Fortschritt durch Forschung

Wissenschaftsstandort Deutschland Fortschritt durch Forschung

Forschung und Innovation sind der Motor, der den Fortschritt antreibt. Um Wohlstand, Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und eine nachhaltige Gesellschaft zu sichern, setzt die Bundesregierung auf eine starke Forschungslandschaft. Bis 2025 soll dafür der Anteil der gesamtstaatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,5 Prozent des BIP steigen.

zwei Wissenschaftler schauen sich ein Reagenzglas an

Eine starke Forschungslandschaft ist die Basis für Fortschritt.

Foto: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Deutschland ist ein Innovationsland mit einer starken Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Ziel der Bundesregierung ist es, daran anzuknüpfen und neue technologische, digitale, soziale und nachhaltige Innovationskraft zu entfachen. Die Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) bilden die Basis des Wissenschaftssystems, um Innovation und Transfer von der Grundlagenforschung bis in die Anwendung zu fördern und zu beschleunigen. Eine stärkere Vernetzung auch europäischer und internationaler Ebene soll Synergien bilden und das Innovationspotenzial steigern. 

Zukunftsstrategie Forschung

Die Bundesregierung setzt auf effektive Bündelung der Ressourcen. Bestehende Forschungsprogramme, die Hightech-Strategie und die Ressortforschung werden missionsorientiert weiterentwickelt. 

Dazu hat die Bundesregierung sechs zentrale Zukunftsfelder identifiziert:

  1. Moderne Technologien für eine wettbewerbsfähige und klimaneutrale Industrie, die Sicherstellung sauberer Energiegewinnung und -versorgung sowie nachhaltige Mobilität
  2. Klima, Klimafolgen, Biodiversität, Nachhaltigkeit, Erdsystem und entsprechende Anpassungsstrategien, sowie nachhaltiges Landwirtschafts- und Ernährungssystem
  3. Ein vorsorgendes, krisenfestes und modernes Gesundheitssystem, welches die Chancen biotechnologischer und medizinischer Verfahren nutzt
  4. Technologische Souveränität und die Potenziale der Digitalisierung, zum Beispiel in Künstlicher Intelligenz und Quantentechnologie, für datenbasierte Lösungen
  5. Erforschung von Weltraum und Meeren und Schaffung nachhaltiger Nutzungsmöglichkeiten
  6. Gesellschaftliche Resilienz, Geschlechtergerechtigkeit, Zusammenhalt, Demokratie und Frieden

Innovation und Transfer

Innovationen stärken sowohl den Wirtschaftsstandort Deutschland wie auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Die Stärke der Innovationskraft liegt dabei in den Regionen. Ziel der Bundesregierung ist die Stärkung von anwendungsorientierter Forschung und Transfer. Dadurch werden regionale und auch überregionaler Innovationsökosysteme geschaffen und gestärkt. 

Dazu wird die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) gegründet. Sie wird soziale und technologische Innovationen insbesondere an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, kleinen und mittleren Universitäten in Zusammenarbeit unter anderem mit Startups, KMU sowie sozialen und öffentlichen Organisationen ausbauen und fördern.

Im Einzelnen ist geplant:

  • Bestehende Förderprogramme für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ausbauen
  • Bündelung von Förderprogrammen aus verschiedenen Ressorts
  • Schaffung neuer Experimentierräume, in denen innovative Technologien, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle unter realen Bedingungen erprobt werden können
  • Ausbau von ausgewählten Standorten zu Leuchttürmen der internationalen Forschungs- und Transferregionen
  • Schaffung von Innovationsregionen nach britischem Vorbild

Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass Deutschland die Chance hat, zum international führenden Biotechnologie-Standort zu werden. Durch den ersten mRNA-Impfstoff aus Mainz hat Forschung „made in Germany“ weltweite Sichtbarkeit erlangt. Damit ist eine Leitfunktion für die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Biotechnologie verbunden.

Der Wissenstransfer von Forschung in die Wirtschaft spielt eine zentrale Rolle. Daher wird die Bundesregierung Ausgründungen vorantreiben und dafür den Hochschulen Mittel des Bundes zur Schaffung einer Gründungsinfrastruktur für technologisches wie soziales Unternehmertum bereitstellen. 

