Interview: Weihnachten in Schweden
„Höhepunkt des Weihnachtsfestes ist der Abend des 24. Dezember, wenn wir um den Weihnachtsbaum tanzen“, erzählt die junge Schwedin Celina Gleisner von den Weihnachtstagen in ihrer Heimat. Im Interview berichtet sie von schwedischen Traditionen, Glögg, dem schwedischen Glühwein, und von besonders schönen Weihnachtsmomenten.
3 Min. Lesedauer
Celina Gleisner kann sich die Weihnachtszeit nicht ohne Winterspaziergänge in der verschneiten Landschaft Schwedens vorstellen.
Foto: Celina Gleisner
Wie feiern Sie Weihnachten? Welche Traditionen sind für Sie wichtig?
Schon in meiner Kindheit war Weihnachten eine ganz besondere Zeit. Wir lebten mehr oder weniger mitten im schwedischen Wald und jedes Jahr zu Weihnachten machte sich die ganze Familie gemeinsam auf die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum. Und als der Baum dann bei uns zu Hause stand, verbreitete sich nicht nur der Tannenduft in den Zimmern, sondern auch die gemütliche Weihnachtsstimmung.
Weihnachten ist für mich eine wunderbare Zeit, die ich gerne mit meinen Lieben verbringe. Im Dezember backen wir Lebkuchenhäuser, schwedisches Weihnachtsgebäck, stellen Kerzenständer in jedes Fenster und gehen für das Julbord einkaufen, d.h. für das traditionelle schwedische Weihnachtsbuffet, das von Fleischbällchen über Kartoffelgratin bis zu Räucherlachs und Grünkohl alles bietet.
Die wichtigste Tradition für mich ist aber, die Feiertage gemeinsam mit meinen Lieben zu verbringen und deshalb versuchen wir jedes Jahr zusammenzukommen. Der Höhepunkt des Weihnachtsfestes ist Heiligabend: Dann sitzen wir am weihnachtlich gedeckten Tisch, unterhalten uns gut und genießen das Julbord. Später öffnen wir die Geschenke und tanzen anschließend um den Weihnachtsbaum.
Was bedeutet Weihnachten für Sie? Was ist für Sie das Wichtigste an Weihnachten?
Für mich bedeutet Weihnachten, dass ich Zeit mit meinen Lieben verbringe und mir Zeit nehme, um etwas zu unternehmen, das mir Spaß macht oder einfach, um nichts zu tun. An Weihnachten liebe ich auch den Geruch von Glögg, dem schwedischen Glühwein, und den Duft von frisch gebackenen Lussebullar. Und auch wenn sich mein Musikgeschmack im Laufe der Jahre ziemlich verändert hat, muss ich zugeben, dass ich immer noch gerne Weihnachtslieder höre. Vor allem, wenn sie beim Weihnachts-Karaoke von der Familie gesungen werden!
Aber was wäre Weihnachten ohne lange Winterspaziergänge in klirrender Kälte? Um dann an den warmen Kamin zurückzukehren, mich mit einem guten Buch in einen Sessel zu kuscheln, Gesellschaftsspiele zu spielen und in der Küche neue Rezepte auszuprobieren.
Glauben Sie, dass die Pandemie dieses Weihnachten beeinflussen wird?
Dieses Jahr werden wir nur in einem sehr kleinen Familienkreis feiern. Alle sind vollständig geimpft. Natürlich ist in diesem Jahr der Besuch von Weihnachtsmärkten, das Stöbern in Geschäften auf der Suche nach einem ganz besonderen Geschenk oder das Treffen im größeren Kreis zu einer Adventsfika, etwas, was uns fehlen wird.
Kennen Sie irgendwelche Weihnachtstraditionen aus anderen europäischen Ländern?
Oh ja! Es gibt viele schöne schwedische Weihnachtstraditionen, wie z. B. Julgröt, einen Milchbrei für die kleinen Tomtar (Wichtel), und dass – wie in den meisten europäischen Ländern – der Jultomte (Weihnachtsmann) am 24. Dezember kommt. Und dann gibt es noch die Traditionen, die etwas kurioser sind, zum Beispiel, dass fast ganz Schweden, jeden Heiligabend eine Stunde lang Kalle Anka im Fernsehen guckt. (Anm.d.Red: Diese Weihnachtsfolge besteht aus verschiedenen Ausschnitten von weltberühmten Walt Disney Zeichentrickfilmen, die seit 1960 alljährlich in Schweden ausgestrahlt wird.)
Im Laufe der Jahre habe ich jedoch auch Weihnachtstraditionen aus anderen Ländern kennengelernt und integriert. Das tschechisch-deutsche Weihnachtsmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" gehört seit vielen Jahren zu meinen Weihnachtstraditionen, ebenso wie die Marrons Glacé, kandierte Kastanien, aus Frankreich, die ich immer zu Weihnachten nasche, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Ab 2022 hat Frankreich zusammen mit Schweden und Tschechien die gemeinsame Trio-Präsidentschaft inne. Am 01.01.2022 übernimmt Frankreich den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Am 01.07.2022 übergibt das Land den Staffelstab an Schweden. Ab 01.01.2023 wiederum ist Tschechien Inhaber des Vorsitzes.