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Deutschland bittet um Vergebung

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Olympia-Attentat 1972 Deutschland bittet um Vergebung

Am Montag fand in Fürstenfeldbruck die Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentates statt. Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entschuldigten sich im Namen Deutschlands für das Versagen der Behörden. Weiter versprach die Innenministerin weitere Aufarbeitung und Aufklärung.

2 Min. Lesedauer

Nancy Faeser, Bundesministerin des Inneren und für Heimat, und Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, vor Gedenkkränzen.

Innenministerin Nancy Faeser und der bayerische Ministerpräsident beim Stillen Gedenken.

Foto: Bundesregierung/Bergmann

Bundesinnenministerin Nancy Faeser entschuldigte sich auf der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft am Montag in Fürstenfeldbruck für die zahlreichen Versäumnisse Deutschlands: „Es ist ein Attentat, das tiefe Wunden hinterlassen hat. Quälende Fragen sind viel zu lange offengeblieben. Aufklärung, Aufarbeitung, Transparenz, Übernahme von Verantwortung – an all dem fehlte es viel zu lange. Dem sind wir uns als heutige Bundesregierung sehr bewusst und haben deshalb gehandelt“. Es sei in der Tat beschämend, dass die Aufarbeitung nicht längst erfolgt sei. Deshalb sei es ihr wichtig, dafür eine unabhängige Kommission aus deutschen und israelischen Historikern einzusetzen, so Faeser. Die Innenministerin blickte aber auch nach vorn: „Wir können einen neuen Anfang wagen: Sie reichen uns die Hände und wir können Sie ergreifen.“

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München die israelische Mannschaft überfallen. Elf Mitglieder des Teams und ein Polizist wurden getötet.

Bitte um Vergebung

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fand deutliche Worte: „Wir können nicht wiedergutmachen, was geschehen ist, auch nicht, was Sie an Abwehr, Ignoranz und Unrecht erfahren und erlitten haben. Das beschämt mich. Ich bitte Sie als Staatsoberhaupt dieses Landes und im Namen der Bundesrepublik Deutschland um Vergebung für den mangelnden Schutz der israelischen Athleten damals bei den Olympischen Spielen in München und für die mangelnde Aufklärung danach; dafür, dass geschehen konnte, was geschehen ist.“

Erleichterung über Einigung

Bundeskanzler Olaf Scholz ist froh und erleichtert, dass es gelungen ist, eine Einigung mit den Hinterbliebenen zu finden, die den Familien der Opfer den Weg zur Teilnahme an dieser Gedenkfeier geebnet hat. Der israelische Präsident Herzog sieht die Einigung als „einen wichtigen, gerechten und moralischen Schritt“. Er rief die Anwesenden auf: „Lassen Sie uns die Erinnerung für die Opfer des schrecklichen Attentats für immer in unseren Herzen tragen“. Herzog dankte Präsident Steinmeier bei dieser Gedenkveranstaltung ausdrücklich für seine großen Anstrengungen und seine ehrliche Entschuldigung, die „unsere Herzen berührt hat“.

Umfassende Aufarbeitung

Die Bundesregierung schafft 50 Jahre nach dem Attentat die Voraussetzungen dafür, ein sehr schmerzhaftes Kapitel in der gemeinsamen deutsch-israelischen Geschichte aufzuarbeiten und angemessen zu würdigen. Hierzu hat sie gemeinsam mit den Familien der Hinterbliebenen ein Drei-Säulen-Konzept erarbeitet.

Die Bundesregierung setzt dafür eine unabhängige Kommission von deutschen und israelischen Historikerinnen und und Historikern ein. Diese Kommission schafft Transparenz und sorgt dafür, dass bislang Verdecktes aufgearbeitet wird. Konkret nimmt diese Kommission nach Sichtung und Bearbeitung aller verfügbaren Quellen eine neue wissenschaftliche Bewertung der Ereignisse vor und formuliert etwaigen weitergehenden Forschungsbedarf.

Die Bundesregierung leistet den Hinterbliebenen des Attentats gemeinsam mit der bayerischen Regierung und der Landeshauptstadt München eine angemessene Entschädigung als Anerkennung für ihr jahrzehntelanges Leid. Damit stellt sich die Bundesrepublik Deutschland ihrer Verantwortung gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen.