Deutscher Wald stark gestresst

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Waldzustandsbericht 2022 Deutscher Wald stark gestresst

Die Bäume in Deutschlands Wäldern leiden stark unter den Folgen der Klimakrise. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht. Gegenüber dem Vorjahr haben sich keine deutlichen Veränderungen eingestellt, die Schäden sind weiterhin auf dem höchsten Niveau. Die Bundesregierung unterstützt Betriebe beim klimagerechten Waldumbau.

3 Min. Lesedauer

Bild eines durch Borkenkäfer geschädigten Waldes.

Der Wald ist ein Klimaretter – die Bundesregierung sieht seine Anpassung an den Klimawandel als eine nationale Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse.

Foto: Getty Images/iStockphoto/PJSFOTOMEDIA

Zur Situation der Bäume wird jedes Jahr ein Waldzustandsbericht erstellt. Dazu wird der Kronenzustand bewertet – wie dicht Laub oder Nadeln sind, gilt als Indikator für den Gesundheitszustand. Der aktuelle Bericht zeigt: Weiterhin sind vier von fünf Bäumen krank. Denn der Kronenzustand der Waldbäume hat sich im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Es haben sich keine deutlichen Verbesserungen des Waldzustands eingestellt, aber auch keine deutlichen Verschlechterungen.

Großteil der Baumkronen geschädigt

Nach wie vor ist eine hohe Kronenverlichtung bei allen Arten zu verzeichnen. Der Anteil der Bäume, die keine Kronenverlichtung aufweisen, liegt wie im Jahr 2021 bei nur 21 Prozent.

Der Bericht zeigt auch: Fichten weisen im Vergleich zu anderen Baumarten die höchste Absterberate auf. Bei den Laubbaumarten und der Kiefer ist sie dagegen leicht gesunken. Vor allem ältere Bäume über 60 Jahre sind von Absterbeerscheinungen betroffen. Doch auch bei den jüngeren Bäumen zeigt sich ein negativer Trend.

Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist bewaldet. Der Wald besteht zu rund 54 Prozent aus Nadel- und rund 43 Prozent aus Laubbäumen.

Maßnahmen der Bundesregierung

Die Bundesregierung sieht die Anpassung der Wälder an den Klimawandel als eine nationale Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse. Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sagte bei der Übergabe des Waldzustandsberichts: „Wir müssen weiter entschlossen handeln, damit unsere Wälder in Zukunft der Trockenheit und den höheren Temperaturen trotzen können. Das heißt: Mischwald statt Monokulturen.“

Um Waldbesitzerinnen und -besitzer zu unterstützen, diesen Umbau zu meistern, hat die Bundesregierung das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ aufgelegt. 900 Millionen Euro stehen dafür bis 2026 zur Verfügung. Für das Jahr 2023 wurden Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro freigegeben. Anträge auf Förderung können bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gestellt werden.

Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz will die Bundesregierung entscheidend dazu beitragen, den allgemeinen Zustand der Ökosysteme in Deutschland deutlich zu verbessern und ihre Klimaschutzleistung zu stärken. Vier Milliarden Euro stellt sie dafür bis 2026 bereit. Auch hier liegt ein besonderer Fokus auf dem Wald. Er soll hin zu mehr Artenreichtum und Resilienz umgebaut werden. Darüber hinaus sollen von 2023 bis 2030 jährlich 10.000 Hektar Wald neu entstehen. Das Bundeskabinett will in Kürze das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz beschließen. Eckpunkte dazu hat das BMUV im März 2022 vorgelegt.

Ein weiteres Instrument zur Förderung von Klimaschutzleistungen und der Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist der Waldklimafonds . Über das bereits 2013 von BMUV und BMEL aufgelegte Förderprogramm wurden bisher rund 500 Projekte gefördert.

Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir nimmt an einer Baumpflanzaktion zum Tag des Waldes in der Peter-Lenne-Schule Oberstufezentrum Natur und Umwelt in Berlin teil.

„Wir müssen weiter entschlossen handeln“, so Bundesminister Özdemir (M.) mit Blick auf den Waldzustandsbericht. An der Berliner Peter-Lenné-Schule nahm er an einer Baumpflanzaktion teil.

Foto: BMEL/photothek.de/Florian Gaertner

Der Wald als Klimaretter

In lebenden Bäumen und im Totholz sind derzeit rund 1,26 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden. Zudem hat die Bodenzustandserhebung im Wald ergeben, dass in der Streuauflage und dem Mineralboden bis 30 Zentimeter Tiefe weitere 850 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden sind. Bezieht man den darunterliegenden Boden bis 90 Zentimeter Tiefe mit ein, dann übertrifft der Kohlenstoffvorrat im Boden sogar jenen, der in den Bäumen gespeichert ist. 

Der Wald in Deutschland entlastet laut Kohlenstoffinventur 2017 die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Allerdings könnten die derzeitigen Waldschäden diese Verhältnisse verändern.

Durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten wird positive Klimawirkung der Wälder weiter verstärkt. Jeder Kubikmeter Holz enthält etwa 0,3 Tonnen Kohlenstoff, der in Produkten wie Gebäuden oder Möbeln jahrzehntelang gebunden ist.