Zwischen Dürre und Flut

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Klimawandel und Wassermanagement Zwischen Dürre und Flut

Die Erderwärmung verändert Wasser-Ökosysteme und wirkt sich auf die Fischerei aus. An deutschen Küsten ist der klimawandelbedingte Anstieg des Meeresspiegels bereits messbar. Extreme Hochwasserereignisse sind eine Gefahr. Daneben verringern trockene Phasen gebietsweise die Grundwassermenge. Auf diese Folgen des Klimawandels müssen wir uns einstellen.

5 Min. Lesedauer

Bild einer Deichbesfestigung in Ostfriesland, die als Hochwasserschutz dient.

Diese Deichbefestigung in Ostfriesland dient als Hochwasserschutz.

Foto: kranidi/stock.adobe.com

1. Risiken und Fakten

Fischerei

Der Klimawandel wirkt sich in vielfältiger Weise auf den Bereich „Wasser“ aus. Die Fischerei leidet unter anderem durch erhöhte Wassertemperaturen. Krankheiten und Schädlinge können sich so ausbreiten und Aquakulturen nehmen Schaden. Der Klimawandel beeinflusst auch den Lebenszyklus wichtiger Arten wie den des Herings. Die Wassertemperatur bestimmt nämlich, wann Heringsweibchen ihre Eier ablegen. Werden die entsprechenden Temperaturen aufgrund der Erderwärmung früher im Jahr erreicht, schlüpfen die Larven auch eher. Potenzielle Beutetiere stehen dann noch nicht zur Verfügung und die Heringslarven leiden unter dem mangelnden Nahrungsangebot. In Folge der klimawandelbedingten Veränderungen und intensiver Fischerei ist der Heringsbestand in der westlichen Ostsee heute deutlich geringer als in den 1990er-Jahren.

Küsten- und Meeresschutz

Höhere Wassertemperaturen, der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre sowie vom Menschen verursachte Nährstoffeinträge im Küstenbereich verstärken den Sauerstoffmangel und führen dazu, dass die Meere versauern – mit negativen Folgen für Meerestiere. Landeinwärts belastet zunehmend Salzwasser das Grundwasser im Küstenbereich. Meerwasser dringt in die Grundwasser führenden Erdschichten ein und vermischt sich mit dem Süßwasser, was es erschwert oder gar unmöglich macht, das Grundwasser zu nutzen. Durch den steigenden Meeresspiegel in Folge der Erderwärmung könnte sich die Problematik verstärken.

Der Weltklimarat sagt voraus, dass der Meeresspiegel weltweit im Mittel bis zum Ende des Jahrhunderts (2071 bis 2100) zwischen 0,61 bis 1,10 Meter ansteigen könnte. Auch an den deutschen Küsten ist der Anstieg des Meeresspiegels bereits messbar und verläuft etwa entsprechend der globalen Vorhersagen. Die Folgen: Höhere Wasserstände bei Sturmfluten und zunehmend starke Belastungen für Deiche gefährden Siedlungen in Küstennähe.  

Wasserhaushalt

Die Regelung des Wasserhaushalts ist immer dann auf die Probe gestellt, wenn zu wenig oder zu viel Wasser vorhanden ist. Extreme Hochwasserereignisse verursachen meist große Schäden und gefährden Menschenleben. Die Voraussetzungen für die Entstehung von Hochwasser sind sehr vielfältig und können nicht verallgemeinert werden. Genaue Vorhersagen zu Starkregen sind nur begrenzt möglich. Gleichwohl ist zukünftig öfter damit zu rechnen, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann und der Klimawandel die Lufttemperatur ansteigen lässt.

Dadurch gerät das historisch gewachsene Kanalnetz in vielen deutschen Städten an seine Grenzen. Schäden an Gebäuden und in Oberflächengewässern sind die Folgen. Vermehrte Starkregenereignisse machen häufigere Überlastungen der Kanalnetze und Kläranlagen wahrscheinlich.

Weitere Auswirkungen der Erderwärmung sind steigende Temperaturen und mehr Trockenperioden. Der Bewässerungsbedarf wird deshalb in Zukunft spürbar steigen. Da die überwiegende Menge an Wasser zur Bewässerung derzeit dem Grundwasser entnommen wird, könnte eine zunehmende Konkurrenz um die Ressource Grundwasser entstehen. Zudem bedingten Hitze und Dürre in der jüngeren Vergangenheit bereits Niedrigwassersituationen, die die Binnenschifffahrt und die Kühlwassernutzung von Kraftwerken einschränkten.

