offizieller besuch des bundeskanzlers in china und nepal vom 12. bis 21. juli 1987

  • Bulletin 76-87
  • 25. Juli 1987

bundeskanzler dr. helmut kohl stattete der volksrepublik
china vom 12. bis 19. juli 1987 und dem koenigreich nepal vom
19. bis 21. juli 1987 einen offiziellen besuch ab.

besuch in der volksrepublik china

empfang auf dem schulschiff "deutschland" in shanghai

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt bei einem empfang auf
dem schulschiff "deutschland" in shanghai am 12. juli 1987
folgende ansprache:

herr buergermeister,
herr admiral,
meine damen und herren, soldaten!

es ist mir eine grosse freude, den vorabend meines zweiten
offiziellen china-besuchs aus einem besonderen anlass in shanghai
verbringen zu koennen.
der besuch des schulschiffes unserer bundesmarine in shanghai
zeigt, wie gut sich die deutsch-chinesischen beziehungen in allen
bereichen entwickelt haben. der besuch unterstreicht die
bedeutung, die wir solchen freundschaftlichen kontakten beimessen.
sie foerdern das gegenseitige verstaendnis und sind von der
gemeinsamen ueberzeugung gepraegt, dem frieden zu dienen.
wir freuen uns, dass dieser erste schiffsbesuch in unserer marine
seit gruendung der volksrepublik china in shanghai stattfindet.
shanghai ist nicht nur chinas fuehrende hafen-, wirtschafts- und
industriestadt. shanghai gilt vielmehr zu recht als schrittmacher
der entwicklung des handels und der wirtschaftlichen
zusammenarbeit mit dem ausland.
zwischen shanghai und deutschland bestehen traditionell enge
verbindungen, die in den letzten jahren erheblich ausgeweitet
werden konnten:
die staedtepartnerschaft zwischen shanghai und hamburg ist
ausdruck der guten deutsch-chinesischen beziehungen. der
austausch in der schiffahrts- und hafenwirtschaft, der mit der
gruendung des ostasiatischen vereins vor nun fast 100 jahren
begann, hat einen hohen stand erreicht. die zusammenarbeit auf
wirtschaftlichem gebiet wird zuegig ausgebaut. hierzu gehoeren
eine ganze
reihe von kooperationsabkommen zwischen deutschen und
shanghaier unternehmen.
produkte aus dem walzwerk baoshan haben inzwischen in
china einen guten namen. die hier in shanghai hergestellten
vw-santana sind auf allen strassen chinas zu hause.
auch die deutsch-chinesische zusammenarbeit im bereich von
wissenschaft und kultur hat in shanghai tradition. fuer diese
zusammenarbeit steht in shanghai der name der tongji-universitaet.
sie hat sich seit ihrer gruendung als nachfolgerin der
ehemaligen deutsch-chinesischen medizinischen hochschule besonders
um die vermittlung der deutschen sprache und kultur bemueht.
heute gilt die zusammenarbeit zwischen der tongji-universitaet und
verschiedenen deutschen hochschulen als mustergueltig. die
vermittlung von kenntnissen der deutschen sprache und kultur bildet
ein wesentliches element bei entwicklung und ausbau unserer
gesamtbeziehungen.
ich hoffe, dass die zusammenarbeit gerade mit der stadt shanghai
weiter zunehmen wird und sich in zukunft zusaetzliche chancen der
kooperation und des austausches ergeben werden.
grosse bedeutung zu. unsere marine-soldaten sind von der stadt,
der chinesischen marine und der bevoelkerung besonders herzlich
aufgenommen worden. sie erleben ein aufstrebendes und
entwicklungsfreudiges china. ich bin ueberzeugt, dass auch damit
ein beitrag fuer die festigung der deutsch-chinesischen
beziehungen geleistet wird.
ausdruck der weltoffenen art und der weltweiten verbindungen
shanghais ist die staendige anwesenheit von repraesentanten aus
aller welt. auch sie, meine deutschen landsleute, die sie hier die
wirtschaftlichen und kulturellen interessen unseres landes
wahrnehmen, leisten einen wesentlichen beitrag bei der entwicklung
der beziehungen. sie tragen dazu bei, die vorstellungen der
shanghaier von deutschland zu praegen.
