„Wissenschaft Raum lassen, ihre Magie zu entfalten“

Bundeskanzler bei Akademie der Technikwissenschaften „Wissenschaft Raum lassen, ihre Magie zu entfalten“

Bei seiner Festrede zum 20-jährigen Bestehen der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) hat Bundeskanzler Scholz den hohen Stellenwert der Wissenschaft gerade in Krisenzeiten hervorgehoben. Wenn alte Gewissheiten zerstört würden, brauche es mehr denn je „Zauberkunst“, sagte er.    

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht bei der Festveranstaltung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Scholz dankte acatech für ihre Arbeit im Zukunftsrat. Das Gremium hilft, Innovationen voranzubringen und technologische Trends früh zu erkennen.

Foto: Bundesregierung/Heinl

Über das Vorstellbare hinaus gehen: In seiner Rede auf der Festveranstaltung der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech) betonte Bundeskanzler Olaf Scholz, für technologischen Fortschritt und Innovationen brauche es Forscherinnen und Forscher mit freien Ideen und wissenschaftlicher Neugier.

Diese Magie vollbringe acatech „tagtäglich, indem Sie Innovationen von der ersten Idee bis zur Anwendung durchdenken und Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft an einen Tisch bringen“. Acatech sei eine Bereicherung für Deutschland und eine zwingend notwendige Investition in unsere Zukunft.

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) ist die von Bund und Ländern geförderte nationale Akademie und Stimme der Technikwissenschaften im In- und Ausland. Bundespräsident Steinmeier ist Schirmherr. Acatech berät Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen.

Wenn alte Gewissheiten zerstört werden, brauche es mehr denn je Zauberkunst in diesen Krisenzeiten, so der Bundeskanzler. Russlands Krieg hätte diese Gewissheiten zerstört, in dem es „mit Gewalt die Grenzen Europas verschieben will und einem anderen Land das Existenzrecht abspricht“. Die Tapferkeit der Ukrainerinnen und Ukrainer, wie sie um ihre Freiheit, ihr Land und ihr Leben kämpfen, sei bewundernswert. Man werde die Ukraine weiter unterstützen – und zwar so lange wie nötig, bekräftigte Scholz.

Energieversorgung unabhängig von Russland

Russlands Krieg habe auch ganz deutlich gezeigt, dass es um mehr gehe, nämlich „um unsere Regeln der Zusammenarbeit und des Zusammenhalts, unsere Werte und unseren Wohlstand“. Die Zeitenwende betreffe daher jede und jeden von uns.

„Jetzt erst recht müssen wir die Transformation unserer Wirtschaft hin zur Klimaneutralität voranbringen und unabhängig von fossilen Brennstoffen werden“, sagte Scholz. Deutschland stelle sich daher den Themen der Zukunft und müsse seine Energieversorgung unabhängig von Russland organisieren können. Als Positivbeispiele nannte Scholz, dass schon zum Jahreswechsel die ersten Flüssiggasterminals ans Netz gingen. Zudem seien die Gas-Speicher jetzt schon zu 95 Prozent gefüllt.

Um die Herausforderungen des „größten Wandels seit Beginn der Industrialisierung“ zu bewältigen, nämlich die Doppeltransformation aus Dekarbonisierung und Digitalisierung, „brauchen wir die nötigen Technologien und den engen Austausch zwischen Politik und Technikwissenschaften“, so der Bundeskanzler weiter.

Technologische Souveränität ist das Ziel

An acatech gewandt, wies Scholz auf den Auftakt vor 20 Jahren hin: „Sie haben immer wieder für Fortschritt gesorgt. Sie haben entscheidend dabei mitgeholfen, die universitäre Ausbildung von Ingenieuren den Anforderungen der Zeit anzupassen“. Die Prognosen zur Entwicklung der Mobilität seien eine wichtige Grundlage der Verkehrspolitik. Früh hätte acatech erkannt, wie wichtig das Feld der Medizintechnologie ist. Zusammenarbeit über die Disziplinen hinweg wäre dabei „von Tag 1 an Teil der DNA von acatech“, genauso wie die Vermittlung, was Technologie für die Bürgerinnen und Bürger bedeute.

Deshalb müsse Deutschland seine Souveränität bei bestimmten Schlüsseltechnologien behaupten, so der Bundeskanzler.

„Ich denke etwa an Halbleiter, Mikro- und Quantenelektronik, an Kommunikations- und Energietechnologien und natürlich auch an Künstliche Intelligenz“. Ein weiteres Beispiel, das Hoffnung mache, seien die Quantentechnologien. „In der Forschung sind wir auf diesem Feld bereits weltweit vorne dabei“.

Agentur für Transfer und Innovation geplant

Um Forschungsergebnisse in Anwendung zu bringen und den Beginn einer Wertschöpfungskette zu bilden, möchte die Bundesregierung Gründern und Startups den Schritt in die Geschäftswelt erleichtern. „Dazu schaffen wir eine Agentur für Transfer und Innovation, die Wissenschaft, Wirtschaft und staatliche Stellen zusammenbringt“, so Scholz.

Hierbei sei man auf die Expertise von acatech angewiesen, so der Bundeskanzler. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine von acatech mitinitiierte und entwickelte Idee inzwischen in ganz Europa Schule mache, sei der „Mobility Data Space“.

Der Mobility Data Space sei eines der Leuchtturmprojekte bei Gaia-X, lebe vom Datenaustausch zwischen Automobilindustrie, Mobilitätsdienstleistern und Kommunen und zeige die „notwendige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, zwischen Gemeinden, Ländern, dem Bund und Europa“, sagte Scholz in seiner Festrede. Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Zukunftsprojekt „Industrie 4.0.“ und den Themen Künstliche Intelligenz und Robotik nannte Bundeskanzler Scholz in seiner Rede die bei acetech angesiedelte „Plattform Lernende Systeme“.

Forschung und Erfindergeist als Schlüssel zu Wasserstoffanwendung

Auch Grüner Wasserstoff und die Wasserstofftechnologien seien ein „Mega-Thema“, so Bundeskanzler Scholz, und bestimmten das Gelingen der Energiewende und „damit die gesamte Transformation unserer Wirtschaft hin zur Klimaneutralität“. Der Schlüssel zur groß-industriellen Anwendung von Wasserstoff seien Forschung und Erfindergeist. Hierbei leiste acatech wichtige Beiträge etwa mit der „Plattform Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) und dem „Wasserstoff-Kompass“.