellen Inkohärenzen zeigt. Entscheidend muss hier in unseren Augen sein, dass die Aktivitäten und Beispiele einen echten Bezug zum handlungsorientierten Bildungskonzept BNE aufweisen und beispielsweise konkrete Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen oder aber in den transformativen Kontext von SDG 4 einzuordnen sind. Auch der in Bezug auf SDG 4.7 als Schwerpunkt im Weltaktionsprogramms BNE verankerte ganzheitliche Ansatz („whole institution approach“) muss sich hier notwendigerweise wiederfinden. Der whole institution approach bedeutet nicht weniger als das „Nachhaltigkeit als ganze Institution rundum in den Blick“ zunehmen ist (siehe BMBF, Whole Institution Approach – der ganzheitliche BNE-Ansatz, www.bne-portal.de) und dieser Ansatz („approach“) muss sich im Bildungssystem abbilden. Das soll nicht die in ihren Zusammenhängen sinnhaften Aktivitäten in Frage stellen. Allerdings lässt sich aus der vorgelegten Aufzählung nur schwer ein transformatives, in sich schlüssiges Konzept erkennen.

Auch Kapitel C, II., 4a), I. 9 Technologiespezifische Kompetenzentwicklung sollte überdacht und der aktuellen Situation angepasst werden. Hier könnten beispielsweise entscheidende Verbindungen von Medienkompetenz und BNE aufgezeigt werden, wofür sich beispielsweise das Partnernetzwerk Medien im Rahmen des vom BMBF federführend verantworteten BNE Prozess einsetzt. Des Weiteren ist zu erwägen, hier einen weiteren Punkt einzufügen: 10. BNE und Digitalität, in dem auch die bleibenden Auswirkungen der Pandemie auf den Umgang mit Digitalität und die kritische Auseinandersetzung mit digitalgestützter Bildung Erwähnung finden. Hierfür könnten die Ergebnisse der vom BMBF im Rahmen der Nationalen Plattform begleiteten „Arbeitsgruppe BNE & Digitalität“ unter Leitung von Herrn Prof. de Haan hilfreich sein.

Ergänzend zu Kapitel C, II., 4a), III. Maßnahmen mit Deutschland 1. Bildungsstrategie für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit weisen wir daraufhin, dass hier immer noch auf die Bildungsstrategie des BMZ von 2015 verwiesen wird. Besonders irritierend ist, dass BNE in der aktuellen BMZ Strategie keine Rolle mehr spielt und auch Maßnahmen wie beispielsweise das ESD Expert Net keine weitere Finanzierung erhalten sollen oder zumindest weiterentwickelt werden. Insbesondere mit dem Blick auf die tragende Rolle des BMZ für die SDG und die engagierte Verankerung von globalem Lernen und BNE ist dies eine besorgniserregende Entwicklung des BMZ.

Die unter II. Maßnahmen durch Deutschland - Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung und des neuen UNESCO-Programms für BNE2030 aufgeführten Maßnahmen begrüßen wir sehr, insbesondere möchten wir die Bedeutung von BNE2030 für den nationalen Prozess der Umsetzung hervorheben. Die Ziele von BNE2030 müssen konsequent an den Handlungsfeldern des Nationalen Aktionsplans BNE - wie sie dort beispielsweise für den Bereich Schule benannt sind – umgesetzt werden.
Darüber hinaus empfehlen wir, die Erhöhung der Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder und Jugendliche in allen Bildungsbereichen nach dem Vorbild der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie von 2016 unter Kapitel C, II., 4 als gesonderten Punkt wieder unter „Chancengerechtigkeit im Bildungssystem verbessern“ aufzugreifen und Bezüge zu BNE und SDG 4 noch stärker herzustellen.

Wir begrüßen sehr, dass in Kapitel B, IV., Nachhaltigkeitsgovernance unter 1. 6.a) BNE als ein wesentlicher Schlüssel anerkannt und verankert wird:

„Die notwendigen Qualifikationen und Handlungskompetenzen sind im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im gesamten Bildungssystem zu verankern. Die Möglichkeiten zur Teilhabe an qualitativ hochwertiger Bildung und dem Erwerb von Handlungskompetenzen für nachhaltige Entwicklung sind unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Alter weiter zu verbessern“ (S.53)

Die unter A. II.3 aa neu eingefügten Transformationsbereiche in Anlehnung an die Stellungnahme von Sustainable Development Solution Network SDSN begrüßen wir ebenfalls sehr. Wir empfehlen aufgrund der Bedeutung von Bildung und der herausgehobenen Bedeutung von BNE den Punkt 6 im Titel wie folgt zu ergänzen zu:

