offizieller besuch des bundeskanzlers in indien, singapur, indonesien, japan und korea vom 18. februar bis 3. maerz 1993

  • Bulletin 20-93
  • 10. März 1993

bundeskanzler dr. helmut kohl stattete der republik
indien vom 18. bis 22. februar 1993, der republik
singapur vom 22. bis 24. februar 1993, der republik
indonesien vom 24. bis 26. februar 1993, japan vom
26. februar bis 1.maerz 1993 und der republik korea
vom 1. bis 3. maerz 1993 einen offiziellen besuch
ab.

besuch in der republik indonesien

erklaerung vor der presse in jakarta

bundeskanzler dr. helmut kohl gab auf einer pressekonferenz
in jakarta am 25. februar 1993 folgende einleitende
erklaerung ab:

meine sehr verehrten damen und herren,

ich will sehr gerne die gelegenheit wahrnehmen,
mich sehr herzlich zu bedanken fuer die freundliche
aufnahme, die meine delegation und ich in indonesien
gefunden haben.
ich hatte gestern und heute die gelegenheit, mit
regierungsmitgliedern, aber vor allem mit dem praesidenten
ausfuehrlich ueber alle anstehenden fragen zu sprechen.
die gespraeche fanden in einer ausgesprochen freundschaftlichen
atmosphaere statt.
ich habe eben noch einmal gelegenheit gehabt, in
eineinhalb stunden mit den mitgliedern der indonesisch-deutschen
handelskammer zusammenzutreffen und die fragen zu
diskutieren, die in diesem kreis besonders wichtig
sind.
dies ist mein dritter besuch in meiner amtszeit
als bundeskanzler und mein erster besuch nach der
wiedervereinigung deutschlands. zwischen deutschland
und indonesien haben sich im letzten jahrzehnt ganz
besonders freundschaftliche beziehungen entwickelt.
dazu haben ganz wesentlich indonesische persoenlichkeiten
beigetragen, die bei uns in deutschland ihre ausbildung
erfahren haben.

wenn man daran denkt, dass gegenwaertig 10000 indonesische
studenten und praktikanten in deutschland sind,
ist das, glaube ich, eine sehr gute zukunftsinvestition
- und das war ja auch in der vergangenheit so.
hauptziel meines besuches in indonesien ist vor
allem eine deutliche bekraeftigung unseres willens,
des deutschen willens zur praesenz in indonesien
und auch darueber hinaus in dieser region asiens.
ich weiss, dass in vielen teilen der welt, auch sicherlich
hier bei ihnen, gelegentlich die meinung anzutreffen
ist: die deutschen haben jetzt die deutsche einheit
erreicht, sie sind motor der europaeischen integration.
die deutschen kuemmern sich auch um die reformbewegungen
in mittel-, ost- und suedosteuropa, vor allem in
den nachfolgestaaten der sowjetunion, aber darueber
hinaus haben sie ihr interesse an anderen teilen
der welt, etwa an asien, verloren. diese meinung
ist falsch.
die deutsche einheit ist uns geschenkt worden mit
unterstuetzung aller unserer nachbarn, freunde und
partner, und sie gibt uns eine besondere verantwortung
auch im internationalen mittun und in der hilfe
fuer andere.
das heisst ganz konkret: wir wollen hier in indonesien
wie bisher, aber in zukunft in einem verstaerkten
masse, wirtschaftliche und kulturelle beziehungen
pflegen und intensivieren.
das gilt fuer einen verstaerkten ausbau von investitionen,
wobei ich hoffe, dass es gelingt, mehr mittelstaendische
firmen aus deutschland auch zu joint-ventures hierherzubringen,
und dass es umgekehrt gelingt, indonesische investoren
dazu zu bewegen, in der bundesrepublik, vor allem
in dem gebiet der frueheren ddr, in den neuen bundeslaendern,
investitionen zu taetigen. dabei ist deutschland
selbstverstaendlich auch bereit, spitzentechnologie
hierherzubringen.
unser handelsaustausch hat sich in den letzten jahren
vervierfacht. wichtige deutsche unternehmen sind
hier an bedeutenden industriellen grossprojekten
beteiligt und werden sich weiter beteiligen - das
ist auch ein gespraechsergebnis dieser tage. ich
will ganz einfach sagen: unser interesse ist jetzt,
den beziehungen zwischen indonesien und deutschland
in einer naechsten stufe eine neue qualitaet zu geben.
bei meinen gespraechen mit praesident sohaerto konnten
wir viel uebereinstimmung feststellen. unsere zusammenarbeit
im bereich der entwicklungshilfe trifft hier auf
besonders guenstige bedingungen. die seinerzeit zwischen
professor hobibie und mir gestartete initiative
fuer einen erweiterten wissenschaftsaustausch hat
gute fruechte getragen.
wir haben ja im letzten jahr, als praesident soeharto
und ich uns in rio auf der un-konferenz fuer umweltschutz
getroffen haben, verabredet, auch in diesem wichtigen
bereich unsere zusammenarbeit zu intensivieren.
in diesem sinne ist auch das umweltabkommen zu verstehen,
das heute hier gezeichnet wurde.
grosses interesse fand hier natuerlich in unseren gespraechen
die entwicklung in europa, insbesondere der europaeische
einigungsprozess.
sie wissen, dass vor wenigen tagen, am 1. januar,
der grosse binnenmarkt der eg in kraft getreten ist
- ein raum ohne grenzen mit 340 millionen einwohnern.
sie wissen auch - und das ist natuerlich auch fuer
die ganze welt von interesse -, dass die zwoelf der
eg die maastricht-vertraege abgeschlossen haben,
mit dem ziel, noch in diesem jahrzehnt die politische
union und die wirtschafts- und waehrungsunion zu
vollenden.
ich gehe davon aus, dass trotz aller schwierigkeiten
schon in wenigen jahren, 1995, oesterreich, finnland,
schweden und norwegen der gemeinschaft beitreten
werden. diese europaeische union wird dann mit 360
millionen wirtschaftlich der staerkste raum der welt
sein.
wir sind sehr daran interessiert, dass zwischen diesem
europa, das sich jetzt zusammenschliesst, und der
asean-region engste kooperation besteht. ich moechte
bei der gelegenheit noch die botschaft ueberbringen,
dass die befuerchtungen unbegruendet sind, dass die
europaeer sich abschotten werden. wir wollen keine
festung europa, wir wollen den handel nicht ausschliessen.
wir brauchen
den freien welthandel und treten deswegen nachdruecklich
fuer einen baldigen positiven abschluss der gatt-runde
ein.
abschliessend moechte ich zusammenfassen, indem ich
sage: ich bin sehr zufrieden mit dem ergebnis meines
besuches hier. es war ein besuch unter freunden,
getragen von der erkenntnis, dass wir in diesem letzten
jahrzehnt vieles miteinander positiv bewegen konnten,
aber dass noch viel zu tun bleibt. das wollen wir
jetzt in angriff nehmen.

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