Grußwort des Bundesministers des Auswärtigen, Heiko Maas,

Zunächst einmal vielen Dank für die freundliche Begrüßung, lieber Matthias. Aber vor allen Dingen vielen Dank für Deinen Einsatz für den Dialog zwischen unseren beiden Ländern! Du bist einer derjenigen, die großen Anteil daran haben, dass unsere Beziehungen trotz aller politischen Schwierigkeiten so vielfältig waren, sind und auch bleiben werden.

Lieber Sergej, ich möchte mich auch bei Dir ganz herzlich dafür bedanken, dass Du unsere Einladung nach Berlin angenommen hast. Ich glaube, es ist ein gutes Zeichen, dass wir heute hier zusammen auftreten bei dieser Veranstaltung. Aber auch, dass wir die Gelegenheit nutzen, um wichtige bilaterale, aber auch internationale Fragen miteinander zu besprechen.

Wie beeindruckend diese Vielfalt gewesen ist, die sich in diesem Jahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften gezeigt hat, das sieht man etwa an Leipzig. Leipzig, wo seit gut einem Jahr ein Denkmal steht, an dessen Bau Russen und Deutsche mitgewirkt haben. Mehr als 300 Gäste beider Länder waren zur Einweihung in das Dorf gekommen. Jetzt wird wahrscheinlich der ein oder andere sagen, dass „Dorf“ für Leipzig eine etwas unpassende Beschreibung ist. Allerdings spreche ich nicht von Leipzig in Sachsen, sondern von Leipzig im Ural mit knapp 1.000 Einwohnern.

Seit einigen Jahren gibt es kulturellen Austausch zwischen dem russischen Leipzig und dem Verein MOST aus dem deutschen Leipzig: Eine gemeinsame Fotoausstellung, russisch-deutsche Feierstunden im Kindergarten, und als Höhepunkt nun die Errichtung eines Denkmals. Dieses erinnert zwar optisch an das Völkerschlachtdenkmal – wenngleich im deutlich kleineren Maßstab –, es wurde aber umgewidmet in: „Völkerfreundschaftsdenkmal“.

Ich finde, das ist ein passendes Symbol zum heutigen Anlass. Wir begehen zwar die Abschlussveranstaltung, aber die Bindungen, die in den einzelnen Projekten geknüpft wurden, die Freundschaften, die entstanden sind – die werden bleiben, und genauso soll das auch sein: Musiker, Unternehmer, Schüler, Fußballfans, Feuerwehrleute, Ärzte, Theaterschauspieler, KFZ-Mechatroniker - mir war bewusst, dass die kommunalen und regionalen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern eng sind. Wenn ich mir aber anschaue, wer heute alles ausgezeichnet wird – aber auch all jene Projekte, die nicht ausgezeichnet werden konnten – bin ich von der Breite und Intensität unserer Beziehungen doch noch einmal beeindruckt.

Ich denke da auch an die Partnerschaft zwischen Wolgograd und Chemnitz. Schüler haben sich mit der Geschichte der beiden Städte auseinandergesetzt, besonders mit der schmerzhaften Geschichte Wolgograds im 2. Weltkrieg. Damit haben sie eines gezeigt: Das Leid, das Deutschland der russischen Bevölkerung im 2. Weltkrieg zugefügt hat, werden wir nicht vergessen. Ohne die Bürgerinnen und Bürger von Russland, die zur Versöhnung bereit gewesen sind, wäre all dies nicht möglich gewesen.

Stellvertretend möchte ich hier Jurij Starovatykh nennen, der als ehemaliger Oberbürgermeister von Wolgograd die Partnerschaft mit Chemnitz mitbegründet hat. Ich freue mich sehr, dass sie heute – mit über 80 Jahren! – nach Berlin gekommen sind. Herzlich willkommen. Ihnen und allen Ihren Mitbürgern, die uns die Hand zur Versöhnung gereicht haben, möchte ich sehr herzlich danken.

Meine Damen und Herren, man kann nicht verhehlen, dass die deutsch-russischen Beziehungen in den letzten Jahren schwierige Zeiten erlebt haben. Sergej Lawrow und ich haben gerade ausführlich miteinander gesprochen – intensiv, aber auch konstruktiv. Es gibt viele Punkte, bei denen wir Gesprächsbedarf haben. Und natürlich haben wir auch gerade heute aktuell über die Lage in Idlib gesprochen, wo Russland eine große Verantwortung trägt für eine humanitäre Lösung.

Aber Differenzen schließen intensive Beziehungen nicht aus. Nein, ganz im Gegenteil: Es ist gerade der Austausch zwischen den Menschen unserer Länder, der uns auf ein engeres Verhältnis in der Zukunft hoffen lässt – auch politisch. Die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften unserer Länder, zwischen den Kommunen und Regionen, ist eine der tragenden Säulen dieser Beziehungen. Dialog beginnt mit der Bereitschaft, einander zuzuhören, mit der Frage, wo steht der andere und wie blickt er auf die Welt.

Alle die heute hier ausgezeichneten, aber auch die weiteren zahlreichen deutsch-russischen Partnerschaften stehen dafür beispielhaft. Ihnen gilt deshalb mein besonderer Dank. Ich freue mich, dass wir gleich weitere Partnerschaften besiegeln und auch die Tradition der deutsch-russischen Themenjahre fortsetzen – mit dem Schwerpunkt auf Hochschulkooperation und Wissenschaft. Denn gerade dieser direkte Austausch lässt uns erkennen, wieviel uns als Menschen verbindet – in Deutschland und in Russland. Wie im Falle der beiden Leipzigs, die durch ihre Zusammenarbeit eines erkannt haben: Uns eint mehr als nur ein Name.