(6) Bildung und Fähigkeiten, menschliches Wohlbefinden, soziale Gerechtigkeit

Zu den Ausführungen unter Punkt A. II.3, aa, 6:

„Eine besondere Aufgabe kommt der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu. Diese leistet einen wesentlichen Beitrag, um Menschen die globalen Zusammenhänge einer nachhaltigen Entwicklung zu vermitteln. Durch die Integration von BNE in allen Bildungsbereichen können Nachhaltigkeitsthemen stärker in das Alltagsbewusstsein von Menschen gerückt werden und diese dazu befähigt werden, nachhaltig zu denken und zu handeln (vgl. Kap. C, S. XX).“

BNE ist weit mehr, als Nachhaltigkeitsthemen stärker in das Alltagsbewusstsein zu heben. Es geht darum, Menschen zu befähigen, sich selbst und die Gesellschaft, in der sie leben, zu verändern. Im Vordergrund steht die Fähigkeit, vom Wissen zum Handeln zu kommen und Kompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken zu stärken.

Unsere Anregung ist, den letzten Satz wie folgt zu ändern:

Durch die Integration von BNE in allen Bildungsbereichen werden Menschen befähigt, sich selbst und die Gesellschaft aktiv zu gestalten, und zukunftsgerichtete Entscheidungen zu fällen. BNE schafft somit in einer Welt mit zunehmenden Unsicherheiten Resilienzen und eröffnet Aktions- und Freiräume für (selbst)wirksames Handeln, um globalen Herausforderungen lösungsorientiert begegnen zu können.


Gerade im Bildungsbereich sind die lokalen Bezüge vor Ort entscheidend. Wir unterstützen daher in diesem Zusammenhang ausdrücklich die - während der Sitzung im Forum Nachhaltigkeit am 15.10.2020 genannte - Forderung der Kommunen, ein Nachhaltigkeitsmanagement in den Kommunen einzurichten. Dies ist für die Bildungsorte in den Kommunen eine wichtige Voraussetzung, um eine ernsthafte und überzeugende Transformation in die Breite zu tragen.

Um Nachhaltige Entwicklung als Leitprinzip der Bundesregierung ernsthaft umzusetzen, begrüßen wir zudem die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie angesprochenen Bestrebungen, den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung zu stärken sowie eine umfassende Nachhaltigkeitsgesetzesfolgenabschätzung zu entwickeln. Nachhaltige Entwicklung muss in allen Bereichen in allen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden (siehe Kapitel B, III., 2).

Abschließend eine Bemerkung zu Kapitel A. Dekade des Handelns I. Jetzt die Weichen richtigstellen

„Die Staats- und Regierungschefs haben am 24./25. September 2019 auf dem SDG-Gipfel in New York festgestellt, dass die SDGs im Jahr 2030 nicht erreicht werden, wenn sich aktuelle Trends fortsetzen. Klimawandel, Artensterben und steigender Ressourcenverbrauch stoßen ebenso offensichtlich an planetare Grenzen wie Gerechtigkeitsfragen zwischen Generationen und Regionen der Lösung bedürfen. Daher haben die Vereinten Nationen beim SDG Gipfel das kommende Jahrzehnt als eine Aktionsdekade ausgerufen, die „Decade of Action and Delivery for Sustainable Development“ (Dekade für die Umsetzung der Agenda 2030).“

Diesen Punkt möchten wir noch einmal herausheben. Es geht darum, jetzt zu handeln. Die Bundesregierung wie auch die Ressorts erwecken den Eindruck, dass Nachhaltige Entwicklung trotz anderslautender Aussagen in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie keine oder kaum eine Relevanz für das politische Handeln hat.

Es gilt sowohl im Bereich Bildung und allerdings auch prinzipiell für den gesamten Prozess, dass eine größere Verbindlichkeit der verschiedenen Ressorts absolut notwendig ist. Dies ist unabdingbar, wenn Nachhaltige Entwicklung die Leitperspektive sein soll. Für ein Gelingen ist es dringend notwendig, dass die SDG Chef*innensache sind. Kein Jahr zeigt uns deutlicher als das Jahr 2020, wie dringend die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen ist. Jetzt braucht es mehr denn je eine Aufbruchstimmung, an der auch alle Entscheidungstragenden mitwirken. Diese vermissen wir bei der Bundesregierung und den Ressorts, und dies muss sich ändern. Eine kohärente Politik und Steuerung ist für die Umsetzung der Bildungspolitik, aber auch für die Umsetzung der SDG in allen Ressorts essenzieller Gelingensfaktor. Hier wäre eine stärkere Rolle des Bundeskanzleramtes und eine Stärkung der Steuerung im Bundeskanzleramt wie auch eine Beauftragte bzw. ein Beauftragter der Bundesregierung für Nachhaltigkeit wünschenswert und notwendig.

