offizieller besuch des bundeskanzlers in indien, singapur, indonesien, japan und korea vom 18. februar bis 3. maerz 1993

  • Bulletin 20-93
  • 10. März 1993

bundeskanzler dr. helmut kohl stattete der republik
indien vom 18. bis 22. februar 1993, der republik
singapur vom 22. bis 24. februar 1993, der republik
indonesien vom 24. bis 26. februar 1993, japan vom
26. februar bis 1.maerz 1993 und der republik korea
vom 1. bis 3. maerz 1993 einen offiziellen besuch
ab.

besuch in der republik indien

verleihung des jawaharlal-nehru-preises
fuer internationale verstaendigung

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt anlaesslich der
verleihung des jawaharlal-nehru-preises fuer internationale
verstaendigung am 19. februar 1993 in new delhi folgende
rede:

herr praesident,
herr vizepraesident,
herr premierminister,
mitglieder der jury, exzellenzen,
meine sehr verehrten damen und herren,

die verleihung des jawaharlal-nehru-preises fuer
internationale verstaendigung ist fuer mich eine grosse
ehre und auszeichnung. dafuer danke ich ihnen sehr
herzlich, und ich danke ihnen auch, herr praesident,
ganz besonders herzlich fuer die sehr persoenlichen
und freundlichen worte, die sie mir gewidmet haben.
dass sie mir den preis fuer das jahr 1990 verleihen,
ist fuer mich eine ganz besondere freude, denn am
3.oktober jenes jahres ging fuer uns deutsche ein
grosser traum in erfuellung. nach ueber vier jahrzehnten
der schmerzlichen teilung unseres landes erlangte
an diesem tag deutschland seine einheit in frieden
und in freiheit.
das jahr 1990 markiert zugleich einen wahrhaft epochalen
umbruch in europa und weltweit. es ging ein ganzer
zeitabschnitt zu ende, in dem wir deutsche ueber
vier jahrzehnte im brennpunkt des ost-west-konflikts
standen.
mit dem fall der berliner mauer, jenem traurigen
symbol der spaltung unseres volkes und unseres kontinents,
sind wir zugleich der vision nehrus ein grosses stueck
naeher gerueckt, der vision -sie sprachen davon, herr
praesident- der "einen welt".
nehru war einer der grossen staatsmaenner unseres
jahrhunderts, ein vorkaempfer des freien, unabhaengigen,
demokratischen und saekularen indien.
heute erleben wir eine zeitenwende. wir erleben
den beginn einer neuen epoche in den internationalen
beziehungen, in der internationalen politik. sie
birgt nicht nur risiken -die sollten wir sehen-,
sie birgt vor allem die grosse chance, gemeinsam
eine zukunft in dauerhaftem frieden, in gesicherter
freiheit zu bauen.
dieser gewaltige umbruch stellt uns alle vor eine
grosse herausforderung. freiheit verpflichtet. nicht weniger
als in der vergangenheit geht es auch heute um die bewahrung
der allen menschen gemeinsamen werte, des friedens,
der freiheit, der toleranz und der gerechtigkeit.
indien leistet als das bevoelkerungsreichste land
der welt und als demokratie dazu einen hervorragenden
beitrag. ihr land ist heute auf dem weg, eine grosse
industrienation zu werden. auch bei uns zu hause
in deutschland wird noch immer viel zu wenig gewuerdigt,
welche gewaltigen fortschritte sie in den letzten
jahrzehnten gemacht haben. sie haben grosse schwierigkeiten
zu ueberwinden, und um so beeindruckender sind die
leistungen, die die indische nation in diesen jahrzehnten
vollbracht hat.
wir alle wissen, meine damen und herren, dass fortschritt
und dauerhafter wohlstand nur dort moeglich sind,
wo es gelingt, den frieden im inneren und nach aussen
zu bewahren.
die indische demokratie ist ein beispiel dafuer, dass
es gelingen kann, loesungen fuer schwierige entwicklungsprobleme
sowie fuer die ueberwindung von hunger und elend zu
finden. als demokratischer rechtsstaat hat indien
die besten aussichten, ethnische und soziale spannungen
abzumildern und sie im geiste der toleranz und der
achtung der menschenrechte zu ueberwinden.
sie leisten, meine damen und herren, mit dieser
politik einen wichtigen beitrag zur verstaendigung
und zum ausgleich zwischen nord und sued. fuer uns
alle, fuer inder und fuer deutsche, ist dies, zusammen
mit dem kampf gegen armut, hunger und umweltzerstoerung,
eine entscheidende zukunftsaufgabe. in vielen teilen
der welt wird noch immer willkuerlich verhaftet,
erniedrigt, gefoltert. diesen menschen gilt unsere
ganze solidaritaet, und wir muessen uns gemeinsam
fuer sie in zukunft einsetzen.
