So will die Bundesregierung Funklöcher schließen

Deutschland spricht über 5G    So will die Bundesregierung Funklöcher schließen

"Wir machen ernst beim Schließen der letzten weißen Flecken“, das betonte Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, bei der Vorstellung der neuen Mobilinfrastrukturgesellschaft. Was die Bundesregierung gegen Funklöcher unternimmt und was das mit dem Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G zu tun hat, beantwortet das folgende FAQ.

Smartphone am Strand

Smartphone ohne Empfang

Foto: Colourbox

Was unternimmt die Bundesregierung gegen Funklöcher unternimmt? Wie lassen sich die Pläne mit dem Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G verbinden? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist ein Funkloch?

Funklöcher im klassischen Sinne sind Orte, an denen es gar keinen Mobilfunkempfang gibt. Sie finden sich nur noch in dünn besiedelten Gebieten auf dem Land wie im Nordosten der Bundesrepublik, in der Eifel oder im Harz, teilweise auch in grenznahen Gebieten. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf ihrem Breitband-Monitor eine Karte, die die Netzabdeckung in Deutschland zeigt. Dort sind die Funklöcher als "weiße Flecken" zu sehen.

Wie viele Funklöcher gibt es in Deutschland?

Bundesweit gibt es laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur rund 4.400 weiße Flecken. Die sogenannte Funklochapp informiert den Nutzer über die jewilige Netzabdeckung an einem bestimmten Ort. Die Ergebnisse dieser Messungen fließen auch in die bereits erwähnte Karte der Bundesnetzagentur ein.

Wie steht es um die Mobilfunkversorgung in Deutschland?

Bei der Mobilfunk-Versorgung sind in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt worden. Nach einer Übersicht der Bundesnetzagentur sind 96,5 Prozent der Fläche in Deutschland mindestens von einem Mobilfunknetzbetreiber mit 4G versorgt. In der Karte der Bundesnetzagentur ist die Abdeckung der Mobilfunkstandards 2G, 3G, 4G von den drei großen Netzbetreibern gleichzeitig einsehbar.

Was tut die Bundesregierung um die Funklöcher zu schließen?

Eigentlich sollen die Netzbetreiber für flächendeckenden Empfang sorgen. Bei der Auktion der 5G-Mobilfunkfrequenzen haben sie sich dazu verpflichtet, bestimmte Versorgungsauflagen zu erfüllen, damit sie den Netzausbau nicht auf lukrative Regionen mit vielen Einwohnern beschränken. Doch um die Funklöcher zu schließen sind bis zu 5.000 Standorte für neue Mobilfunkmasten notwendig. Die Bundesregierung investiert deshalb rund 1,1 Milliarden Euro in dem Netzausbau an diesen 5000 Standorten, wo ein privatwirtschaftlicher Ausbau zeitnah nicht zu erwarten ist.

Auch sollen Genehmigungsverfahren für das Aufstellen von Mobilfunkmasten verkürzt werden. Das ist Teil der Mobilfunkstrategie der Bundesregierung. "Dort, wo die Mobilfunknetzbetreiber nicht privat ausbauen und auch keine Versorgungsauflagen bestehen, ergreifen wir die Initiative und treiben den Ausbau in enger Einbindung von Unternehmen und Kommunen voran", erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

Welche Rolle spielt die neue Mobilinfrastrukturgesellschaft dabei?

Um den Aufbau zu beschleunigen und Kommunen zu entlasten, hat der Bund eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft gegründet. Sie soll das milliardenschwere Förderprogramm zum Netzausbau umsetzen. Die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft mit Sitz in Naumburg in Sachsen-Anhalt nahm im Januar 2021 offiziell ihre Arbeit auf. Die Gesellschaft soll vor allem die Kommunen bei der Suche nach Standorten für Funkmasten entlasten sowie bei der Durchführung von Genehmigungsverfahren unterstützen.

Was machen die Mobilfunkanbieter gegen Funklöcher?

Die drei deutschen Mobilfunkanbieter wollen in diesem Jahr mit wechselseitigen Kooperationen die Funklöcher in ihren Netzen schließen. Telefónica, Vodafone und die Deutsche Telekom wollen sich in Gebieten, die durch jeweils eines der Unternehmen bereits abgedeckt sind, gegenseitigen Zugang zu ihren 4G-Netzen gewähren. Der Ausbau des eigenen Netzes ist in solchen Gebieten oftmals unwirtschaftlich.

Was hat das mit dem Netzausbau für 5G zu tun?

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur wird durch das Geld finanziert, welches durch die Mobilfunkunternehmen in der Frequenzauktion für 5G zusammenkam. Mehr als 6,5 Milliarden Euro hat der Bund mit der Versteigerung eingenommen. Daraus stammen auch die 1,1 Milliarden Euro für das Förderprogramm zur Schließung von Funklöchern.

Warum gibt es überhaupt Frequenzauktionen?

Um 5G anzubieten, benötigen Netzbetreiber zusätzliche Frequenzen. Sie wurden 2019, wie schon bei den anderen Mobilfunkgenerationen zuvor, bei einer Auktion versteigert. Am 12. Juni 2019 endete die sogenannte 5G-Frequenzauktion. Vier Mobilfunkunternehmen bezahlten zusammen rund 6,5 Milliarden Euro. Dieses Geld kommt dem Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland zugute. Die Bundesnetzagentur legte für den Aufbau außerdem strenge Versorgungsauflagen fest, um zu garantieren, dass Menschen in allen Teilen Deutschlands profitieren.

Bringt 5G Handyempfang an allen Orten?

Grundsätzlich gilt: Erste "echte“ 5G-Anwendungen wird es im Bereich der Produktionsautomatisierung in der Industrie geben. 5G entfaltet seine Stärken daher zunächst als "Maschinennetz“. Klassische Mobilfunkanwendungen wie Telefonieren oder Surfen im Internet sind bereits mit 3G und insbesondere mit 4G zuverlässig und leistungsstark möglich. Das LTE-Netz (4G) ist das Fundament dafür, dass die Mobilfunknetze flexibel auf 5G erweitert werden können. Für den normalen Nutzer, der mobil telefonieren und surfen will, wird die Qualität von LTE weiterhin ausreichen. Für die regelmäßigen Nutzer von Sprach- und Datendiensten ist deswegen eine flächendeckende LTE-Abdeckung zunächst viel wichtiger.

Stehen das Schließen von Funklöchern und der 5G-Ausbau in Konkurrenz?

Der 5G-Netzausbau wird keine negativen Auswirkungen auf den ländlichen Raum haben. Im Gegenteil: im Zuge des 5G-Ausbaus wird auch das bestehende LTE-Netz weiter ausgebaut. Die LTE-Infrastruktur ist die Basis für den 5G-Ausbau, da die bisher verfügbare 5G-Technik weitgehend noch ein vorhandenes 4G-Netz zum Aufbau der Verbindung benötigt. Das Ziel ist daher auch eine flächendeckende Mobilfunkversorgung mit LTE, die die Grundlage dafür schafft, dass Deutschland in den nächsten Jahren auch bei 5G eine Spitzenposition einnimmt.

Wo gibt es weitere Informationen zu 5G?

Die Dialoginitiative "Deutschland spricht über 5G" will das Verständnis für den 5G-Netzausbau stärken und frühzeitig mit den Menschen in Austausch über die verschiedenen Fragen, aber auch Bedenken treten. Über das Dialogportal oder unter #Dspricht5G über die Social-Media-Kanäle kann jeder und jede dazu Fragen live an Politik und Wissenschaft stellen.