meine anerkennung und mein dank gelten auch dem interesse und
dem engagement der shanghaier gastgeber bei der betreuung
unserer marine-soldaten.
nicht zuletzt moechte ich die leistung des kommandanten der
"deutschland" und der ganzen besatzung wuerdigen. sie, die soldaten
unserer marine, werben mit ihrem auftreten erfolgreich fuer unser
land. ich freue mich, wieder an bord des schulschiffes "deutschland"
sein zu koennen - und dies weit weg von der heimat, in einem
so fernen und uns allen heute doch so nahen land wie china. ich
wuensche dem schulschiff und seiner besatzung allzeit gute fahrt.
herr buergermeister, herr admiral, ich bedanke mich bei stadt und
marine-kommando shanghai fuer die gastfreundschaft und die
herzliche aufnahme, die wir alle in shanghai erfahren haben.
ich wuensche der stadt shanghai viel erfolg bei der verwirklichung
ihrer ehrgeizigen ziele und bei der erfuellung der aufgabe, einen
fuehrenden beitrag zur modernisierung chinas zu leisten.

begruessungsbankett in peking

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt bei einem
begruessungsbankett, gegeben vom ministerpraesidenten der
volksrepublik china, zhao ziyang, am 13. juli 1987 in der
grossen halle des volkes in peking folgende ansprache:

herr ministerpraesident, exzellenzen,
meine sehr verehrten damen und herren!
herr ministerpraesident, mein erster offizieller besuch in ihrem
lande liegt erst drei jahre zurueck. ihren besuch bei uns in der
bundesrepublik deutschland haben wir alle noch in bester erinnerung.
heute bin ich wieder ihr gast in der grossen halle des volkes.
wir haben heute gute gespraeche gehabt. wir werden sie heute
abend und vor allem morgen fortsetzen koennen.
vor dieser erfahrung, vor diesem hintergrund danke ich ihnen
- auch im namen meiner frau und meiner begleitung - sehr sehr
herzlich fuer ihre einladung und vor allem fuer ihre so freundlichen
worte der begruessung.
die dichte folge gegenseitiger besuche spiegelt die
aussergewoehnliche entfaltung der deutsch-chinesischen beziehungen
in den letzten jahren wider.
diese stete annaeherung, herr ministerpraesident, ist ganz wesentlich
ein ergebnis der konsequenten oeffnungspolitik zur welt und der
wichtigen rolle, die sie auch persoenlich bei der stabilisierung der
region und der sicherung des weltpolitischen gleichgewichts
uebernommen haben. wir in der bundesrepublik begleiten diese politik
mit sympathie und mit der bereitschaft, das fuer uns moegliche zu tun,
um sie dabei zu unterstuetzen.
die volksrepublik china hat im laufe der letzten zehn jahre auf
sehr eindrucksvolle weise den willen und die faehigkeit bewiesen,
politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche aufgaben zu
loesen. zugleich hat ihre regierung aber auch die richtigen
weichenstellungen fuer die zukunft vorgenommen.
china hat dabei immer wieder mit einem jugendlich anmutenden
elan gegen rueckschrittlichkeit und gegen blosses beharren front
gemacht. mit dem jahrhundertwerk seiner reform- und
oeffnungspolitik hat es sich erfolgreich der ungeheuren
herausforderung gestellt, ein viertel der weltbevoelkerung einer
selbstgestalteten,besseren zukunft entgegenzufuehren.
neben ihrem reformwerk, herr ministerpraesident, gilt unser
besonderes interesse ihrer politik zur wiederherstellung der
einheit ihres
landes durch friedliche verhandlungen. nach regelung der
wiedereingliederung hongkongs in den chinesischen staatsverband
haben sie nun auch die gespraeche mit portugal ueber die zukunft
macssaos zu einem gluecklichen abschluss bringen koennen. diese
entwicklung gibt eine gute perspektive fuer eine friedliche loesung
der uebrigen noch offenen probleme, die china von der geschichte
uebernommen hat.