weltweit muss das bewusstsein dafuer wachsen, dass wir
alle -alle voelker- aufeinander angewiesen sind und
dass wir alle, jeder an seinem platz, gemeinsame
verantwortung tragen, den frieden zu erhalten, stabilitaet
zu festigen, die entwicklung zu foerdern und die
natuerlichen lebensgrundlagen des menschen, die schoepfung,
wirksam zu schonen und zu schuetzen.
die gefahr weltweiter klimaveraenderungen, bodenerosion
und ueberschwemmungen ruehren am lebensnerv aller
voelker. deshalb brauchen wir heute mehr denn je
eine weltumspannende umweltpartnerschaft.
dies, meine damen und herren, ist auch die zentrale
botschaft der un-konferenz ueber umwelt und entwicklung
in rio de janeiro, fuer deren erfolg sie, herr premierminister,
und auch ich uns so sehr eingesetzt
haben. auch und gerade bei dieser konferenz ist
deutlich geworden, wie sehr nehru recht hatte mit
seiner vision von der "einen welt".
meine damen und herren, der aufbau in ostdeutschland
-oder, wie wir sagen, in den neuen bundeslaendern -
und die hilfe fuer die laender des ehemaligen ostblocks
erfordern von uns deutschen grosse anstrengungen.
gleichwohl werden wir auch in zukunft unsere partnerschaftliche
entwicklungspolitik fortsetzen.
indien wird dabei auch kuenftig ein wichtiger partner
bleiben. das stahlwerk rourkela und die technische
hochschule madras sind beispiele einer solchen erfolgreichen
zusammenarbeit, die zurueckgeht auf die gemeinsamkeit
der arbeit von nehru und adenauer.
staatliche hilfe allein - und dies wissen wir -ist
nicht ausreichend. ich will deshalb hier ausdruecklich
auch auf das grosse engagement nicht-staatlicher
organisationen hinweisen und diese arbeit wuerdigen.
so habe ich mich auch entschlossen, den mit dem
nehru-preis verbundenen geldbetrag fuer ein projekt
der nicht-staatlichen deutsch-indischen zusammenarbeit
zu stiften: der vom deutschen komitee "aerzte fuer
die dritte welt" und seinem indischen partner "howrah
south point" gemeinsam getragenen krankenstation
in howrah/kalkutta.
ich will mit diesem schritt und dieser entscheidung
zugleich meine grosse anerkennung fuer die arbeit
der vielen nicht-staatlichen organisationen ausdruecken,
deren mitarbeiter hier taetig sind. wie unsere gesamte
hilfe, so will auch dieser betrag beitrag zur selbsthilfe
sein.
meine damen und herren, erlauben sie mir noch einige
worte zur lage in unserem land, in deutschland.
im oestlichen teil deutschlands, dem gebiet der frueheren
ddr, geht es heute darum, die verheerende hinterlassenschaft
des kommunistischen systems zu ueberwinden.
wir stehen hier mitten in einer aufgabe, fuer die
es in unserer geschichte kein beispiel gibt. wir
haben in den nunmehr zweieinhalb jahren seit der
wiedervereinigung eine schwierige wegstrecke zurueckgelegt
- es gibt ermutigende fortschritte. aber es gab
auch rueckschlaege und enttaeuschungen. dennoch sind
wir froh ueber die verwirklichung dieses traums der
deutschen einheit, und wir blicken mit zuversicht
in die zukunft.
ich bin sicher: in wenigen jahren wird auch der
oestliche teil deutschlands zu den modernsten industriestandorten
europas gehoeren. ich freue mich, dass sich auch indische
firmen durch investitionen an diesem aufbauwerk
mitbeteiligen.
ich kann all denen nur gratulieren, die jetzt investieren,
denn die entwicklung der naechsten jahre wird ihnen
fuer diesen mutigen, vorausschauenden schritt recht
geben.
schwieriger noch als alle wirtschaftlichen probleme,
meine damen und herren, ist aber die bewaeltigung
der hinterlassenschaft der kommunistischen diktatur
im psychologischen, im zwischenmenschlichen bereich.
diese zeit hat auch in den herzen und in den seelen
der menschen wunden geschlagen.
ueber vier jahrzehnte hinweg haben die deutschen
in ost und west ihr leben unter ganz unterschiedlichen
bedingungen gestaltet. sich zusammenzufinden, die
menschen zusammenzufuehren, ist eine der grossen aufgaben,
die sich jetzt in unserer generation stellt. es
ist eine deutsche aufgabe, aber sie hat auch eine
europaeische dimension.
meine damen und herren, unsere politik beruht auf
der ueberzeugung, dass die deutsche einheit und die
europaeische einheit zwei seiten der gleichen medaille sind.
es ist die vision eines freien und geeinten deutschlands
in einem freien und vereinten europa. fuer uns deutsche
in der mitte des europaeischen kontinents ist das