So wie die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie derzeit umgesetzt wird, ist sie weitestgehend wirkungslos. Es braucht eine höhere politische Priorisierung, SDG müssen durch eine entsprechende Ausrichtung des Bundeshaushalts unterfüttert und auch die Rolle des Bundestags gestärkt werden.
 
2. Indikator BNE

In Bezug auf eine überzeugende Transformation ist das Fehlen des angekündigten pars pro toto Indikators für Bildung für nachhaltige Entwicklung besonders unverständlich. Ziele sind nur verbindliche Ziele, wenn sie messbar sind.

Das BMBF fördert laut der letzten Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie seit August 2017 die Entwicklung von BNE-Indikatoren und kündigte für das Frühjahr 2020 erste Ergebnisse an. Laut der jetzigen Dialogfassung haben erst 2019 Forschungsverbünde angefangen, an der Entwicklung von Indikatoren für BNE für die Bildungsbereiche Schule und Berufliche Bildung zu arbeiten. Heute, Oktober 2020, liegt immer noch kein Indikator vor, außer der Bemerkung, dass das Ergebnis des zweiten Netzwerktreffens der Forschungsverbünde am 7. - 8. November 2019 gewesen sei, das Lehrkräfteweiterbildung eine gute Idee für einen Indikator wäre:

„Aus Sicht der Expertinnen und Experten sei derzeit lediglich ein BNE-Indikator zur Lehrkräftefortbildung geeignet, die Entwicklung von BNE zu messen – auch aufgrund der Datenverfügbarkeit. Jedoch sei perspektivisch ein solcher Indikator um weitere Bereiche zu ergänzen (z.B. Output, Outcome), damit der Fortschritt in der Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung umfassend gemessen werden könne.“ (Kapitel B, IV., 2, S.55)

Der geplante pars pro toto BNE-Indikator – beispielsweise anhand der Lehrkräfteweiterbildung – ist dringend noch in diese Fassung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aufzunehmen. Ergänzungen und eine folgende Ausweitung sind im fortlaufenden Prozess möglich. Bis 2030 ist zu wenig Zeit, um Prozesse zu verzögern oder zu verschleppen. Ein weiteres Hinauszögern ist aus unserer Sicht inakzeptabel.

3. Zukunfts-Investition

Transformation im Bildungsbereich braucht solide Finanzierungen, um strukturelle Verankerung, echte Wirkung und überzeugende Umsetzung in der Breite zu erreichen. Diese müssen sich auch in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie abbilden.

„Außerdem wollen wir die Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung intensivieren.“
(Quelle: Koalitionsvertrag, Kapitel IV - Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung, Seite 29)

Wie bereits zu der letzten Aktualisierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie angemerkt, soll die Förderung für BNE laut Koalitionsvertrag intensiviert werden. Dies spiegelt sich immer noch zu wenig in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie wider. Um BNE flächendeckend einzuführen, sind Investitionen zwingend notwendig. Hierzu legte das Bündnis ZukunftsBildung wissenschaftliche Studien für den schulischen Bereich wie auch für Hochschule vor. Demnach sind beispielsweise für den Bereich Schule Investitionen von rund 14 Milliarden Euro bis 2030 notwendig. Bis 2020 sollten dafür die Bildungshaushalte für den Bereich „Allgemeinbildende und berufliche Schulen“ um insgesamt 0,2%, bis 2030 sukzessive auf 3,7% erhöht werden. Der Bund muss die Länder bei der flächendeckenden Umsetzung bis 2030 unterstützen. Auch in den anderen Bildungsbereichen sind substanzielle Investitionen notwendig, lediglich einzelne Förderungen wie bspw. im Bereich der frühkindlichen Bildung für das „Haus der kleinen Forscher“ sind nicht zielführend.

Wir begrüßen das Bekenntnis der Bundesregierung zu den SDG wie auch zu BNE2030. Für eine wirkungsvolle, überzeugende und strukturelle Implementierung müssen jedoch jetzt Innovationen und notwendige Mittel bei den Lernorten ankommen und bereits bestehende Strukturen mit erforderlichen Mitteln gefördert werden. Hierzu sind Investitionen in die Bildungsinfrastruktur notwendig, die Nachhaltigkeitskriterien als Anforderung formulieren. Dazu gehören im Sinne des whole institution approach bspw. auch Investitionen in Gebäude, Ausstattung und Verpflegung.