Die Bundesregierung wird Plattformen fördern, die nicht verwertete Patente dem Markt bekannt und zugänglich macht. Dazu soll auch die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Agentur für Sprunginnovation substanziell verbessert werden, damit sie freier agieren und investieren kann.

Rahmenbedingungen für Hochschule, Wissenschaft und Forschung

Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind das Rückgrat der deutschen Wissenschaftslandschaft. Die Bundesregierung wird diese stärken – wo Fortschritt entsteht, muss er auch gelebt werden. Daher wird die Bundesregierung den Weg der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern für ein zukunftsfähiges Wissenschaftssystem fortsetzen und einer Entkopplung der Budgetentwicklung zwischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen entgegenwirken. 

Im Einzelnen:

  • Dynamisierung des „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ ab 2022 analog zum Pakt für Forschung und Innovation
  • Weiterentwicklung der Stiftung Innovation in der Hochschullehre, insbesondere im Bereich digitaler Lehre
  • Bundesprogramm „Digitale Hochschule“ für den Ausbau innovativer Lehre, Qualifizierungsmaßnahmen, digitale Infrastrukturen und Cybersicherheit
  • Stärkung der Exzellenzstrategie als Wettbewerbsraum für weitere Cluster
  • Dynamisierung des Paktes für Forschung und Innovation (PFI)
  • Vereinfachte und beschleunigte Verfahren der Forschungsförderung in Krisensituationen und prioritären Handlungsfeldern
  • Abbau von Bürokratie in Forschung und Verwaltung durch Shared-Service-Plattformen, Synergiemanagement und effizientere Berichtspflichten

Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft

Gute Wissenschaft braucht verlässliche Arbeitsbedingungen. Deswegen wird die Bundesregierung das Wissenschaftszeitvertragsgesetz auf Basis der Evaluation reformieren. Hier ist auch vorgesehen, die Planbarkeit und Verbindlichkeit in der Post-Doc-Phase zu erhöhen und frühzeitiger Perspektiven für alternative Karrieren zu schaffen. Geplant ist, die Vertragslaufzeiten von Promotionsstellen an die gesamte erwartbare Projektlaufzeit zu knüpfen und darauf hinzuwirken, dass in der Wissenschaft Dauerstellen für Daueraufgaben geschaffen werden. 

Dazu ist vorgesehen:

  • Verbindliche Berücksichtigung der familien- und behindertenpolitischen Komponente
  • Ausbau des Tenure-Track-Programms
  • Stärkung des Professorinnenprogramms
  • Verankerung der Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt in allen Förderprogrammen und Institutionen
  • Förderung eines Bund-Länder-Programm für alternative Karrieren außerhalb der Professur, DiversityManagement, moderne Governance-, Personal- und Organisationsstrukturen

Internationale Hochschulkooperationen

Die internationale Kooperation hat enorme Bedeutung und daher einen hohen Stellenwert in der Wissenschaftspolitik. Die Bundesregierung wird sich deshalb für Wissenschaftsfreiheit im In- und Ausland sowie Weiterentwicklung der die Internationalisierungsstrategie einsetzen. Ziel ist auch, das Programm Erasmus+ zu stärken, die europäischen Hochschulnetzwerke mit weiteren Standorten und digital auszubauen sowie die Bologna-Kooperationen mit Nachbarländern zu vertiefen. 

Um für internationale Talente attraktiv zu sein, wird die Bundesregierung administrative Hürden abbauen und mit einer Plattform die Rekrutierung von internationalen Spitzen-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern unterstützen.

Zudem ist geplant, die institutionelle Förderung von Deutschem Akademischen Austauschdienst (DAAD) und Alexander von Humboldt Stiftung (AvH) analog zum Pakt für Forschung und Innovation zu erhöhen.

Wissenschaftskommunikation und Partizipation

Wissenschaft ist kein abgeschlossenes System, sondern lebt vom Austausch und der Kommunikation mit der Gesellschaft. Daher will die Bundesregierung die Wissenschaftskommunikation systematisch auf allen wissenschaftlichen Karrierestufen und bei der Bewilligung von Fördermitteln verankern. Zudem setzt sie sich für die Förderung des Wissenschaftsjournalismus durch eine unabhängige Stiftung, Weiterbildung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, analoge und digitale Orte ein – von Forschungsmuseen bis Dashboards.