die schicksalsfrage.
die geschichte der europaeischen integration nach
den schrecklichen erfahrungen des zweiten weltkriegs
ist eine erfolgsgeschichte mit einer bedeutung, die
weit ueber europa hinauswirkt. sie zeigt, welche chancen
sich den voelkern eroeffnen, wenn sie sich vom festen willen
zur zusammenarbeit, vom willen zum ausgleich und
zur versoehnung leiten lassen.
gemeinsam ueberwanden deutsche und franzosen eine
jahrhundertelang waehrende feindschaft, die viele
schon als "erbfeindschaft" verstanden. deutsche
und franzosen, so darf ich sagen, haben damit auch
fuer andere regionen der welt ein beispiel gegeben,
wie man einen schlussstrich ziehen kann unter eine
unheilvolle vergangenheit und fuer eine gemeinsame
zukunft in freiheit, frieden und wohlstand.
eine der grossen zukunftsaufgaben, an denen wir,
die deutschen, uns beteiligen wollen, ist die schaffung
einer dauerhaften, einer gerechten friedensordnung
fuer ganz europa. beim bau dieser ordnung stuetzen
wir uns auf bewaehrte institutionen. der politische
umbruch hat die konfrontation zwischen ost und west
beendet.
damit eroeffnen sich auch fuer die vereinten nationen
neue chancen und handlungsmoeglichkeiten, die wir
gemeinsam nutzen muessen. wir verstehen, dass sich
nach dem zusammenbruch des kommunismus die voelker
wieder auf ihre nationalen, ethnischen, ihre religioesen
traditionen besinnen. aber unser ziel muss doch sein,
diese entwicklung friedlich zu gestalten und sie
fuer immer mit der idee der freiheit, der demokratie,
der menschen- und minderheitenrechte zu verbinden.
das ende der ost-west-konfrontation schenkt uns
die chance, gemeinsam auch in vielen anderen bereichen
fortschritte zu erzielen. wir muessen - und sie haben
es mit anderen worten gesagt, herr praesident - frieden
schaffen mit weniger waffen. voraussetzung fuer eine
umfassende abruestung - das zeigt ja der umbruch
in europa - ist der abbau politischer spannungsursachen.
vertrauensbildende massnahmen sind dazu ein erster
schritt. ich hoffe sehr, dass dies auch in ihrer
region und hier in indien, in ihrer nachbarschaft,
herr praesident, gelingen moege. ich begruesse es sehr,
dass sie auch in diesem sinne mit all ihren nachbarn
gespraeche aufgenommen haben.
umfassende abruestung setzt kraefte frei, die wir
doch gemeinsam dringend benoetigen, um wirtschaftlichen
und sozialen fortschritt zu erzielen.
herr praesident, meine damen und herren, besonders
weit in die geschichte zurueck reichen die beziehungen
zwischen unseren beiden voelkern im bereich der kultur.
das studium indischer religion, philosophie und
geisteswissenschaften hat deutschen gelehrten einen
tiefen einblick in das wesen indiens gegeben, hat
auch unser land und sein intellektuelles leben sehr
bereichert.
dies hat auch nehru, der mit deutschland durch mehrere
aufenthalte gut vertraut war, besonders zu schaetzen
gewusst. er schrieb: "man kann ohne uebertreibung
sagen, dass kein land mehr anstrengungen unternommen
hat, die alte weisheit indiens zu entdecken und
zu erforschen, als deutschland. die werke deutscher
gelehrter halfen uns, uns selbst wiederzuentdecken."
ich habe heute mit grosser bewegung feststellen duerfen
- im gespraech mit ihnen, herr praesident, und mit
ihnen, herr vizepraesident -, wie sehr wir aus vielen,
weit in die vergangenheit zurueckreichenden erfahrungen
im zusammensein der kulturellen beziehungen unserer
voelker auch in unserer zeit lernen und die zukunft
gestalten koennen.
in den worten nehrus kommt klar zum ausdruck, was
fruchtbare kulturelle beziehungen zwischen unseren
laendern leisten koennen. sie erschliessen die vielfalt
und den ganzen reichtum von geschichte und tradition.
sie sind ein quell fuer neue kuenstlerische und wissenschaftliche
leistungen, und daran wollen wir arbeiten, denn
sie legen den grund fuer gegenseitige, dauerhafte
sympathie und verstehen. sie dienen mit einem wort
dem frieden, und wir wollen sie auch in zukunft
nach kraeften foerdern. wir wollen so unseren gemeinsamen
beitrag dazu leisten, die "eine welt" zu gestalten,
in deren mittelpunkt der mensch mit seiner wuerde
und seinen unveraeusserlichen rechten steht, eine
welt - und das ist mehr als ein traum -, in der
mehr freiheit herrscht, der frieden sicherer ist
und die uns anvertraute schoepfung fuer unsere kinder
und kindeskinder erhalten wird.

