tag der deutschen einheit 1991 - festakt in hamburg

ie freie und hansestadt hamburg war am 3. oktober
1991 gastgeberin der ersten offiziellen zentralen feiern
zum tag der deutschen einheit. die feierlichkeiten
finden turnusmaessig in der hauptstadt des bundeslandes
statt, das den praesidenten des bundesrates stellt.
die feiern in hamburg begannen mit einem
oekumenischen gottesdienst in der st.-petri-kirche. daran schloss
sich ein festakt im boersensaal der handelskammer an, zu
dem der bundeskanzler und der bundesratspraesident
gemeinsam eingeladen hatten.

ansprache der bundestagspraesidentin

die praesidentin des deutschen bundestages, frau
prof. dr. rita suessmuth, hielt folgende ansprache:

herr bundespraesident,
herr praesident des bundesrates,
herr bundeskanzler,
exzellenzen,
minister,
verehrte anwesende aus dem in- und ausland,
liebe mitbuergerinnen und mitbuerger!

vor einem jahr haben wir diesen tag, den 3. oktober, in
grosser freude, mit grossen hoffnungen und ohne
freiheitsgrenzen nach ost und west gefeiert.
erinnern wir uns an die freudige nacht vor und im
reichstagsgebaeude, an die vielen gaeste und mitfeiernden aus
aller welt! in wie vielen briefen wurde weltweit zum ausdruck
gebracht, welches glueck uns deutschen zuteil geworden ist,
wie gluecklich wir uns nunmehr gemeinsam schaetzen koennen,
wie sehr das ende der teilung deutschlands und der teilung
europas die welt veraendert hat und welche hoffnung das
ende unserer teilung auch fuer andere, noch geteilte und
unfreie voelker bedeutetss
es war gemeinsame freude, die wir zusammen an diesem
3. oktober 1990 erlebten, trotz aller neuen, auch damals
schon vorhandenen probleme. jenseits der existenziellen
noete und aengste, der sorge um arbeitsplaetze und
zukunftssicherung, jenseits der aufwuehlenden ereignisse gerade
auch dieses jahres, ist unsere freude ueber die vereinigung im
inneren geblieben. denn zurueck wollen die menschen nicht,
weder im westen noch im osten. die unbeirrbare vision
von freiheit hat das alte system besiegt. sollten wir
gemeinsam nicht die kraft haben, diese vision aufzunehmen und
weiterzufuehren?
wir sollten das erlebte glueck ueber das erreichte nicht so
schnell vergessen, denn sonst gefaehrden wir das fundament
fuer kraftvolles handeln in der zukunft. es gab viele
diskussionen ueber die geschwindigkeit der vereinigung, aber
inzwischen besteht breiter konsens, dass es richtig war, die
einheit schnell voranzutreiben. die menschen im osten
deutschlands wollten sie rasch, ohne jede verzoegerung.
sie wollten rechtsstaatlichkeit, soziale marktwirtschaft,
bessere lebensverhaeltnisse. spaetestens waehrend des
moskauer putsches vor wenigen wochen ist uns bewusst
geworden, wie wichtig es war, die chance zur deutschen einheit zu
ergreifen. spaetestens nach diesem putsch wissen wir auch,
dass die chance auf demokratie in ganz europa noch groesser
geworden ist - dank des mutes von menschen, maennern wie
frauen, die gegen panzer obsiegt haben.
und lassen sie mich in diesem zusammenhang hier und
heute stellvertretend dem buergermeister von st. petersburg
ganz herzlich fuer seinen einsatz danken und seine
landsleute gruessen.
heute, ein jahr spaeter, liegen auch schatten ueber dem
jahrestag der vereinigung. wir feiern ohne grenzen, aber
das denken der deutschen und der wille zum tatsaechlichen
zusammenfinden scheint erneut auf grenzen zu stossen. die
menschen messen ihre hoffnungen an ihrer persoenlichen
realitaet. dabei sind die einen voller zuversicht, die anderen
zweifelnd oder auch enttaeuscht. fuer uns alle kann das nur
bedeuten, unsere anstrengungen zu verstaerken, um die
gesetzten ziele zu erreichen.
