Kondolenzschreiben von Bundespräsident Johannes Rau

Liebe Frau Millowitsch,

zum Tode Ihres Mannes, meines Freundes Willy Millowitsch, spreche ich Ihnen mein tief empfundenes Beileid aus. Er war ein Volksschauspieler im wahrsten Sinne des Wortes. Er beherrschte die schwere Kunst der leichten Muse und überzeugte auch im sogenannten "ernsten" Metier.

Willy Millowitsch lebte und arbeitete in Köln, ja er verkörperte Köln. Seine Leidenschaft für das Theater bestimmte sein ganzes Leben. Er hat gespielt, inszeniert, produziert und gesungen.

Vor allem hat er uns immer wieder Freude und schöne Stunden bereitet. Er hat uns zum Lachen gebracht über die von ihm unnachahmlich verkörperten Typen, über die Verrücktheiten des Lebens – und über uns selber. Sein Publikum – wir alle bewunderten und respektierten ihn nicht nur, wir liebten ihn. Was kann einem Künstler Schöneres widerfahren!

Durch Radio und Film, vor allem aber durch das Fernsehen wurde er im ganzen Land bekannt. Den rheinischen Humor, den er wie kein zweiter populär gemacht hat, verbinden fast alle Deutschen mit seinem komödiantischen Talent. Es hat mich besonders gefreut, dass ihm der WDR seinen späten Wunsch erfüllt hat, den Kommissar Klefisch in einem echten Kölner "Tatort" zu spielen. Dankbar denke ich auch an die wunderschöne Feier in der KölnArena zu seinem neunzigsten Geburtstag, bei der ich dabei sein konnte. Ich glaube, es ist in seinem Sinne, wenn ich sage, dass wir heute zwar traurig sind, dass aber die fröhliche Dankbarkeit, ihn gekannt zu haben, noch stärker ist. Nicht nur Köln, wir alle werden ohne Willy Millowitsch ärmer sein. Wir werden ihn nicht vergessen.

Mit stillem Gruß

Ihr
Johannes Rau
Präsident der Bundesrepublik Deutschland