auch wir, die deutschen, wollen die offene frage der teilung
unseres landes auf friedlichem wege im rahmen einer
wuerdigen, dass die volksrepublik china immer wieder die einheit des
deutschen volkes als historisch unvermeidbar bezeichnet hat.
herr ministerpraesident, im november dieses jahres koennen wir auf
ein fuenfzehnjaehriges bestehen der diplomatischen beziehungen
unserer laender zurueckblicken. die rueckschau auf die entwicklung
berechtigt von zufriedenheit zu sprechen, verpflichtet uns aber auch
gemeinsam fuer die zukunft.
unsere politischen kontakte auf hoechstem niveau haben wir stets
weiter verdichtet und eine ganz aussergewoehnliche basis des
vertrauens und der zusammenarbeit geschaffen. in unsere zahlreichen
konsultationen haben wir in diesem jahr auch erstmals die
abruestungs- und ruestungskontrollfragen einbezogen.
die zusammenarbeit auf zentraler politischer ebene findet ihre
ergaenzung in kontakten und kooperationen zwischen
landesregierungen in der bundesrepublik deutschland und provinzen und
staedten, universitaeten und instituten und gesellschaftlichen
gruppen in ihrem land. wir sehen diese initiative mit grosser
befriedigung: die direkten kontakte zwischen unseren laendern auf
moeglichst vielen ebenen foerdern die gesamtbeziehungen.
der deutsch-chinesische handel hat einen bisher unbekannten
umfang erreicht: seit 1985 ist die volksrepublik china zweitgroesster
handelspartner der bundesrepublik deutschland in asien und die
bundesrepublik deutschland groesster handelspartner chinas in
europa. wir wissen, dass sie dieses rekordvolumen wegen des
grossen handelsdefizits nicht ohne sorge sehen. sie kennen aber
auch unsere bemuehungen, beim abbau dieses defizits durch
konkrete massnahmen mitzuwirken.
die deutsche wirtschaft engagiert sich weiterhin auch direkt bei der
modernisierung der chinesischen wirtschaft. sie ist - auf der
grundlage gegenseitigen nutzens - zu weitreichendem transfer von
technologie bereit.
der ausbau der partnerschaftlichen wirtschaftskooperation zeigt
sich in der wachsenden zahl deutsch-chinesischer gemischter
gesellschaften und den vielen kooperationsvereinbarungen.
zu dem von china gewuenschten technologietransfer leistet auch
der umfangreiche praktikanten-, studenten- und
wissenschaftleraustausch zwischen unseren beiden laendern einen ganz
wesentlichen beitrag. das anlaesslich meines letzten besuchs hier in
gang gesetzte stipendienprogramm der deutschen wirtschaft hat eine
gute und erfolgreiche anlaufphase hinter sich. es wird als ein
besonderer beitrag der deutschen wirtschaft zur zusammenarbeit
mit ihrem land fortgesetzt.
in diesem zusammenhang beobachte ich mit besonderer
befriedigung unsere zusammenarbeit in wissenschaft und technologie.
sie ist inzwischen auf weiten strecken selbstaendig und wird vom
interesse der beteiligten getragen.
seit meinem letzten besuch vor drei jahren hat sich auch unsere
entwicklungszusammenarbeit vervielfacht. engagement und
effizienz unserer chinesischen partner bei den bisherigen projekten
haben dieses wachstum gefoerdert. wir wollen das unsere tun, um
diese zusammenarbeit weiter auszubauen.
herr ministerpraesident, als dritte saeule unserer beziehungen neben
politik und wirtschaft traegt der kulturaustausch dazu bei, in unseren
beiden laendern wissen und verstaendnis ueber den partner zu
vertiefen und die voelker einander naeherzubringen. den umfang
unseres studenten- und wissenschaftleraustausches habe ich
bereits angesprochen. die erfahrung lehrt: gerade diese
ehemaligen stipendiaten spielen eine ganz wesentliche rolle beim
brueckenschlag zwischen den voelkern.
