Energiewende

Erneuerbare Energien

Förderung steuern, Kosten senken

Es gibt immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Mit ihren 42,9 Prozent haben die erneuerbaren Energien in den ersten drei Quartalen dieses Jahres die Kohle als Energiequelle abgehängt. Längst hat die Branche ihre Nische verlassen und ist im Markt angekommen.

Solaranlage auf einem Feld vor einer Biogasanlage

Die Vergütung für erneuerbaren Strom wird durch Ausschreibungen am Markt ermittelt.

Foto: istock/Getty Images/fotojog

Sie liegen inzwischen über 50 Prozent über der Energiequelle von Stein- und Braunkohle. Damit hat der Ökostromanteil an dem Bruttostromverbrauch in Deutschland einen Rekord erreicht. Laut Branchenangaben entspricht das einem Anstieg von nahezu fünf Prozent zum vergleichbaren Zeitraum im Jahr zuvor.

Ausschreibungsverfahren senkt Förderkosten

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz in seiner Fassung von 2017 trägt dieser Entwicklung verstärkt Rechnung. Die Vergütung von erneuerbarem Strom wird nicht wie zu Beginn der Förderung staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. Das heißt: Die Anträge für PV-Photovoltaik-Anlagen, Windräder oder Biogas-Anlagen, die mit der geringsten Förderung auskommen werden, erhalten den Zuschlag. Das senkt aus der Sicht von Stromverbrauchern, die die EEG-Umlage ja finanzieren, die Kosten für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.

Das Umlageverfahren ist richtig, denn die Verbraucher sind ja auch die Nutzer - nicht nur des vermehrten Stroms an sich, sondern auch der klima- und umweltschonenderen Art der Gewinnung. Die anfänglich beschlossene Festpreisvergütung drohte die Umlage jedoch zu einer zu hohen Belastung für die Bürgerinnen und Bürger zu werden. Deshalb entschied die Bundesregierung, das Vergütungssystem aus ein Ausschreibungsverfahren umzustellen. Richtig ist zugleich, dass die Vergütungsregelung für bestimmte Anbieter von Ökostrom nicht mehr lukrativ erscheint. Wie für Märkte typisch unterliegt auch dieser Markt einem steten Wandel. 

Kostensenkend wirkt aber auch die inzwischen erfolgte Optimierung und der teilweise Ausbau des Stromnetzes, auch wenn diese Aufgabe längst nicht abgeschlossen ist. Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz sieht deswegen unter anderem verschiedene Vereinfachungen im Genehmigungsverfahren vor.

Bürger-Energie-Genossenschaften genießen Bevorzugung

Für Bürger-Energie-Genossenschaften gibt es eine erleichterte Teilnahme an den Ausschreibungen. Bei der Bewerbung müssen sie keine imissionsschutzrechtliche Genehmigung vorlegen. Dadurch sparen sie hohe Vorlaufkosten für ihre Projekte. Damit will die Bundesregierung bürgerschaftliches Engagement bei der Energiewende besonders honorieren.

Erneuerbare mit den Netzen besser in Einklang bringen

Strom aus Anlagen für erneuerbare Energien entsteht nicht immer dort, wo Stromnetze sind, die ihn transportieren können. Das EEG reagiert darauf: Zwar herrschen in Norddeutschland für Windenergie die besten Bedingungen, andererseits hat es bislang dort kein so großer Bedarf an Stromnetzen gegeben. Die fehlen nun aber für den Transport. zu den Abnehmern. Deshalb wird in den Regionen, in denen es Netzengpässe gibt, der Zubau von Windrädern erst einmal begrenzt auf 58 Prozent des Durchschnitts der letzten drei Jahre. Ziel ist es, die Stromnetze vor Überforderung zu schützen. Diese Regelung wird alle zwei Jahre überprüft.

In den ersten Jahren der Förderung ist die Windenergie stark gewachsen, inzwischen ist der Ausbau aber ins Stocken geraten. Zwar hat die Bundesregierung den starken Ausbau mit einer Kürzung der Genehmigungen zu drosseln gewollt, um die vermehrte Einleitung von Ökostrom ins alte Netz in Einklang mit den nur zaghaft erweiterten Netzkapazitäten zu bringen. Doch in erster Linie wirkten schon lokale Entscheidungen zu Abstand und Natur- und Umweltschutzüberlegungen gegen einen Windkraftausbau.

Windenergie: 2.800 Megawatt pro Jahr werden für Windenergie an Land in den Jahren 2017 bis 2019 ausgeschrieben, ab 2020 dann 2.900 Megawatt pro Jahr. Die Windenergie auf See wird das Ausbauziel für 2020 übertreffen. Daher wird ihr Zubau ab dem Jahr 2021 jährlich 750 Megawatt betragen, für eine gleichmäßige Entwicklung bis zum Ziel von 15 Gigawatt im Jahr 2030.

Sonnenenergie: Es werden Solaranlagen mit einer Leistung von 600 Megawatt jährlich ausgeschrieben. Kleine Anlagen auf Dächern bis zu einer Leistung von 750 Kilowatt sind davon ausgenommen und werden wie bisher gefördert. Insgesamt gibt es weiterhin einen Zuwachs von 2.500 Megawatt Zuwachs pro Jahr. Der Zuwachs bei diesem Energieträger wird ausnahmsweise nicht beschränkt.

Biomasse: Für die Biomasse sieht das Gesetz vor, jährlich 150 Megawatt auszuschreiben. In den Jahren 2020 bis 2022 wird die Ausschreibungsmenge auf jährlich 200 Megawatt steigen. Teilnehmen können an den Ausschreibungen neben Neuanlagen auch Bestandsanlagen.