Fragen und Antworten zur Inflation

FAQ Fragen und Antworten zur Inflation

Das alltägliche Leben wird für die Menschen in Deutschland immer teurer – die Preise steigen, vor allem für Energieprodukte und Lebensmittel. Das Geld scheint immer mehr an Wert zu verlieren. Und ständig ist von der Inflation die Rede. Doch was genau ist Inflation eigentlich? Was bedeutet sie, wie entsteht sie – und was hilft dagegen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine Familie beim Einkaufen

Die Bundesregierung hat bereits zwei große Entlastungspakete geschnürt – unter anderem mit einer Energiepreispauschale sowie 100 Euro für jedes Kind.

Foto: mauritius images/JIRI

Was ist Inflation?

Inflation ...

  • bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus: Die Verbraucherpreise erhöhen sich dabei über einen längeren Zeitraum.
  • bringt eine Geldentwertung mit sich: Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab.
  • wird anhand der Inflationsrate ermittelt: Sie zeigt, in welchem Umfang Preise für Waren und Dienstleistungen in einem festgelegten Zeitraum gestiegen sind.

Wächst zusätzlich zur Inflation die Wirtschaft nicht oder nur wenig und steigt die Arbeitslosigkeit, spricht man von Stagflation.

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Die durchschnittlichen Preise sinken, die Inflationsrate ist negativ.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat umfangreiche Informationen zur Inflation zusammengestellt. Das Faltblatt „Spicker“ erläutert auf einer DIN-A4-Seite alles Wissenswerte rund um das Thema.

Wie wird die Inflation berechnet?

Die Inflationsrate wird in Deutschland vom Statistischen Bundesamt berechnet – mithilfe des Verbraucherpreisindex (VPI). Der VPI misst monatlich die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland konsumieren. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahr wird als Inflationsrate bezeichnet.

Zur Berechnung der Inflationsrate wird ein fiktiver Warenkorb herangezogen, der stellvertretend für den Bedarf der privaten Haushalte 650 Güterarten umfasst – von Nahrungsmitteln über Bekleidung bis hin zu Ausgaben für Wohnung und Freizeit. Mit welcher Gewichtung sie in den Gesamtindex einfließen, ist im Wägungsschema festgehalten.

Erklärvideo zum Verbraucherpreisindex:

04:11

Verbraucherpreisindex und Inflation kurz erklärt

Video: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Wie entsteht Inflation?

Eine Inflation kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst oder beschleunigt werden. Dabei unterscheidet man zwischen Nachfrage- und Angebotsinflation.

Bei der Nachfrageinflation ist die Nachfrage größer als das Angebot. Aufgrund der Angebotsknappheit können Unternehmen die Preise für Güter und Dienstleistungen erhöhen. Wenn die Preise steigen, sinkt jedoch der Wert des Geldes.

Gründe dafür sind:

  • steigender Konsum in privaten Haushalten
  • mehr Unternehmensinvestitionen
  • wachsende staatliche Investitionsausgaben
  • Exportzuwachs

Bei der Angebotsinflation handelt es sich um einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus durch höhere Produktionskosten – vor allem verursacht durch:

  • steigende Rohstoff- und Energiepreise
  • höhere Löhne

Warum ist die Inflation aktuell so hoch?

Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Juni 2022 7,6 Prozent. Sie hat sich damit leicht abgeschwächt, verweilt aber weiterhin auf hohem Niveau. Im Mai lag sie noch bei 7,9 Prozent – so hoch wie seit fast 50 Jahren nicht mehr.

Gründe dafür sind:

  • Steigende Nachfrage: Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihr Konsumverhalten mit Lockerung der Corona-Maßnahmen verändert und aufgeschobene Anschaffungen und Unternehmungen nachgeholt.
  • Geringeres Angebot: Weltweit steigen die Produktionskosten, die Lieferketten sind seit der Corona-Pandemie gestört. Infolge des Krieges in der Ukraine kommt es zu Rohstoffengpässen, die das Angebot verknappen – vor allem bei Energie und Getreide.

Warum ist eine hohe Inflation schädlich?