die wichtigste voraussetzung fuer das gegenseitige verstaendnis ist
das verstehen des anderen im sprachlichen sinne. bei der
vermittlung der deutschen sprache in china wird ab 1988 dem deutschen
fernsehsprachkurs im chinesischen fernsehen eine ganz
besondere bedeutung zukommen. gleiches wird fuer die errichtung eines
goethe-instituts in peking gelten. ich freue mich, dass bei den
gespraechen sich fortschritte andeuten.
ich moechte hier, herr ministerpraesident, erneut unterstreichen, dass
wir umgekehrt als wichtig erachten, dass wir uns freuen wuerden, ueber
die gruendung eines chinesischen kulturinstituts in unserem lande.
das breite und weite echo auf chinesische filme, die im deutschen
fernsehen in den letzten monaten gezeigt wurden, hat gezeigt, wie
gross das interesse der deutschen bevoelkerung an der kultur ihres
landes ist.
herr ministerpraesident, wir haben eine sehr gesunde basis fuer
die langfristige zusammenarbeit unserer beiden voelker. ich halte
es nun fuer wichtig, darauf aufzubauen und die perspektiven der
kooperation ueber diese jahrhundertwende hinaus zu entwickeln.
uns beeindrucken mut und langfristigkeit dieser zielsetzung.
ich moechte ihnen anbieten, bei dieser gewaltigen zukunftsaufgabe
noch enger als bisher partnerschaftlich und zum gegenseitigen
nutzen zusammenzuarbeiten. wenn wir genuegend mut, initiative
und phantasie entwickeln, koennen sich unsere voelker trotz der
bestehenden unterschiede im gesellschaftssystem und trotz der
weiten entfernung ganz wesentlich dabei helfen, gegenseitigen
fortschritt, wohlstand und, was das wichtigste ist, frieden zu
sichern.
zur konkretisierung unserer ueberlegungen moechte ich ihnen
vorschlagen, ein kleines beratungsgremium aelterer, erfahrener und mit
den gegenseitigen beziehungen vertrauter chinesen und
deutscher ins leben zu rufen. die mitglieder eines solchen gremiums
koennen die aufgabe erhalten, sich - etwas abgehoben von den
pflichten des alltags und der alltaeglichen beziehungen - ueber die
weitere fortentwicklung der beziehungen gedanken zu machen.
die erfahrung der aelteren fuer die zukunft der beziehungen nuetzlich
zu machen ist eine seite, die andere ist, die junge generation
darauf vorzubereiten, sich ihrerseits dieser beziehungen
anzunehmen. wir muessen, so will ich es sagen, jetzt schon daran
denken, junge baeume fuer die generation nach uns zu pflanzen.
der schon bestehende austausch junger dozenten, studenten und
praktikanten sollte weiter ausgebaut werden. nur durch eine
grosszuegige foerderung koennen wir die junge generation in das werk
einbinden, beiden voelkern gegenseitig kultur, zivilisation und
sprache zu erschliessen.
herr ministerpraesident, die zukunft der beziehungen unserer
laender und unserer voelker haengt natuerlich auch in hohem masse vom
internationalen umfeld ab, einem umfeld, in dem wir uns kuenftig
bewegen muessen und bewegen werden. nur wenn es gelingt, die
grossen internationalen fragen einer loesung naeherzubringen, wenn
es gelingt, spannungen in der welt zu mindern und wirtschaftliches
gefaelle abzubauen, koennen sich beziehungen wirklich voll
entfalten.
wir beobachten mit grosser befriedigung, wie die volksrepublik
china im rahmen ihrer auf frieden und unabhaengigkeit
ausgerichteten aussenpolitik einflussnahmen in der region und in
der welt vermehrt und vertieft, wahrnimmt.
besonders, herr ministerpraesident, begruesse ich in diesem
zusammenhang ihre erfolgreiche reise in die oestlichen nachbarlaender
der bundesrepublik deutschland im vergangenen monat, in jener zeit,
in der sie polen, die ddr, die cssr, ungarn und bulgarien
besucht haben. auch hier zeigte sich, dass unsere politischen
vorstellungen ueber dialog und zusammenarbeit mit den staaten des
warschauer paktes sich nahekommen.
