Berliner Mauer

13. August bleibt Mahnung

Inzwischen ist Deutschland länger vereint, als es durch die innerdeutsche Grenze getrennt war. Doch der Mauerbau am 13. August 1961 bleibt Mahnung. Das war ein schwarzer Tag für Deutschland: Familien wurden über Nacht getrennt und Lebenspläne zerstört.

Passanten sehen in der Sebastianstraße Grenzsoldaten beim Mauerbau zu.

Mauerbau am 13. August 1961: Von einem Tag auf den anderen wurden Familien und Freunde voneinander getrennt.

Foto: Bundesregierung/Lehnartz

Es ist Sonntagmorgen. Viele Berliner schlafen noch als Soldaten der Nationalen Volksarmee, der DDR-Grenzpolizei, der Volkspolizei und der sogenannten Betriebskampfgruppen beginnen, Straßen und Schienenwege abzuriegeln.

Bauarbeiter errichten an den Sektorengrenzen zwischen Ost- und Westberlin Sperren aus Stacheldraht. An den Verbindungsstraßen wird das Pflaster herausgerissen, jeglicher Verkehr zwischen Ost und West wird unterbunden.

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten"

Für die Berliner kommt der Mauerbau völlig überraschend. Noch am 15. Juni hatte DDR-Staatschef Walter Ulbricht gesagt: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Knapp zwei Monate später gilt der Satz nicht mehr.

Über Nacht wird die Mauer hochgezogen. Familien, Freunde, Nachbarn werden von einem Tag auf den anderen voneinander getrennt. Dramatische Szenen spielen sich ab, wenn verzweifelte Menschen versuchen, die Absperrungen noch zu überwinden.

Flucht unter Lebensgefahr

Bald bezahlen die Ersten ihre Fluchtversuche mit dem Leben. Am 24. August 1961, elf Tage nach Abriegelung der Grenze, versucht Günter Litfin in der Nähe der Charité durch den Osthafen nach West-Berlin zu schwimmen. Dabei wurde er von Angehörigen der Transportpolizei entdeckt und beschossen.

Aus den ersten Stacheldraht-Sperren entstand nach und nach eine fast 43,1 Kilometer lange, schwerbewaffnete Grenzanlage in und um Berlin. Die DDR-Oberen wollten mit dem Bau verhindern, dass weitere Menschen aus der DDR in den Westen flüchteten. Zehntausende "waren bereits rübergemacht". Sie waren geflüchtet, weil sie die Politik der staatstragenden SED ablehnten, oder weil sie mit der Versorgungslage im Sozialismus nicht einverstanden waren.

Sehnsucht nach Freiheit

Das Ziel, die massenhaft Flüchtenden zu stoppen, hatte die DDR-Führung erreicht. Doch die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit blieb. Trotz Stacheldraht, Minen und Schließbefehl versuchten die Menschen immer wieder, die Mauer und die innerdeutsche Grenze zu überwinden. Auch die hohen Haftstrafen, die bei einer "Republikflucht" drohten, konnten die Menschen nicht aufhalten.

Mehr als 40.000 DDR-Bürgern gelang die Flucht über die Mauer oder die innerdeutsche Grenze. 327 Männer und Frauen bezahlten ihren Fluchtversuch mit dem Leben. An der Berliner Mauer kamen mindestens 139 Menschen ums Leben.

Die letzten Todesschüsse an der Berliner Mauer fielen am 5. Februar 1989 – gut neun Monate vor dem Fall der Berliner Mauer. Die friedliche Revolution und der Mauerfall am 9. November 1989 beendeten dieses traurige Kapitel der deutschen Geschichte nach 28 Jahren.

Letzte Todesschüsse an der Berliner Mauer

Die Zahlen zu den Todesopfern an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze stammen aus dem "Totenbuch II" vom Juni 2017. Dieses "Totenbuch II" knüpft an die im Jahr 2009 herausgegebene Studie "Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961 - 1989", genannt "Totenbuch I", des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Gedenkstätte Berliner Mauer an.

Bund fördert Aufarbeitung und Gedenken

Die Teilung Berlins und Deutschlands ist Geschichte. Dennoch ist es wichtig, an das Unrecht der DDR-Diktatur zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Die Bundesregierung unterstützt deshalb Gedenkstätten und andere Orte, die an die deutsche Teilung und ihre Opfer erinnern.

Zentraler Ort der Erinnerung ist die Gedenkstätte Berliner Mauer. Sie wurde 1998 auf dem früheren Grenzstreifen an der Bernauer Straße errichtet. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ist das zentrale Museum in Deutschland zum Thema Flucht und Ausreise aus der DDR. Viele Besucher zieht auch die Dauerausstellung im sogenannten Tränenpalast an, der früheren Grenzabfertigungshalle am Berliner Bahnhof Friedrichstraße. Dort ist der Ablauf einer Grenzkontrolle nachgestaltet - mit Original-Passkontrollkabine.

Beitrag teilen