empfang in new delhi

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt bei dem vom
premierminister der republik indien, narasimha rao,
gegebenen abendessen in new delhi am 19. februar
1993 folgende ansprache:

sehr geehrter premierminister,
meine damen und herren,
fuer die grosse gastfreundschaft, die mir und meiner
delegation in ihrem lande zuteil wird, danke ich
ihnen, herr premierminister, von herzen.
ich freue mich, indien in diesen tagen meinen dritten
besuch im laufe von neun jahren abzustatten - meinen
ersten als bundeskanzler des vereinigten deutschland.
damit setze ich zugleich den engen persoenlichen
dialog fort, den wir, herr premierminister, bei
ihrem bonn-besuch vor anderthalb jahren vereinbart
haben. das hohe mass an gegenseitigem vertrauen,
das uns verbindet, hat sich auch in den heutigen
gespraechen wieder gezeigt.
es ist fuer mich eine besondere ehre, dass indien
die vereinigung deutschlands und deutschlands rolle
bei der schaffung eines neuen europa mit seiner
hoechsten internationalen auszeichnung wuerdigt, dem
jawaharlal-nehru-preis fuer internationale verstaendigung.

ich habe diese auszeichnung heute stellvertretend
fuer mein land von praesident dr. sharma entgegengenommen.
ich sehe darin auch einen ausdruck der engen
deutsch-indischen freundschaft.
diese freundschaft wurzelt nicht zuletzt in einer
geistigen und kulturellen verbundenheit, die jahrhunderte
diese verbundenheit fand auch in den "indischen
festspielen", die sie, herr premierminister, mit mir
gemeinsam vor anderthalb jahren in deutschland eroeffnet
haben, ihren niederschlag. diese festspiele haben indien
bei uns viele freunde gewonnen. unsere absicht bleibt
es, auch in indien bald ein festival von gleichem
rang durchzufuehren.
mit der vereinigung deutschlands und dem ende der
ost-west-konfrontation treten auch die deutsch-indischen
beziehungen in eine neue geschichtliche phase.
indien ist fuer uns ein partner von grossem politischen
gewicht in einer fuer den weltfrieden entscheidenden
region. mit ihrem land verbinden uns demokratische
ueberzeugungen und gemeinsame aussenpolitische ziele.
indien verfuegt ueber erprobte institutionen, die
das zusammenleben vieler voelker und traditionen auf der
grundlage von toleranz und gegenseitiger achtung sichern.
wir wuenschen ihnen, dass es gelingt, diese ideale
des saekulaeren indien erfolgreich gegen diejenigen
zu verteidigen, die versuchen, diesen weg zu verlassen.
herr premierminister, deutschland und indien wollen
in den wichtigen weltpolitischen fragen, vor allem
in den ueberlebensfragen der menschheit, wo immer
moeglich, zu gemeinsamer sprache und zu gemeinsamem handeln
finden.
deutschland bleibt fest entschlossen, seiner verantwortung
im rahmen einer weltweiten partnerschaft gerecht
zu werden -, ungeachtet der grossen anstrengungen,
die der aufbau in unseren neuen bundeslaendern, aber
auch unser beitrag zur stabilisierung osteuropas,
erfordern.
der weltwirtschaftsgipfel anfang juli 1992 in muenchen
hat unter meinem vorsitz den gemeinsamen willen
der teilnehmer bekraeftigt, unsere maerkte weiter
zu oeffnen. wir setzen hierbei vor allem auf den
baldigen erfolgreichen abschluss der gatt-verhandlungen.
ich selbst habe auf dem umweltgipfel in rio de janeiro
