Mit Forschung aus der Krise

Forschungsgipfel 2021 Mit Forschung aus der Krise

Die Forschung in Deutschland und Europa stärken sowie Kräfte bündeln - das sei der Schlüssel, um die Folgen der Corona-Pandemie zu bekämpfen und gestärkt daraus hervorzugehen. Beim virtuellen Forschungsgipfel hat sich Bundeskanzlerin Merkel dafür ausgesprochen, auch nach Corona die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau zu halten.

Kanzlerin Merkel nimmt vom Kanzleramt aus per Video am Forschungsgipfel teil.

Gerade in der Pandemie zeige sich, „wie bedeutend Wissenschaft und Forschung für unser Leben und unseren Alltag sind“, so Kanzlerin Merkel beim Forschungsgipfel.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

Die Corona-Pandemie hat eindrücklich die Innovationskraft des deutschen und europäischen Forschungssektors herausgestellt. Deutschland steht mit seinen überdurchschnittlichen Investitionen in Forschung und Innovationen im internationalen Vergleich gut da. Verbesserungsfähig, so Vertreter aus Forschung und Wirtschaft, sei der Transfer von Forschungsergebnissen in die kommerzielle Anwendung, sowie die Entwicklung und Realisierung digitaler Geschäftsmodelle, E-Government-Angebote oder sinkende Gründungsquoten.

Biotech-Standort Deutschland bietet vielfältige Chancen

„Gerade in dieser Zeit zeigt es sich, wie bedeutend Wissenschaft und Forschung für unser Leben und unseren Alltag sind“, betont die Bundeskanzlerin mit Blick auf die Corona-Pandemie. „Wenn sich der Pandemie mit all ihren schmerzlichen Folgen überhaupt etwas Positives abgewinnen lässt, dann ist es der Praxisbeweis, dass Deutschland in der Gesundheitsforschung ganz vorne mitspielt.“ Der erste in der EU zugelassene Impfstoff wurde in Deutschland entwickelt. 

Neben der mRNA-Technologie bieten die Medizinforschung weitere Zukunftsfelder wie die Genschere oder die Quantentechnologie viel Potenzial. „Ich bin zutiefst davon überzeugt – der Biotech-Standort Deutschland hat hervorragende Chancen, bei bahnbrechenden Neuerungen in der Medizin eine maßgebliche Rolle zu spielen“, sagte Merkel. Allerdings müssten hier schnell die Voraussetzungen geschaffen werden, um neue Technologien möglichst gut wirtschaftlich verwerten zu können. 

Der Forschungsgipfel der deutschen Wissenschaft versammelt seit 2015 jährlich hochrangige Entscheider, Experten, Vordenker und Newcomer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik, um gemeinsam Antworten auf aktuelle Fragen und Herausforderungen in der Forschungs- und Innovationspolitik zu finden. Der Forschungsgipfel wird vom Stifterverband, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) und der VolkswagenStiftung organisiert. Er fördert als interdisziplinäres Forum Dialog und Vernetzung.

Vorreiter und Vordenker einer globalen Energiewende

Innovationen setzen auch Investitionen voraus, betont Merkel. Bund und Länder haben dazu ihr Budget kontinuierlich gesteigert – von 2009 bis 2019 um 72 Prozent. Staat und Wirtschaft haben zuletzt 3,18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung investiert. „Damit zählt Deutschland weltweit zur Spitzengruppe und ich wünsche mir, dass das auch künftig so bleibt“, sagt die Kanzlerin. Der Forschungsanteil solle sich dazu auf die 3,5-Prozent-Marke – gemessen am BIP – annähern. 

Mit Blick auf die Energiewende sei der Erfolg abhängig von der Forschung, sagte Merkel. „Hohe Erwartungen richten sich hier auf den Grünen Wasserstoff.“ Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie habe die Bunderegierung eine solide Grundlage gebildet, um die Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten und zugleich neue Märkte zu erschließen. Dabei blicke man auch über die Landesgrenzen hinaus. „Als Hightech-Land haben wir die Möglichkeiten, Vordenker und Vorreiter einer globalen Energiewende zu werden.“

Beim Forschungsgipfel – in diesem Jahr thematisch ganz im Zeichen der bevorstehenden Bundestagswahl – tauschten sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik darüber aus, wie die zentralen Forschungs- und Innovationspolitischen Weichen in der kommenden Legislaturperiode gestellt werden sollten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob, wie und wie stark der Staat in Innovationsprozesse eingreifen müsse. „So viel Markt wie möglich, so wenig Regulierung wie nötig“, waren sich die Experten einig.