Alexander Kästner, Allergy Friendly Buildings Alliance GmbH

Nachhaltigkeit: Innovation wird zum neuen Standard für die Bauindustrie

Allergy Friendly Buildings Alliance AFBA verleiht Siegel für allergikerfreundliches Bauen

Weltweit sind Allergien die häufigste chronische Erkrankung und allein in Deutschland leiden ca. 30 Millionen Menschen unter verschiedenen Formen einer Allergie. Allergien führen hierbei jedoch nicht nur zu einer Minderung der Lebensqualität, sondern haben auch eine erhebliche Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf. EU-weit entstehen hierdurch ca. 100 Milliarden € vermeidbare Kosten pro Jahr. Neben den echten Allergien entwickeln jedoch auch immer mehr Menschen im Rahmen unserer modernen Umwelt empfindliche Haut und Atemwege. Eine allergikerfreundliche Umwelt hat daher auch weitreichende Vorteile: Insbesondere für Allergiker ist die Entwicklung besonders lebenswerter Gebäude und Innenräume von höchster Bedeutung, da sich der moderne Mensch zum großen Teil in Gebäuden aufhält.
Allergien sind also ein globales und komplexes Problem, für das es keine einfachen Lösungen gibt.
Die 2003 gegründete, gemeinnützige Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) hat sich zum Ziel gesetzt, "dass Menschen mit Allergien bei Alltagsfragen und Therapieoptionen die bestmögliche Aufklärung und Versorgung erhalten", so ECARF-Gründer und Vorstand Prof. Dr. Torsten Zuberbier.

Das ECARF-Qualitätssiegel
ECARF verleiht das ECARF-Qualitätssiegel für allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen, die nur dann zertifiziert werden, sofern sie sich voll auf die Bedürfnisse von Allergikern einstellen. Ein unabhängiger Beirat aus international führenden Wissenschaftlern hat dazu Kriterien entwickelt, die für verschiedene Produktgruppen gelten. Sie umfassen Schwellenwerte und Ausschlusskriterien, die eine allergische Reaktion sehr unwahrscheinlich machen. Unternehmen wie Henkel, Sebapharma, Philips und L’Oréal haben ihre Produkte zertifizieren lassen, Pkw-Modelle von Mercedes-Benz tragen das ECARF-Qualitätssiegel.

AFBA: Paradigmenwechsel für die Bauindustrie
Gemeinsam mit dem neu gegründeten Unternehmen AFBA (Allergy Friendly Buildings Alliance) vergibt ECARF nun auch ein Siegel für Gebäude, um Bauentwicklern eine klare Orientierung bei der Produktwahl und der Vorgehensweise im Baubereich zu geben. "Der Mensch steht im Mittelpunkt" - So lautet das Credo des Unternehmens. „Der Immobilienindustrie steht nicht weniger als ein Paradigmenwechsel bevor“, sagt Prof. Dr. Zuberbier. "Nachhaltigkeit bei der Entwicklung von Gebäuden muss immer auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der späteren Nutzer im Blick haben. Doch obwohl Allergien allgegenwärtig sind und viele Menschen über Beschwerden klagen, wurde das Thema bei der Entwicklung von Gebäuden in der Vergangenheit kaum beachtet. Dabei gibt es heutzutage viele Möglichkeiten, Gebäude allergikerfreundlich zu entwickeln, auch ohne, dass die Kosten in größerem Ausmaß steigen würden."
 