nachdruecklich eine neue nord-sued-partnerschaft fuer
umwelt und entwicklung gefordert. gemeinsam sind
wir dazu aufgerufen, natuerliche ressourcen zu schonen
und umweltgerechte techniken zu entwickeln.
die natur ist uns als kostbares gut anvertraut.
wir tragen die verantwortung, die schoepfung fuer
kuenftige generationen zu bewahren.
wenn ich dies in einem land wie indien sage, in
dessen philosophie und religion die schoepfung eine
so wesentliche rolle spielt, weiss ich, dass ich auf
grosses verstaendnis stosse.
herr premierminister, die ueberwindung der ost-west-konfrontation
hat auch die chancen fuer weltweite abruestung und
ruestungskontrolle verbessert.
sie gilt es jetzt beherzt wahrzunehmen, zumal die
gefahr einer weiteren ausbreitung von massenvernichtungswaffen
nicht von der hand zu weisen ist.
die bundesregierung hat bereits seit jahrzehnten
auf atomare, biologische und chemische waffen verzichtet.
ich begruesse daher, dass indien mit uns zusammen zu
den erstzeichnern der konvention ueber das verbot
chemischer waffen gehoert.
wir wissen uns mit ihnen einig im ziel, auch die
nuklearwaffen drastisch zu vermindern und ihre verbreitung
zu verhindern. wir hoffen daher, dass es auch indien
moeglich sein wird, sich bald dem nichtverbreitungsvertrag
und dem dazugehoerigen kontrollregime anzuschliessen.
dies wuerde auch der deutsch-indischen wirtschafts-
und technologiekooperation zugute kommen. wir sind
bereit, mit ihnen einen umfassenden dialog ueber
fragen der nichtverbreitung zu fuehren.
meine damen und herren, im vertrag von maastricht
haben die mitgliedstaaten der europaeischen gemeinschaft
sich auf die schaffung einer wirtschafts- und waehrungsunion
sowie einer politischen union verstaendigt.
der damit verbundene uebergang zu einer gemeinsamen
aussen- und sicherheitspolitik wird dazu fuehren,
dass europa zunehmend mit einer stimme spricht. mit
dem fuer mitte der neunziger jahre vorgesehenen beitritt
weiterer laender wird die kuenftige europaeische union
zusaetzlich an gewicht gewinnen.
ich bin ueberzeugt, dass auch unsere partner in der
welt diesen weg begruessen, zumal ein zerrissenes
europa in der vergangenheit stets auch ein faktor
der instabilitaet war.
wie schwierig es noch ist, das ganze europa zusammenzufuehren,
zeigt sich an der tragoedie, die sich zur zeit
vor unseren augen im ehemaligen jugoslawien abspielt,
wo nationalismus und gewaltpolitik eine unheilvolle
allianz eingegangen sind.
wir treten zusammen mit unseren partnern in der
europaeischen gemeinschaft nachdruecklich fuer eine
beendigung des blutvergiessens und eine politische
loesung des konflikts ein.
auch auf grund unserer eigenen positiven erfahrungen
mit der europaeischen gemeinschaft unterstuetzen wir
die immer engere regionale zusammenarbeit in suedasien
im rahmen der regionalorganisation saarc. wir moechten
sie ausdruecklich auf diesem weg ermutigen. in der
welt von heute ist regionale zusammenarbeit ein
wichtiger stabilitaetsfaktor.
wir wuerden es deshalb auch begruessen, wenn indien
und pakistan den begonnenen prozess der vertrauensbildung
konsequent fortsetzen und weiter aufeinander zugehen.
meine damen und herren, indiens innenpolitische
stabilitaet ist von besonderer bedeutung fuer frieden
und sicherheit in ganz suedasien, ja fuer den weltfrieden.