neue dynamik, optimismus praegen gegenwaertig die internationale
lage. wenn auch fortbestehende probleme weiter zur vorsicht und
zur vernunft mahnen, sind die chancen nicht zu uebersehen,
insbesondere im west-ost-verhaeltnis endlich eine wende zum besseren
durchzusetzen.
dies gilt insbesondere fuer die laufenden
ruestungskontrollverhandlungen in genf. die bundesregierung
erwartet den abschluss eines
abkommens ueber amerikanische und sowjetische
mittelstreckenflugkoerper laengerer und kuerzerer reichweite
noch in diesem jahr
und wir werden unseren beitrag leisten, dass dies moeglich ist.
die bundesregierung und ihre verbuendeten haben anfang der
achtziger jahre alle sowjetischen angebote abgelehnt, das
mittelstreckenproblem dadurch zu loesen, dass die sowjetischen systeme
einfach "hinter den ural" zurueckgezogen wuerden - ohne ruecksicht
auf die sicherheit, die sicherheit unserer freunde und nachbarn in
asien.
beim gipfeltreffen in reykjavik 1986 wurde eine annaeherung
erreicht, nach der mittelstreckenflugkoerper groesserer reichweite aus
europa vollstaendig beseitigt, aber im asiatischen teil der
sowjetunion 100 sprengkoepfe verbleiben sollen.
wir fordern mit entschiedenheit die weltweite beseitigung aller
mittelstreckenflugkoerper mit reichweiten zwischen 500 und ueber
5 000 km.
die bundesregierung und ihre verbuendeten werden bei ihren
entscheidungen aus gesamteuropaeischer und weltweiter
verantwortung handeln, und wir wollen damit erreichen, dass auch unsere
freunde in asien ein mehr an sicherheit gewinnen. das muss ziel
unserer politik sein.
unser buendnis hat darueber hinaus beim kuerzlichen treffen seiner
aussenminister in reykjavik ein konkretes und umfassendes, alle
bereiche der militaerischen kraefteverhaeltnisse einschliessendes
konzept von abruestung und ruestungskontrolle bekraeftigt.
bei alledem wissen wir: abruestung und ruestungskontrolle allein
reichen nicht aus, um den frieden wirklich zu stabilisieren und die
sicherheit zu erhoehen. das schluesselwort, herr ministerpraesident,
heisst vertrauensbildung - vertrauen durch intensives politisches
gespraech und dialog und enge zusammenarbeit auf allen gebieten
beiderseitigen interesses. wir, die bundesrepublik deutschland,
sind dazu bereit.
herr ministerpraesident, wir beide wissen, den worten muessen jetzt
taten folgen. "neues denken" muss sich in neuem handeln
erweisen. fuer uns sind und bleiben dies wichtige pruefsteine.
ich nenne sie:
-die achtung der menschenrechte und humanitaere fortschritte:
denn glaubhaft ist eine politik nur, wenn sie den menschen
wirklich und tatsaechlich zugute kommt,
-das tatsaechliche eintreten fuer friedliche loesungen von konflikten
und die vorbehaltlose achtung des selbstbestimmungsrechts der
voelker: denn nur wer gewaltsamen loesungen abschwoert, dient
wirklich dem frieden.
diese positiven entwicklungen koennen und sollen nicht vergessen
machen, dass es auch heute in weiten teilen der welt spannungen
und konflikte gibt, die eine bedrohung des weltfriedens darstellen
und unsere gemeinsame zukunft belasten. ich nenne nur einige von
ihnen:
-kambodscha und afghanistan sind immer noch
voelkerrechtswidrig von fremden truppen besetzt,
-ein ende des krieges zwischen dem iran und dem irak und eine
verminderung der derzeit gespannten situation in der golfregion
sind immer noch nicht in sicht.
unsere regierungen, herr ministerpraesident, stimmen darin
ueberein, dass diese konflikte moeglichst rasch und auf
friedlichem wege geloest werden muessen.
herr ministerpraesident, vor ihrer und meiner regierung liegen
ebenso wichtige - wie wir wissen - wie schwierige jahre, jahre, in
denen eine reihe von herausforderungen an den gemeinsamen
willen zum frieden und zu gerechtem fortschritt in der welt auf uns
zukommen werden. wir in der bundesregierung sind entschlossen,
diesen herausforderungen mit mut und engagement zu begegnen.
und wir zaehlen dabei auf die partnerschaft und auf die freundschaft
chinas.
herr ministerpraesident, meine damen und herren, ich darf sie
bitten, mit mir das glas zu erheben und auf das wohl des
praesidenten der volksrepublik china zu trinken, auf das wohl unseres
freundes, des ministerpraesidenten, und auf die gesundheit aller
hier anwesenden chinesischen persoenlichkeiten und vor allem auf
die zukunft der freundschaft zwischen der volksrepublik china und
der bundesrepublik deutschland.

