Herzlich willkommen hier im Schloss Bellevue! Ganz besonders begrüße ich Sie, lieber Herr Professor Abe. Ich freue mich sehr, Sie heute mit dem Philipp Franz von Siebold-Preis auszuzeichnen.

Der Namensgeber dieses Preises kam zu einer Zeit nach Japan, als dort die Uhren noch ganz anders tickten als in Europa. Als einem von wenigen Europäern war es ihm vergönnt, die reiche Kultur Ihres Landes, seine Naturschönheit und die Weisheit seiner Gelehrten kennenzulernen.

Heute sind unsere Länder eng miteinander verbunden. Eine meiner ersten Reisen als Außenminister hat mich Anfang 2006 nach Japan geführt. Damals fand gerade das Deutschlandjahr in Japan statt. Ich erinnere mich noch gut an die Ausstellung über Albert Einsteins Japanreise vor 95 Jahren, die zeigte, wie tief ihn die Begegnung mit diesem Land und seinen Menschen beeindruckt hat. Er hat das etwas später in dem schönen Imperativ ausgedrückt: "Der Mensch muss einsehen, dass seine Geschicke mit denen seiner Mitmenschen in allen Teilen der Welt eng verknüpft sind."

Diesem Gedanken ist auch dieser Preis verpflichtet. Sie, lieber Herr Professor Abe, haben sich auf vielfältige Weise für die japanisch-deutsche Verständigung eingesetzt und enge Beziehungen zu Deutschland geknüpft. Das zeigt schon Ihr besonderes philosophisches Interesse, das ja einer sehr deutschen Frage gilt: der Frage nach dem Sein.

In bester Alexander von Humboldt-Tradition ist das bei Ihnen nicht nur eine theoretische, sondern eine ganz praxisbezogene Auseinandersetzung. Ein besonderes Anliegen ist Ihnen die ethische Frage nach unserer menschlichen Verantwortung gegenüber der Natur. Auch hier spiegelt sich Ihr verknüpfendes Denken wider: Japanische Auffassungen der Natur seit dem 17. Jahrhundert bringen Sie zusammen mit westlichen Denktraditionen, um sie für einen ethisch fundierten Umweltschutz fruchtbar zu machen. Und Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und setzen das gleich um in ein Bildungsprogramm – auch das ist wahrhaft "humboldtianisch" –, denn Sie haben ganz richtig erkannt: Funktionieren kann das nur, wenn junge Menschen früh lernen, wie wichtig Umweltschutz ist.

Für Ihre Verdienste um das gegenseitige bessere Verständnis der Kulturen und Gesellschaften Deutschlands und Japans erhalten Sie heute den Philipp Franz von Siebold-Preis.

Es gibt ein japanisches Sprichwort – so habe ich mir sagen lassen – das heißt: "Je schlechter der Redner, desto länger seine Rede." Diesen weisen Rat nehme ich mir zu Herzen und fasse mich deshalb ganz kurz: Lieber Herr Professor Abe, es ist mir eine große Freude, Ihnen jetzt die Urkunde zu überreichen. Ich gratuliere Ihnen dazu sehr herzlich!