fuer indiens nachbarn ist sie lebenswichtig. deshalb finden
ihre ganz persoenlichen bemuehungen, herr premierminister,
aufgebrochene gegensaetze friedlich zu ueberwinden,
meine volle unterstuetzung.
sie, herr premierminister, haben mit ihrer marktwirtschaftlichen
reformpolitik die rahmenbedingungen fuer indiens
entwicklung und fuer die deutsch-indische partnerschaft
nachhaltig verbessert.
die bundesregierung ermutigt sie zu einer beherzten
fortsetzung dieser politik. sie wird indien dabei
zur seite stehen.
unsere wirtschaftsbeziehungen haben in den letzten
jahren einen grossen aufschwung genommen. deutschland
ist einer der groessten handelspartner indiens.
die deutsche wirtschaft ist zugleich mit einer grossen
zahl von joint ventures in indien vertreten. ich
bin zuversichtlich, dass die jetzt eingeleitete reformpolitik
die chancen fuer deutsche investoren weiter verbessert.
das interesse der deutschen wirtschaft an indien
wird durch deren starke beteiligung an der gleichzeitig
mit meinem besuch stattfindenden industriemesse
in new delhi unterstrichen.
meine regierung wird indien - wie schon in der vergangenheit
- bei seinen bemuehungen um eine weitere intensivierung
der beziehungen zur europaeischen gemeinschaft unterstuetzen.
wir begruessen, dass indien in kuerze mit der europaeischen
gemeinschaft ein kooperations-abkommen der neuen
generation schliessen wird.
herr premierminister, bei ihrem besuch 1991 in bonn
haben wir die "deutsch-indische beratungsgruppe"
ins leben gerufen, die inzwischen ihre arbeit aufgenommen
hat.
ich bin ueberzeugt, dass diese neue einrichtung, in
der engagierte persoenlichkeiten aus der politik,
der wirtschaft, der wissenschaft und aus den medien
mitarbeiten, dazu beitragen wird, das verstaendnis
unserer laender und voelker fuereinander zu vertiefen.
wie ich ihnen schon heute morgen sagte, ist es mein
wunsch, mit diesem besuch den beziehungen zwischen
unseren beiden laendern einen neuen starken impuls
zu geben. dabei werde ich mich persoenlich dafuer einsetzen,
dass wir insbesondere im bereich der wirtschaftlichen
und technologischen zusammenarbeit schon bald zu
greifbaren ergebnissen kommen.
herr premierminister, wie ich in unserem heutigen
gespraech schon betont habe, darf es nicht dahin kommen,
dass der gluecklicherweise ueberwundene ost-west-konflikt
von einem wachsenden interessengegensatz zwischen
nord und sued abgeloest wird.
in der geschichte gibt es oft lange zeitabschnitte,
in denen unter der decke scheinbarer stabilitaet
neue, ja revolutionaere
entwicklungen heranreifen. dem folgen kurze zeitabschnitte,
in denen entscheidungen fallen - durch kluge, gestaltende
politik oder, wenn diese versagt, durch unkontrollierte
kraefte.
wir stehen vor entscheidungen, deren folgen weit
in das 21.jahrhundert hineinreichen. nach dem zusammenbruch
des kommunismus haben freiheit und demokratie weltweit
eine neue chance erhalten. sie gilt es jetzt zu
nutzen, denn die geschichte vergibt ihre chancen
nicht zweimal.
unsere beiden laender sind aufgerufen, gemeinsam
an der welt von morgen zu bauen, damit auch kuenftige
generationen in frieden, freiheit und sozialer gerechtigkeit
leben koennen.
in diesem sinne moechte ich mein glas erheben und
anstossen auf ihr wohl, herr premierminister, sowie
auf eine glueckliche zukunft des indischen volkes und auf
die freundschaft zwischen unseren beiden voelkern.


Beitrag teilen