i.
vergewissern wir uns noch einmal, fragen wir: wie kam es
zum 3. oktober 1990? - heute, ein jahr spaeter und bei seiner
ersten wiederkehr.
in der nacht vom 2. zum 3. oktober 1990 ist die ehemalige
deutsche demokratische republik der bundesrepublik
deutschland beigetreten. kurz zuvor, am 23. august, hatte
die volkskammer den beitritt nach artikel 23 des
grundgesetzes erklaert. dieser beschluss konnte nur gefasst werden,
weil die beiden regierungen in einer ungewoehnlichen
anstrengung die aeusseren und inneren voraussetzungen fuer
die einheit geschaffen hatten, unterstuetzt durch unsere
europaeischen partner, die usa, allen voran praesident bush, und
nicht zu vergessen - bei aller kritik dieses jahres -, welche
wichtige leistung praesident gorbatschow fuer unsere
deutsche einheit erbracht hat. von maerz bis herbst - eine
wahrhaft kurze zeit - wurde dies ermoeglicht.
nie werde ich die dramatik der vereinigung und die enge
zusammenarbeit der beiden parlamente in diesem
entscheidenden halbjahr vergessen. fuer uns in bonn begann diese
dramatik in jener langen abendsitzung des 9. november
1989, als mitten in unsere parlamentarische arbeit die
bewegende nachricht von der oeffnung der mauer kam, die
abgeordneten spontan die nationalhymne anstimmten und
wir uns am naechsten tag nicht wie fremde, sondern wie
vertraute bei geoeffneten grenzen umarmten.
in bundestag und volkskammer wurde ein "ausschuss
deutsche einheit" ins leben gerufen, der bis zum 3.
oktober den weg in die einheit mitgestaltet hat. einen tag
spaeter, am 4. oktober 1990, hat zum ersten mal nach
57 jahren wieder ein gesamtdeutsches parlament in berlin
getagt. die vereinigung der deutschen zu einem staat waere
ohne die entscheidung der parlamente nicht moeglich
gewesen.
im einigungsvertrag vom 31. august 1990 haben wir den
3. oktober zum "tag der deutschen einheit" erklaert. er
soll uns vor allem daran erinnern, dass wir die einheit in
freiheit und im einklang mit unseren nachbarn vollzogen
haben - ein vorgang, auf den wir deutsche auch in
generationen noch stolz sein koennen. das war nur moeglich, weil
im osten unseres vaterlandes mutig, ja heldenhaft gehandelt
worden ist, friedlich, ohne waffen. die menschen im osten
unseres landes haben sich erhoben, widerstand geleistet
gegen unfreiheit und unterdrueckung, und aus eigener
kraft, unterstuetzt von allen demokraten in ost und west,
das system ueberwunden. fuer ihren mut und ihr
selbstbewusstsein haben wir ihnen auch an diesem tag zu danken.
das hat es so zuvor niemals in deutschland gegeben. und
der 3. oktober ist heute zugleich ein tag gegen das
vergessen von mut und leiden.
es gibt nicht viele glueckliche feiertage im politischen leben
der deutschen. die meisten sind der trauer und dem
gedenken gewidmet, wie der 17. juni, der an den vergeblichen
volksaufstand von 1953 erinnerte. am 3. oktober
feiern wir nun, dass unser lange geteiltes volk seine einheit
in frieden und freiheit wiedergefunden hat und gemeinsam
in einem demokratischen staat leben kann. das macht das
besondere und unverwechselbare dieses feiertages aus.
wir feiern auch, dass sich da etwas neues entwickelt, was wir
noch nicht genau bestimmen koennen - ein deutschland, das
sich veraendert, nach innen wie nach aussen, das sich
groesseren, auch neuen aufgaben stellen kann und muss. und wo
koennte dies besser gelingen als in der demokratie mit ihren
menschen achtenden und menschen ermutigenden
prinzipien und spielregeln? wo besser als in einer demokratie,
die auch in der lage ist, sich gegenueber ihren feinden zur
wehr zu setzen, gegen gewalt, gegen diskriminierung,
gegen ausgrenzung, fremdenfeindlichkeit und hass?