2. Anpassungsmöglichkeiten und Maßnahmen

Mit der Deutschen Anpassungsstrategie hat die Bundesregierung 2008 den strategischen Rahmen gesetzt, um unsere Gesellschaft vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Der im Jahr 2020 beschlossene „Aktionsplan Anpassung III“ skizziert mehr als 180 Maßnahmen aller Bundesressorts zur Klimaanpassung.

Um Fischerei und Aquakulturen an die Erderwärmung anzupassen, erarbeiten Bund und Länder Frühwarnsysteme und Monitoringkonzepte – beispielsweise für die Bestandsbewirtschaftung des Herings in der Ostsee. Forschungsprogramme widmen sich der nachhaltigen Nutzung der deutschen Küstenregionen.

Der Bund fasst in enger Zusammenarbeit mit den Ländern die Risiken durch den Meeresspiegelanstieg zusammen und konkretisiert die erforderlichen Schritte in einer Bund-Länder-Strategie. Der Sicherheit der Seeschifffahrt ebenso wie dem Schutz vor Sturmfluten dienen Vorhersageverfahren, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Eine Anpassung der Hochwasserschutzsysteme erfolgt durch den Ausbau und die Optimierung von technischen Schutzmaßnahmen. Dazu zählen unter anderem Dämme, Deiche, Talsperren oder Hochwasserschutzmauern. Wichtig für den Hochwasserschutz ist es auch, das Wasser in der Fläche zurückzuhalten. Zu den Maßnahmen zählt zum Beispiel die Renaturierung von Fließgewässern und Auen. Bund und Länder arbeiten beim Hochwasserschutz bereits seit Jahren zusammen, um Schäden zu reduzieren und weitestgehend zu vermeiden.

Zur Entlastung der Kanalisation prüft das Bundesumweltministerium unterschiedliche Ansätze, Regenwasser dezentral zu bewirtschaften. Die Untersuchungen sollen klären, wie Regenwasser zurückgehalten, dezentral versickert, verdunstet oder zur Gebäudekühlung genutzt werden kann. Diese Ideen bieten eine Chance, die ansonsten aufgrund des Klimawandels erforderliche Ausweitung der Kanalisation zu vermeiden.  

In Trockenphasen ist ein nachhaltiger Umgang mit Wasser besonders wichtig. Die Bundesregierung prüft deshalb Möglichkeiten, Trinkwasser während Hitzeperioden zu sparen, indem zum Beispiel für die Begrünung von Sportanlagen leicht verschmutztes Abwasser aus Privathaushalten oder Regenwasser verwendet wird. Der Klimawandel macht es notwendig, den menschlichen Trinkwasserbedarf zu sichern und schon frühzeitig möglichen Nutzungskonflikten vorzubeugen. Letztlich geht es auch darum, die Bevölkerung besser über mögliche regionale Wasserknappheit in Hitzeperioden zu informieren und für einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser zu werben.

Der DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“ gibt einen Überblick über Daten und Beratungsleistungen zu den Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland. Auf Basis qualitätsgeprüfter Daten können Behörden und Kommunen effektive Anpassungsmaßnahmen entwickeln.

3. Ideen für künftige Maßnahmen

Der Klimawandel bedarf auch in Zukunft eines angepassten und sorgsamen Umgangs mit Wasser. Um unsere natürlichen Wasserreserven zu sichern und die Wasserqualität zu erhalten, hat das Bundesumweltministerium einen Entwurf für eine Nationale Wasserstrategie vorgelegt.

Bislang regeln die Regionen ihre Wasserversorgung selbst. Regionale Unterschiede könnten künftig auch überregionale Verbundnetze und Fernleitungen erfordern, um Deutschland gleichmäßig mit Wasser zu versorgen. Das Bundesumweltministerium wird gemeinsam mit den Bundesländern den Bedarf für so eine überregionale und bundesweite Wasserversorgung erheben.

Eine mögliche Lösung für einen effizienten Wasserverbrauch sind „smarte Wassertarife“. Mit dem nötigen Wissen über den aktuellen Stand von Wasserangebot und -nachfrage könnten Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel ihre Spülmaschine dann nutzen, wenn allgemein weniger Wasser gebraucht wird.

Für die Stadtentwicklung wird es zukünftig von enormer Bedeutung sein, „wasserbewusst“ zu planen und zu bauen. Städtische Flächen sollen Wasser halten und über längere Zeiträume hinweg abgeben und verdunsten. Das Prinzip trägt dazu bei, den natürlichen Wasserhaushalt zu erhalten und das städtische Klima zu verbessern.