Digitalisierung & BNE

Aus aktuellem Anlass möchten wir darüber hinaus ergänzen: alle Investitionen in Bildung müssen dem Kompass der SDG folgen. Auch Maßnahmen wie sie durch den DigitalPakt vorgesehen sind oder Förderungen wie sie vom Koalitionsausschuss im August beschlossenen wurden. Die Anschaffungen von Hardware für Schulen stellt nicht Pädagogik, Qualität oder nachhaltige Entwicklung sicher. Hier sind insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Digitalisierung wie auch die besonderen Chancen einer notwendig veränderten Lernkultur einer digitalgestützten Bildung zu beachten. BNE muss Leitkonzept bei Digitalisierungsprozessen sein, das Bildungskonzept leistet zu beiden Punkten einen essenziellen und wertvollen Beitrag.

„Im Juni 2020 wurden für den DigitalPakt – bedingt durch die Corona-Pandemie – kurzfristig weitere 500 Millionen Euro für Endgeräte bereitgestellt, um digitale Lehre zügig flächendeckend zu ermöglichen und sicherzustellen, dass gerade auch sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler am Online-Unterricht teilnehmen können;“ 4 a) I, 3, S.115

Hier ist zu ergänzen:

„Wie unter SDG 4 verankert, ist BNE auch hier Leitkonzept bei der Umsetzung von digitalgestützter Bildung.“

Weiterhin findet sich unter Punkt 4. a) II., S.118 die Verbindung von BNE, BNE2030 und Digitalisierung:

„Die Ziele dieses Programms werden in der nationalen Umsetzung aufgegriffen und fortgeführt – beispielsweise soll ein Fokus auf die Verbindung von Digitalisierung und BNE gelegt werden.“

Es ist wichtig zu betonen, dass SDG 4, insbesondere SDG4.7 und damit das Bildungskonzept BNE konkrete Lösungsansätze für die Herausforderungen wie auch für die Chancen der Digitalität beinhaltet.

„… beispielsweise soll auch ein Fokus auf die Verbindung von Digitalisierung und BNE gelegt werden.“ In der nationalen Umsetzung und Anwendung von digitalgestützer Bildung ist das Bildungskonzept BNE als Leitkonzept anzusehen.

Generell ist hier anzumerken, dass in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auch aus der Perspektive aller SDG die Schattenseiten, Zielkonflikte und Herausforderungen der Digitalisierung anzusprechen sind. Insbesondere in dem sensiblen Bildungsbereich sind die Dimensionen von Ökologie, Ökonomie, Pädagogik, Sozialem und Demokratie nicht beleuchtet, was eine gravierende Schwäche der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie in dieser aktuellen Situation ist. Umso mehr, da die SDG bei einer Gestaltung von Digitalität Kompass und das Bildungskonzept BNE Leitkonzept sein kann und muss. In Bezug auf Ökologie sind auch hier die 1,5 Grad des Paris-Abkommens bindend, zunehmende Digitalität muss mit 100% erneuerbaren Energien sowie in weitestgehend geschlossenen Rohstoffkreisläufen erfolgen. Die zunehmende Macht und Einflussnahme von Digitalkonzernen muss durch eine datenpolitische Sensibilisierung und Bildung ebenso wie eine sinnvolle Technikfolgenabschätzung gesteuert werden. Zudem müssen Anforderung an die Beschaffung festgelegt werden, die Nachhaltigkeitskriterien als Grundlage benennen (bspw. Haltbarkeit der Geräte, Bevorzugung von refurbished und nachhaltig hergestellten Geräten). Gerade in Bezug auf Bildung ist Digitalisierung kein Selbstzweck und als Primat muss Pädagogik stehen.


Wenn digitalgestützte Lernformate eingesetzt werden, geht dies zudem mit einer veränderten Lernkultur einher. Der soziale Zusammenhalt ist zu wahren und Lösungen für eine Demokratie im Krisenmodus sicherzustellen. All das sind wesentliche Voraussetzung für eine gelingende Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung. Der Nationale Aktionsplan BNE, seine Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen sind ein bereits erarbeiteter Zukunftsvertrag für Bildung, der hier Ausgangspunkt und Leitkonzept sein muss.

Wir, das Bündnis ZukunftsBildung, sehen eine wirkungsvolle Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie als einen wichtigen Schritt hin zu einer strukturellen Implementierung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im gesamten Bildungssystem. Das Bündnis ZukunftsBildung und seine Mitglieder bieten Ihnen auch weiterhin eine konstruktive Zusammenarbeit bei der systematischen Verankerung des Bildungskonzepts Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie an.