erklaerung vor der presse in peking

bundeskanzler dr. helmut kohl gab auf einer pressekonferenz
in peking am 14. juli 1987 folgende erklaerung ab:

nach abschluss meiner offiziellen gespraeche mit der chinesischen
staatsfuehrung moechte ich ein fazit der bisherigen ergebnisse
meines zweiten offiziellen besuchs in der volksrepublik china ziehen.
wie sie wissen, begleiten mich auf dieser reise der bundesminister
fuer wirtschaftliche zusammenarbeit, die staatssekretaere des
auswaertigen amtes und des bundeswirtschaftsministeriums und eine
reihe bedeutender repraesentanten der deutschen wirtschaft und
der gewerkschaften. sie haben - zum teil gemeinsam mit mir, zum
teil in sondergespraechen - fragen der bilateralen wirtschafts- und
kulturbeziehungen eroertert.
das besuchsprogramm hier in peking hat uns einen sehr intensiven
meinungsaustausch ermoeglicht. alle gespraeche verliefen im
bewusstsein beider seiten voller harmonie und gepraegt von
gegenseitigem vertrauen.
mit meinem gastgeber, dem chinesischen ministerpraesidenten und
amtierenden generalsekretaer der kommunistischen partei chinas,
zhao ziyang, bin ich jetzt innerhalb von drei jahren zum vierten mal
zusammengetroffen. zwei ausfuehrliche gespraeche und ein
abendessen haben gelegenheit gegeben, unseren freundschaftlichen
meinungsaustausch fortzusetzen. ich werde heute abend noch
einmal im kleinen kreis mit ihm zusammentreffen.
darueber hinaus hatte ich gelegenheit zu gespraechen mit dem
staatspraesidenten der volksrepublik china, li xiannian, mit dem
vorsitzenden der zk-militaerkommission, deng xiaoping, und mit
dem vorsitzenden des staendigen ausschusses des nationalen
volkskongresses, peng zhen.
trotz der grossen entfernung und der unterschiede in der
gesellschaftsordnung verbinden uns mit der volksrepublik china eine
wachsende zahl gemeinsamer interessen und auch gemeinsamer
grundanschauungen.
im herbst dieses jahres koennen wir auf rund 15 jahre
diplomatischer beziehungen mit der volksrepublik china zurueckblicken.
vor allem in den letzten drei jahren haben sich die beziehungen auf
allen gebieten ganz aussergewoehnlich entfaltet:
unsere politischen kontakte auf hoechster ebene haben sich stetig
weiter verdichtet. eine breite basis des vertrauens und der
zusammenarbeit wurde geschaffen. hierauf konnte ich ganz
selbstverstaendlich jetzt bei meinen gespraechen hier in peking
aufdbauen. meine chinesischen gespraechspartner haben wiederholt
darauf hingewiesen, dass wir unsere beziehungen bereits auf das
gleis langfristiger zusammenarbeit gestellt haben.
wichtige themen unseres aussenpolitischen meinungsaustausches
waren die entwicklung in der sowjetunion und in osteuropa sowie
die west-ost-beziehungen. ministerpraesident zhao hat mich ueber
seine juengste reise durch fuenf laender osteuropas unterrichtet,
waehrend ich meine chinesischen gespraechspartner ueber die
juengste reise des herrn bundespraesidenten in die sowjetunion
informieren konnte.
hinsichtlich der inneren entwicklung in der sowjetunion neigten
meine chinesischen gespraechspartner ebenso wie ich zu einem
vorsichtigen optimismus.