Für eine gesunde, wachsende Wirtschaft ist es wichtig, dass der Wert des Geldes stabil bleibt. Inflation beeinträchtigt auf vielerlei Weise Wachstum und Wohlstand:

Wer verliert?

  • Sparerinnen und Sparer, die ihr Geld auf niedrigverzinsten Konten angelegt haben,
  • Bezieherinnen und Bezieher von Lohn, Rente oder Sozialleistungen, deren Einkommen in der Regel verzögert angepasst werden.

Wer profitiert?

  • Besitzerinnen und Besitzer von Sachwerten – beispielsweise Aktien und Immobilien, die wegen steigender Nachfrage an Wert gewinnen,
  • Immobilienbesitzerinnen und -besitzer, die ihr Objekt über einen längerfristigen Kredit finanzieren. Nimmt der Geldwert ab, sinkt auch die Last der aufgenommenen Schulden.

Mit dem persönlichen Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes können Verbraucherinnen und Verbraucher ihre monatlichen Konsumausgaben für einzelne Güterbereiche an das eigene Verbrauchsverhalten anpassen und eine persönliche Inflationsrate berechnen.

Welche Rolle spielt die Zentralbank?

Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es, im Euroraum stabile Preise zu gewährleisten. Sie strebt an, dass die Inflationsrate niedrig, stabil und berechenbar bleibt – idealerweise mittelfristig bei zwei Prozent.

Ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument ist der Leitzins. Er bestimmt, zu welchen Konditionen Banken bei der Zentralbank Geld leihen oder anlegen können. Weicht die Inflation vom Zwei-Prozent-Ziel ab, reagiert die EZB gewöhnlich mit Leitzinsänderungen: Eine zu hohe Inflationsrate wird mit Zinserhöhungen, eine zu niedrige Inflationsrate mit Zinssenkungen bekämpft.

Da die Inflation in der Eurozone mit 8,6 Prozent im Juni 2022 ebenfalls einen Höchstwert erreichte, hat die EZB den Leitzins im Juli um 0,5 Prozent erhöht. Auf den ersten Zinsschritt sollen weitere folgen.

Was unternimmt die Bundesregierung?

Bundeskanzler Olaf Scholz hat angesichts der steigenden Preise immer wieder betont, dass die Bundesregierung die Menschen in Deutschland nicht allein lässt. „Wir behalten die Situation aller Menschen im Blick: die von Rentnerinnen und Rentnern, von Studentinnen und Studenten, von Familien, von Grundsicherungsempfängern und auch die der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, so Scholz.

Deshalb hat die Bundesregierung bereits zwei große Entlastungspakete geschnürt – mehr als 30 Milliarden Euro schwer. Jeder Arbeitnehmer, jede Arbeitnehmerin, jeder und jede Selbstständige erhält eine Energiepreispauschale von 300 Euro, für jedes Kind kommen noch einmal 100 Euro hinzu. Davon profitieren vor allem kleinere und mittlere Einkommen. Außerdem gibt es einen befristeten Tankrabatt, das Neun-Euro-Ticket und einen erhöhten Heizkostenzuschlag.

Die Bundesregierung ist davon überzeugt, dass diese Maßnahmen wirken, den Menschen helfen und einen großen Teil des inflationsbedingten Kaufkraftverlustes in diesem Jahr ausgleichen. Wie sich die Entlastungsmaßnahmen auf die aktuelle Inflationsrate auswirken, erklärt das Statistische Bundesamt.

Um die hohen Energiepreise abzufedern, hat die Bundesregierung spürbare Entlastungen auf den Weg gebracht. Das Bundesfinanzministerium zeigt an sechs konkreten Beispielen, dass sie bei Bürgerinnen und Bürgern ankommen.

Der nächste Schritt ist jetzt die Konzertierte Aktion aus Gewerkschaften, Wirtschaft und Politik, die der Bundeskanzler ins Leben gerufen hat. Ziel der gemeinsamen Beratungen ist es, reale Einkommensverluste der Beschäftigten zu verhindern beziehungsweise abzumildern und zugleich makroökonomische Risiken zu minimieren.