„Jüdisches Leben fördern und schützen“

Gedenken an Holocaust „Jüdisches Leben fördern und schützen“

„Es ist unsere Pflicht, jüdisches Leben zu fördern und zu schützen.“ Mit mahnenden Worten trat Bundeskanzler Olaf Scholz Antisemitismus und der Relativierung des Holocausts entgegen. Anlass war die Gedenkveranstaltung „25 Jahre Freundeskreis Yad Vashem in Deutschland“ am Sonntag.

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht bei der Gedenkveranstaltung „25 Jahre Freundeskreis Yad Vashem in Deutschland".

Kanzler Scholz dankte in seiner Rede dem jüdischen Freundeskreis Yad Vashem für seine wichtige Arbeit.

Foto: Bundesregierung/Gaertner

In seiner Rede in der Synagoge Joachimsthaler Straße in Berlin betonte Scholz die immerwährende Verpflichtung, die Erinnerung an die unzähligen Opfer in die Gegenwart zu bringen. Jeder einzelne Mensch sei wichtig. „Kein Name soll vergessen werden,“ so der Bundeskanzler, „auch die Dimension des millionenfachen Massenmordes nicht.“

Die Nationalsozialisten und ihre Helfer hätten tiefe Wunden geschlagen, die bis heute in den Familien der Überlebenden und der Toten schmerzten. „Umso glücklicher dürfen wir uns schätzen über Orte wie diese Synagoge im Herzen Berlins, über jüdische Kultur in Deutschland,“ betonte Scholz.

Freundeskreis leistet wichtigen Beitrag

Der deutsche Freundeskreis der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem sei wichtig, so der Bundeskanzler. Er helfe Verlust und Leid sichtbar zu machen und Erinnerung in die Gegenwart zu bringen. Das „Nie wieder!“ habe damit auch in der Zukunft Bestand. Der Freundeskreis leiste einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus.

Bundesregierung unterstützt Projekte

Bundeskanzler Olaf Scholz wies auf das Programm „Jugend erinnert“ hin. Es richte sich unter anderem an NS-Gedenkstätten und -Dokumentationszentren in Deutschland. Damit würden sie unterstützt, innovative Bildungsformate mit und für junge Menschen zu entwickeln und weiter auszubauen. Auch der internationale Austausch unter Jugendlichen sei von besonderer Bedeutung. Scholz wies zudem auf die konkreten Pläne hin, ein Deutsch-Israelisches Jugendwerk auf den Weg zu bringen.

Mit dem Programm „Demokratie leben!“ habe die Bundesregierung ein bundesweit arbeitendes Kompetenznetzwerk gegen Antisemitismus aufgebaut und finanziere zahlreiche Projekte zur Prävention von Antisemitismus, aber auch Beratungsstellen für Betroffene in den Landes-Demokratiezentren in allen Bundesländern.

Handlungsbedarf besteht

„Antisemitismus und Rassismus nehmen zu, „so der Bundeskanzler. „Die Zahlen zeigen auf erschreckende Weise, wie dringend der Handlungsbedarf ist.“ Im vergangenen Jahr sei die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland auf 3027 gestiegen. Das komme einer Steigerung von nahezu 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleich. „Dagegen kommen wir nur an, wenn eine handlungsbereite Politik und eine engagierte Zivilgesellschaft zusammenwirken,“ so Scholz.

Relativierung des Holocaust nicht dulden

„Wir werden eine Relativierung des Holocausts nicht dulden,“ betonte Olaf Scholz. Die Tötung von sechs Millionen Menschen sei singulär. Wer das infrage stelle, wer falsche Vergleiche anstelle, der verharmlose und verfälsche Geschichte, der schüre Hass und Gewalt, der verhöhne die Opfer. „Das haben wir der Führung der Palästinenser nach Mahmud Abbas‘ empörender Entgleisung hier auf deutschem Boden unmissverständlich klargemacht,“ so der Bundeskanzler.

Schutz für Holocaust-Überlebende

Scholz betonte, dass Holocaust-Überlebende aus der Ukraine in Deutschland Aufnahme und Schutz vor dem Krieg in der Ukraine finden. 94 Überlebende seien bereits nach Deutschland gekommen. Der Bundeskanzler erinnerte in diesem Zusammenhang an das Schicksal von Boris Romantschenko. „Romantschenko war selbst Zwangsarbeiter und Häftling,“ so Scholz. „Er wurde nicht müde, Zeugnis abzulegen von dem, was er als Zwangsarbeiter und Häftling in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten erlebt hatte. Am 18. März ist er in Charkiw gestorben. Er wurde Opfer russischer Bomben.“

Romantschenko stehe für zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in der Ukraine, die ihre jungen Lebensjahre in ständiger Furcht vor Terror und Tod durch die nationalsozialistischen Besatzer und ihre Schergen verbrachten und die sich heute, fast ein Menschenleben später, vor Krieg, Bomben und Besatzung fürchten müssten. „Der Gedanke ist schwer zu ertragen,“ so Bundeskanzler Olaf Scholz.

Der deutsche Freundeskreis von Yad Vashem hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeit der internationalen Holocaust Gedenkstätte in Jerusalem im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Dafür stärkt der Verein nicht nur die Beziehungen zwischen den Ländern, sondern bietet zahlreiche Bildungs- und Gedenkprogramme in Zusammenarbeit mit Yad Vashem an.

Die Gedenkstätte Yad Vashem widmet sich der Dokumentation, Forschung, Bildung und dem Gedenken an die sechs Millionen jüdischen Menschen, die während des Holocausts ermordet wurden.

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