ich habe gelegenheit genommen, der chinesischen seite meine
einschaetzung der lage in europa - insbesondere nach dem gipfel
von venedig und dem juengsten europaeischen rat zu erlaeutern.
meinerseits war ich an den chinesischen bewertungen der lage im
asiatischen raum, insbesondere der situation in afghanistan und
kambodscha interessiert.
bei meinen gespraechen mit der chinesischen fuehrung nahmen
wirtschaftsthemen, und zwar insbesondere fragen des bilateralen
handelsaustausches, der wirtschaftskooperation sowie der
beruflichen aus- und fortbildung, breiten raum ein. der deutsch-
chinesische handel hat einen bisher ungekannten umfang erreicht:
die chinesische seite hat uns ihr interesse verdeutlicht, ihr
erhebliches handelsdefizit mit uns schrittweise abzubauen. dies
soll nicht
durch eine verminderung des imports deutscher waren, sondern
durch eine weitere steigerung der chinesischen exporte in die
bundesrepublik deutschland geschehen.
die vertreter der deutschen wirtschaft haben der chinesischen
seite eine reihe von massnahmen und moeglichkeiten zur
steigerung der chinesischen exporte nach deutschland dargelegt und
erlaeutert. unsere chinesischen gespraechspartner haben uns ihr
interesse an substantieller steigerung der privaten deutschen
direktinvestitionen in china und an mehr deutsch-chinesischen
gemischten gesellschaften dargelegt.
wir teilen das chinesische interesse am ausbau der langfristigen
wirtschaftskooperation und an mehr deutschen direktinvestitionen
- insbesondere joint ventures - in china.
die vertreter der deutschen wirtschaft haben in einem sehr
intensiven und, wie ich glaube, konstruktivem gespraech dem
chinesischen ministerpraesidenten die notwendigkeit weiterer
verbesserung der rahmenbedingungen erlaeutert.
wir haben auf chinesischen vorschlag vereinbart, dafuer im rahmen
der deutsch-chinesischen wirtschaftskommission eine arbeitsgruppe
einzusetzen. sie soll konkrete vorschlaege zur verstaerkung
deutscher direktinvestitionen in china ausarbeiten. darueber wird
dann den regierungschefs unverzueglich berichtet. und ich habe mit
meinem chinesischen kollegen eine art jaehrliche bilanzaufnahme
zwischen uns beiden vereinbart.
eine wichtige schrittmacherfunktion kommt auch und insbesondere
dem abschluss neuer grossprojekte zu, da diese erfahrungsgemaess
sowohl den von chinesischer seite gewuenschten
technologietransfer als auch die bildung von gemischten gesellschaften
mit mittelstandsfirmen fuer zulieferungen nach sich ziehen.
erfreulicherweise wurden anlaesslich meines besuchs drei solcher
vereinbarungen zwischen der volksrepublik china und deutschen
unternehmen ueber zukunftsweisende groessere projekte
abgeschlossen, von denen ich fuer die kuenftige wirtschaftskooperation
eine gute
signalwirkung erhoffe. es handelt sich dabei um:
-eine absichtserklaerung der firma siemens mit dem ministerium
fuer elektroindustrie ueber zusammenarbeit in der
hochtechnologie,
-einen vertrag der firma mbb ueber zusammenarbeit bei
entwicklung eines fernsehsatelliten und lieferung wichtiger
komponenten hierzu,
-einen vertrag der orenstein und koppel ag zur gemeinsamen
herstellung von hydraulischen baggern, der auch die gemischte
besetzung der fabrikleitung aus chinesen und deutschen
vorsieht.
ueber weitere anstehende grossprojekte konnten die mich
begleitenden repraesentanten der deutschen wirtschaft selber mit dem
ministerpraesidenten ausfuehrlich sprechen. besonders bestaetigte der
ministerpraesident die zusammenarbeit auf dem gebiet des baus
im verlauf meiner gespraeche konnte ich meinen chinesischen
gespraechspartnern auch den bedeutsamen beitrag erlaeutern, den
die bundesregierung und die deutsche wirtschaft mit ihren
programmen zur beruflichen aus- und fortbildung junger chinesen zur
modernisierung der chinesischen wirtschaft leisten:
-im rahmen der entwicklungszusammenarbeit sind durch das
bewaehrte instrumentarium von bund und laendern bereits rund
1 600 chinesen als stipendiaten beruflich gefoerdert worden. wir
wollen dem chinesischen interesse nach weiteren stipendien
dieser art durch den ausbau unserer technischen
zusammenarbeit rechnung tragen.