in diesem sinne ist der 3. oktober ein wichtiger tag und
- wie eben schon gesagt - ein tag, den wir auf foederative
weise reihum in allen bundeslaendern begehen - foederativ,
wie unser deutschland sich versteht und wie europa werden
sollte.
ii.
wir teilen heute die freude ueber das erreichte. aus
unserem getrennten volk wurde ein geeintes volk, eine nation
mit offenen grenzen, in freiheit verbunden mit unseren
nachbarn und mit dem versprechen, recht und gerechtigkeit
zu schaffen. doch das eine ist die staatliche einheit der
deutschen, das andere das tatsaechliche zusammenwachsen
unseres volkes. dieses ist noch keineswegs geleistet und
erweist sich als weitaus schwieriger.
in der oeffentlichen diskussion ist in diesen tagen viel von
der suche nach der identitaet der deutschen die rede, nach
dem, worin wir uns gemeinsam verstehen und wohin wir
gemeinsam wollen. in seinem juengsten beitrag zur
vereinigung deutschlands ("der verwandelte staat") stellt der
polnische schriftsteller andrzej szczypiorski in aller
nuechternheit fest: "nach der vereinigung ist deutschland ein
staat, in dem ein nicht geringer teil der buerger seine identitaet
verloren hat, und es bedarf einiger zeit, bis die menschen
diese identitaet zurueckgewinnen oder sie neu bilden".
gemeint ist damit, dass sich im ersten jahr nach der
vereinigung das gefuehl der zugehoerigkeit zu einem gemeinsamen
deutschland nur langsam entwickelt, dass vorurteile uns
trennen, dass trotz gemeinsamer verfassung werte wie
freiheit, pluralitaet oder gerechtigkeit hoechst unterschiedlich
erlebt werden.
dazu gehoert auch die seelenlage der menschen in den neuen
laendern. folgt man den meinungsumfragen und
persoenlichen begegnungen, so ist die unkenntnis voneinander in
ost und west das groesste hindernis beim zusammenwachsen.
es ist das mangelnde wissen und verstaendnis fuer die
schwierigen lebensbedingungen in einem autoritaeren und
repressiven staat, fuer die taeglichen anpassungsleistungen,
die fast jeder dort zu vollbringen hatte, es ist aber auch die
mangelnde bereitschaft zum zuhoeren, die sich jetzt
bemerkbar macht.
alle kannten anpassungsdruck, koerperlichen und seelischen
zwang, mit dem die sed das system zusammengehalten
hat. "du darfst nicht sein und werden, was du bist, sondern
du musst das werden, was wir von dir erwarten" - in diese
formel fasst hans-joachim maaz, leiter der psychotherapie
am krankenhaus des evangelischen diakoniewerkes in
halle, seine erfahrungen. erst die umwaelzungen waehrend
der endzeit der ddr haetten vielen wieder aufrechte
haltung, klare worte und spontane emotionen ermoeglicht und
so die innere demokratisierung angestossen. bisher haben
die meisten von den alltaeglichen sorgen her noch nicht die
aeussere moeglichkeit und die innere freiheit, sich innerlich
von ihren deformationen zu befreien, ihre vergangenheit
ohne druck aufzuarbeiten, um zu werden, was sie sein
moechten und sein koennen. erkennen wir doch die menschen
an mit ihrer herkunft, nehmen wir sie an und respektieren
wir ihre leistungen!
gestehen wir uns unterschiedliche und gegensaetzliche
lebensschicksale zu. schauen wir nicht unentwegt darauf,
ob die ostdeutschen inzwischen so sind wie die westdeutschen,
sondern lassen wir sie anders sein und anerkennen wir
sie als bereichernd. fixieren wir uns nicht laenger auf das
phantombild einer einheitlichen identitaet, die es nicht gibt
und wohl auch nicht geben kann, schon gar nicht nach vierzig
jahren so unterschiedlicher vergangenheiten. entscheiden
wir uns fuer die vielfaltss
ich denke, die herstellung der inneren einheit und einer
gemeinsamen identitaet muss vor allem darauf hinauslaufen,
innerhalb einer einheitlichen staatsverfassung und
rechtsordnung die moeglichkeit der vielfalt in unserem land
zuzulassen und zu leben.
