Den Wald zukunftsfest machen

WaldKlimaGipfel 2022 Den Wald zukunftsfest machen

Klimaresiliente, naturnahe Laubmischwälder mit standortheimischen Baumarten – das ist ein Ziel, das Bundesministerin Steffi Lemke beim WaldKlimaGipfel 2022 formuliert hat. Zudem kündigte sie den verstärkten Schutz alter, naturnaher Buchenwälder sowie ein neues finanzielles Anreizsystem für Klimaschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen an.

Mischwald

„Wälder müssen umgebaut und entwickelt werden zu naturnahen Waldökosystemen, die klimastabiler sind“, erklärte Bundesumweltministerin Lemke.

Foto: mauritius images / Sven Otte

Mit den verheerenden Waldbränden im Sommer, Hitzewellen und lokalen Wasserreduzierungen sind in Deutschland die „Vorboten der Klimakrise angekommen in unser aller Leben, in unser aller Alltag“, erklärte Bundesumweltministerin Steffi Lemke zur Eröffnung des zweitägigen WaldKlimaGipfels in Berlin.

Die große Hitze in diesem Jahr und die seit mehreren Jahren andauernde Dürresituation setze die Bäume unter Stress und den Wäldern insgesamt sichtbar zu, so Lemke. Doch nicht nur durch die Folgen des Klimawandels, auch durch Monokulturen und durch intensive Nutzung steht der Wald unter enormem Druck. Die Situation sei eine Bedrohung für den Wald, aber auch für viele Waldbesitzende existenzbedrohend.

Deshalb sei ein Paradigmenwechsel notwendig, mahnte die Bundesumweltministerin. „Wälder müssen umgebaut und entwickelt werden zu naturnahen Waldökosystemen, die klimastabiler sind.“ Sonst seien auch heute noch mehr oder weniger gesunde Waldflächen zukünftig in Gefahr. Allerdings gebe es keine Lösung, die für alle Wälder gleichermaßen passe. Die Frage von Nutzung der Wälder versus Schutz der Ökosystemleistungen müsse in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise neu ausbilanziert werden. Die Beantwortung dieser Frage müsse „im Wald direkt passieren“, so Lemke.

Der WaldKlimaGipfel 2022, veranstaltet vom Magazin GEO und Wohllebens Waldakademie, findet am 4. und 5. Oktober 2022 in Berlin statt. Es diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Umweltverbänden, Kultur und Wirtschaft über mögliche Lösungswege aus der Waldkrise. Die Veranstaltung kann online verfolgt werden.

„Wir müssen anfangen zu handeln!“

Bundesministerin Lemke verwies auf das im März 2022 vom BMUV vorgestellte Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Es hat zum Ziel, natürliche Ökosysteme zu schützen, zu stärken und wiederherzustellen. Besonders in den Blick genommen werden dabei Wälder und Auen, Böden und Moore, Meere und Gewässer, aber auch Grünflächen in der Stadt und auf dem Land. Bis 2026 stehen vier Milliarden Euro für 64 Maßnahmen in zehn Bereichen des Natürlichen Klimaschutzes zur Verfügung.

„Das Aktionsprogramm setzt an der Schnittstelle zwischen Klimaschutz, Erhalt der biologischen Vielfalt und Vorsorge gegen die Folgen der Klimakrise an. Das Ziel ist es, nachhaltige Lösungen zu finden mit der Natur – nicht gegen sie“, so Lemke. Ziel des BMUV ist es, das Aktionsprogramm auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen. Noch bis zum 28. Oktober 2022 können deshalb Interessierte an einem Online-Dialog teilnehmen und ihre Erfahrungen und Ideen zum Natürlichen Klimaschutz einbringen. Eine Beteiligung ist über die Dialogplattform "BMUV im Dialog" möglich. 

Vorschläge für den Waldumbau

Im Rahmen des Aktionsprogramms wurden konkrete Vorschläge formuliert, die den Umbau des Waldes betreffen. In ihrer Rede hob die Bundesministerin diese vier hervor:

„Das Ziel muss es sein, klimaresiliente, naturnahe Laubmischwälder mit standortheimischen Baumarten langfristig zu etablieren“, so Lemke. Nach Einschätzung vieler Experten seien Laubmischwälder grundsätzlich weniger anfällig für klimakrisenbedingte Wetterextreme. Zusätzlich haben Laubmischwälder einen positiven Einfluss auf die Grundwasserneubildung und unterstützen damit einen naturnahen Landschaftswasserhaushalt.

Alte, naturnahe Buchenwälder müssen aus der Nutzung genommen werden“, forderte Lemke. Das gelte zuerst für die Buchenwälder im Bundesbesitz, wie im Koalitionsvertrag angekündigt. Die Bundesregierung werde aber auch mit den Ländern gemeinsam erörtern, wie sie sich an dieser Maßnahme beteiligen.

Lemke kündigte weiterhin ein finanzielles Anreizsystem an, mit dem die Klimaschutz- und Biodiversitätsfunktionen von Wäldern gestärkt werden: „Damit meine ich Maßnahmen, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen.“ Waldbesitzer, die ihren Wald künftig so bewirtschaften, dass er Klima und Biodiversität schützt, sollen davon profitieren. Damit einhergehende Einnahmeverluste durch weniger Holzproduktion sollen ausgeglichen werden.

Zudem hob Lemke hervor, dass Deutschland seine Waldfläche vergrößern müsse. Internationale Zielsetzungen wie etwa der Strategische Plan für Wälder der Vereinten Nationen 2017-2030 würden vorsehen, dass die globale Waldfläche um drei Prozent zunehme. „Der Beitrag Deutschlands zu diesem internationalen Ziel sollte deshalb nicht nur darin bestehen, andere Länder dabei zu unterstützen ihre Waldflächen dauerhaft zu erhalten. Wir müssen selbst mit gutem Beispiel vorangehen“, betonte Lemke.