Das AFBA-Siegel für Allergikerfreundliches Bauen. Bild: AFBA

Bewusstsein schaffen
Es ist das Ziel von AFBA und ECARF, auch in der Bauindustrie ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen und Gebäude, die allergikerfreundlich entwickelt wurden, mit dem ECARF-Siegel und dem Titel "Allergy Friendly Building" auszuzeichnen. Das bestätigt die Einhaltung hoher Qualitätsnormen auf allen für die Errichtung von allergikerfreundlichen Gebäuden relevanten Gebieten. Ein Meilenstein für Menschen, die unter Allergien leiden und deren Symptome in Gebäude gemildert oder sogar ganz beseitigt werden können.
"Der moderne Mensch verbringt an Arbeitstagen meist 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen", so Sylvia Becker, Geschäftsführerin des ECARF-Institutes. "Hier ist die Qualität der Bauwerke von hoher Bedeutung. Daher soll das Siegel nun auch an die Bauindustrie vergeben werden, sofern diese ihre Gebäude nach den ECARF-Kriterien allergikerfreundlich entwickeln und damit die Grundlagen für das Wohlbefinden von Menschen in Gebäuden schaffen."

Medizinischer Ansatz
Das Siegel für allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen hat einen grundsätzlich holistischen Ansatz und ist keine reine Zertifizierung nach Ja/Nein-Kriterien, sondern es steht der medizinisch-wissenschaftliche Aspekt im Vordergrund. Dadurch wird berücksichtigt, dass

Allergene in ihrer Komplexität nicht nur von den Schwellenwerten abhängen, sondern auch von den Interaktionen, wie der Mensch mit den einzelnen Stoffen umgeht.
Das Siegel ist in diesem Sinne keine Zertifizierung nach einem reinen Katalog, sondern die Begleitung eines Produktes in der Entwicklung und die Bestätigung und Auszeichnung, dass dieses Produkt am Ende einen besonderen Wert für Allergiker darstellt, nämlich allergikerfreundlich ist.

Individuelle Begleitung von Bauvorhaben
ECARF hat sich ganz bewusst an der AFBA beteiligt, da es sich hier nicht um die Zertifizierung eines Massenprodukts handelt, sondern ein großes Bauvorhaben immer individuell begleitet werden muss.
"Wir wollen das Bewusstsein für das Problem schärfen und gleichzeitig Lösungen für die Bauindustrie anbieten", so AFBA-Geschäftsführerin Angela Balatoni. "AFBA versteht sich daher als Partner der Industrie an der Schnittstelle zur Hochschulmedizin und unterstützt die Bauentwickler bei der Erlangung des Siegels für allergikerfreundliches Bauen von Beginn an. Dabei ist zu betonen, dass auch Bestandsgebäude nachträglich zertifiziert und mit dem Siegel ausgezeichnet werden können."

Beratung in allen Bauphasen
AFBA berät umfassend bei der Immobilienentwicklung, das betrifft alle Asset-Klassen: Wohnen, Büros, Gewerbe, Hotels und öffentliche Einrichtungen. Der Bauherr wird während der Entwicklung des Gebäudes in alle Bauphasen durch AFBA beraten. Die Bewertung beginnt bereits bei den Außenanlagen und umfasst nicht nur das gesamte Gebäude in seiner Struktur, Planung und Ausführung, sondern bietet darüber hinaus den Menschen, die dann das Gebäude nutzen und beziehen, ebenfalls Beratungsleistungen an. Auf diese Weise ist gesichert, dass der Mensch, der Nutzer, im Mittelpunkt steht und mit einem guten Gefühl in

ein neues Gebäude einziehen kann. Hierdurch wird nicht nur höchstmögliches Wohlbefinden für Allergiegeplagte garantiert, sondern auch für viele Menschen mit empfindlichen Atemwegen, Schleimhäuten und Hautbeschwerden. Darüber hinaus aber ist es auch ein ganz wesentlicher Aspekt für die Produktivität im Büro.
Nachhaltiges und gesundes Bauen, das den Menschen und seine Gesundheit in den Mittelpunkt stellt – so lautet das neue Paradigma für die Bauindustrie. Denn nur dann, wenn das Wohlbefinden der Bewohner und Nutzer im Fokus steht, kann von einem modernen, nachhaltigen und lebenswerten Gebäude die Rede sein.