iii.
vielen von uns faellt es noch immer schwer, die vereinigung
als veraenderung zu begreifen und anzunehmen. sie muss
aber als lern- und erneuerungsprozess fuer beide seiten
angenommen werden, wenn sie in absehbarer zeit tatsaechlich
gelingen soll. es geht um gemeinsame veraenderung, um
die ueberbrueckung des trennenden und nicht nur um
gegenseitige anpassung.
der beitritt der ddr zur bundesrepublik deutschland
aendert nichts am fortbestehen der geschichte der ddr.
sie ist teil der deutschen geschichte und deshalb muessen
wir uns alle mit ihr auseinandersetzen - im osten wie im
westen - gerade um der gemeinsamen zukunft willen.
dabei geht es um mehr, als nur vierzig jahre getrennte
geschichte. es geht um die gemeinsame aufarbeitung der
unheilvollen geschichte des nationalsozialismus wie der
guten zeiten gemeinsamer deutscher geschichte.
zu dem veraenderungsprozess, den wir jetzt miteinander zu
bestehen haben, gehoert auch die noch nicht ausgetragene
wertediskussion, die lebendige auseinandersetzung mit
unserer bewaehrten verfassung. mit der vereinigung ist ein
neues entstanden, in das sich die menschen im osten zwar
eingebracht haben, in dem sie sich aber zum teil noch nicht
wiederfinden.
wir werden nur eins, wenn wir uns miteinander veraendern.
wenn wir einander zuhoeren, statt einander nur zuzuschauen.
wenn wir einander zukunft zutrauen, statt uns persoenliches
oder kollektives versagen vorzuwerfen. wie schwierig es ist,
zu beurteilen, wo die grenze zwischen persoenlicher schuld
und zwangslaeufiger verstrickung oder anpassung in einem
jahrzehntelangen unterdrueckungssystem und unrechtsstaat
verlaeuft, sollten wir uns eingestehen. gedenken wir der
opfer und nehmen wir uns ihrer an, um ihnen gerecht zu
werden, damit nicht der eindruck vorherrscht, die alten
benachteiligten seien wiederum die neuen benachteiligtenss
und raeumen wir allen die chance zum neuanfang einss
wir koennen die uns abverlangten veraenderungen nur
bestehen, wenn wir uns bewusst sind, dass die einheit
deutschlands weit mehr als nur das materielle betrifft. wir
werden die wirtschaftlichen probleme loesen. das verlangt uns
grosse anstrengungen ab, die manche zu ueberfordern drohen.
bislang wurden wir in den alten bundeslaendern nicht
ueberfordert. wir haben mehr geschenkt bekommen und
hinzugewonnen - menschen, landschaften, kulturschaetze -, als
wir abgegeben haben. ein grosses ziel verlangt auch grossen
einsatz. wir sollten uns allen das auch zutrauen, weit ueber
die grenzen deutschlands hinaus.
keiner darf dabei verlorengehen. jeder einzelne traegt dazu
bei, integration oder ausgrenzung zu schaffen, mitarbeit
oder resignation. und das ist eine der wichtigsten
verpflichtungen fuer die politik: niemand, weder die behinderten,
die aelteren, noch die intellektuellen, die kuenstler, darf
verlorengehen oder in unserem land heimatlos werden. was
die deutschen im westen leben durften, das darf auch
im osten nicht vorenthalten werden. selbstwertgefuehl kann
nur durch gleichberechtigung, nicht durch bevormundung
wachsen.
es kommt auch auf die staerkung des selbstwertgefuehls an,
dort wo es sich erst schwach entwickelt. nur mit menschen,
die wir loben, anerkennen, denen wir ein starkes
selbstwertgefuehl vermitteln, koennen wir eine gemeinsame
zukunft bauen. die einsicht in die notwendigkeit der gemeinsamen
veraenderung wird uns noch lange ueber den 3. oktober 1990
hinaus beschaeftigen. dies deutlich zu machen, darin besteht
ein sinn dieses tages.