-im rahmen der betrieblichen kooperation zwischen deutschen
firmen und chinesischen unternehmen sind bereits mehrere
tausend chinesische fachkraefte in deutschen firmen ausgebildet
worden. die deutsche wirtschaft ist bereit, im rahmen der
weiteren ausweitung der wirtschaftskooperation auch diese
betriebliche aus- und fortbildung chinesischer fachkraefte
entsprechend zu steigern.
-in dem stipendienprogramm der deutschen wirtschaft - einer
initiative, die im zusammenhang mit meinem ersten besuch in
der volksrepublik china entwickelt wurde - sind bisher 150
stipendien fuer chinesen bereitgestellt worden. die deutsche
wirtschaft ist dem dringenden chinesischen wunsch nach
ausweitung dieses programmes bereits durch zusage von 50
weiteren stipendien entgegengekommen. sie will sich bemuehen,
diese zahl nach moeglichkeit noch wesentlich zu erhoehen.
-schliesslich befinden sich im rahmen unserer wirtschafts- und
hochschulaustauschprogramme eine beachtliche anzahl
chinesischer studenten und wissenschaftler in deutschland.
wir waren uns mit unseren chinesischen gespraechspartnern in der
absicht einig, die zahl chinesischer praktikanten, studenten und
wissenschaftler in der bundesrepublik deutschland, die sich
gegenwaertig auf rund 2 000 belaeuft, in absehbarer zeit auf 3 000
anzuheben.
diesen austausch junger menschen zwischen der bundesrepublik
deutschland und der volksrepublik china halte ich fuer besonders
geeignet, unsere beziehungen auf eine dauerhafte grundlage zu
stellen. ich habe daher die chinesische seite gebeten, auch
ihrerseits zusaetzliche studienmoeglichkeiten fuer deutsche
studenten und wissenschaftler in der volksrepublik china zu
schaffen. ein wesentliches mittel fuer die zusammenarbeit
zweier voelker ist die
sicherstellung der sprachlichen verstaendigung. der
sprachausbildung kommt daher fuer die deutsch-chinesische
zusammenarbeit besondere bedeutung zu.
deutscher fernsehsprachkurs im chinesischen fernsehen
gesendet werden, den wir eigens hierfuer erarbeitet haben.
-der ministerpraesident und ich waren uns auch darin einig, dass
in naher zukunft ein goethe-institut in peking errichtet wird. ich
habe mich ganz besonders gefreut, dass bei unserem sehr langen
gespraech auch herr deng xiaoping sein ganz besonderes
interesse an der errichtung eines goethe-instituts ausgedrueckt hat.
die chinesische seite hat heute dem staatsekretaer des
auswaertigen amtes eine entsprechende unterlage ueberreicht, die wir
im augenblick gerade pruefen. und ich hoffe, dass wir in einer sehr
nahen zukunft bei verhandlungen, die entweder in peking oder
in bonn gefuehrt werden, in dieser frage, wie ich denke, endlich
zum abschluss kommen koennen.
unsere chinesischen partner und wir streben eine langfristige,
stabile und umfassende zusammenarbeit an, die auch der kuenftigen
generation zugute kommen und von ihr weiterbetrieben werden
soll. dies haben ministerpraesident zhao und ich klar herausgestellt.
unser land braucht freunde und zuverlaessige partner in der welt.
wir sind ueberzeugt davon, dass die volksrepublik china fuer uns ein
solch zuverlaessiger partner und freund sein kann und will. ich
glaube, dass wir bei meinem besuch auf diesem wege einen
wichtigen schritt vorangekommen sind. ich bedanke mich bei der
chinesischen fuehrung fuer die grossartige gastfreundschaft und
fuer den freundschaftlichen geist, der alle gespraeche gepraegt hat.


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