iv.
die einheit deutschlands ist fuer uns verpflichtung nach
innen wie nach aussen. sie ist ein teil der grossen
veraenderungen in der welt und nicht nur folge, sondern selbst
auch ursache dieser veraenderungen.
von aussen gesehen, in europa und in der welt, haben wir in
diesem einen jahr einen teil des misstrauens zerstreuen und
die nachdenkliche distanz ueberbruecken koennen, mit der
einige unserer nachbarn im moment der vereinigung auf
uns geschaut haben. weder hat sich die besorgnis nationaler
alleingaenge der deutschen bestaetigt noch die these vom
ausspielen unserer oekonomischen uebermacht zum nachteil
anderer. wir haben die deutsche einheit mit der einigung
europas verbunden, sie tut not. und wir sind bereit, kuenftig
auch groessere verantwortung in der welt zu uebernehmen.
gerade deshalb muss uns bewusst sein, dass die ausschreitungen
gegen asylsuchende und auslaender in deutschland
ausserhalb unseres landes wieder befuerchtungen wecken,
die sich aus unserer vergangenheit naehren. angesichts der
erfahrungen unter der nationalsozialistischen
gewaltherrschaft wissen wir deutschen um die fundamentale
bedeutung des asylrechts als menschenrecht. deshalb muss gerade
das wiedervereinigte deutschland dieses menschenrecht
gegen politische ausschreitungen aktiv verteidigen, und wir
alle muessen zeichen der solidaritaet mit den
zufluchtsuchenden setzen, die aus rassischen, politischen oder
religioesen gruenden verfolgt werden. auf der strasse sieht man
niemandem an, aus welchem grund er in unserem lande
lebt.
wir als die politisch verantwortlichen in diesem land haben
uns schuetzend vor die auslaendischen mitbuerger zu stellen,
und wir sagen auch, dass wir uns jeder gewalt, jeder
seelischen oder koerperlichen verletzung mit allen mitteln
widersetzen. so bedrueckend das ist, was wir zur zeit erleben -
dennoch sage ich: dieser ungeist darf und wird im vereinten
deutschland keine chance habenss wir begreifen immer
mehr, dass wir in der einen welt leben und dass wir keine
wohlstandsmauern aufrichten koennen. aber wir wissen
auch, dass wir die armutsprobleme unserer welt nicht ueber
das asylrecht loesen koennen, sondern die ursachen in den
fluchtlaendern selbst bekaempfen muessen. dies ist nicht
moeglich ohne umstellung unserer lebensweisen, ohne
persoenliche opfer.
v.
viele probleme ueberlagern also die freude ueber die
wiedervereinigung, aber dennoch ist sie in jedem von uns. die
vereinigung hat uns nicht nur aeusserlich veraendert, sie hat
auch unser inneres erreicht. unruhe ist aufgekommen,
emotionen sind in bewegung geraten, die sonst vielleicht
laenger im verborgenen haetten weiterkeimen koennen. und
da nun einmal unsere gedanken in bewegung geraten sind,
fragen wir uns auch, ob alles beim alten bleiben muss und
kann - unsere verwaltungsprinzipien, unsere gesetze - und
ob alle unsere regelungen auch auf die neuen laender
uebertragbar sind.
wir erleben einen gewaltigen umbruch, weltweite
veraenderungen, deren konsequenzen uns fesseln und zugleich
aengstigen. dazu gehoeren die offenen grenzen, die wir gewollt
haben, mit denen wir aber erst noch leben lernen muessen.
dazu gehoeren grosse und uebergrosse erwartungen an
deutschland, die wir allein nicht erfuellen koennen, fuer die
wir aber mitverantwortlich sind. wir erfahren auch, dass damit
veraenderungen verbunden sind, denen wir uns nicht
entziehen koennen.
jede kleine und erst recht grosse veraenderung ist mehr als
eine herausforderung, ist ein wagnis. probleme schrecken,
wenn man nicht weiss, wie man sie loesen soll. aber wir haben
bei aller unsicherheit das staerkste mittel in der hand -
menschenachtende demokratie. wagen wir die veraenderung!