75 Jahre Befreiung Auschwitz

Erinnerung an das Unfassbare

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee rund 7.000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Insgesamt waren allein dort mehr als eine Million Menschen den Verbrechen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Die Erinnerung an die Opfer dieser Gräueltaten, bleibt auch 75 Jahre später Deutschlands Pflicht, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters.

Ein Stein mit der Inschrift Auschwitz.

Auschwitz: Inbegriff für das erschreckende Ausmaß der NS-Menscheitsverbrechen.

Foto: picture-alliance/dpa

Deutschland dürfe nie wieder ein Land sein, in dem Hass und Hetze gegen Minderheiten auf eine schweigende Mehrheit stoßen, mahnte Grütters. "Das müssen wir einem breiten Publikum immer wieder deutlich machen."

Die offene und schonungslose Auseinandersetzung mit den Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten und das breite gesellschaftliche Bewusstsein für die Verantwortung, die daraus erwächst, gehörten heute zu den "hart erkämpften, moralischen Errungenschaften unseres Landes."

Video 01:44

Grütters: "Erinnerung an die Opfer ist Teil unseres nationalen Selbstverständnisses"

Bund stärkt Gedenkstättenarbeit

Insbesondere die authentischen Orte, an dem die zahllosen Verbrechen stattfanden, würden die Erinnerung an das Unfassbare wachhalten, so Monika Grütters weiter. Deshalb fördert der Bund die Arbeit vieler NS-Gedenkstätten in ganz Deutschland institutionell - 2020 mit mehr als 26,2 Millionen Euro. Gegenüber dem Beginn der Legislaturperiode 2017 wurden die Mittel für die Gedenkenstättenförderung somit um 20 Prozent erhöht.

Damit zum 75. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager möglichst viele der noch lebenden ehemaligen KZ-Häftlinge zusammen mit ihren Angehörigen an den Gedenkveranstaltungen in Deutschland teilnehmen können, stellt Kulturstaatsministerin Grütters zusätzlich 1,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Förderprogramm "Jugend erinnert"

Mit dem Programm "Jugend erinnert" unterstützt die Staatsministerin außerdem rund 30 Projekte, mit denen NS-Gedenkstätten und Dokumentationszentren neue Ansätze für die pädagogische Arbeit mit jungen Menschen entwickeln und ausprobieren. Für dieses Programm stehen bis 2022 jährlich weitere fünf Millionen Euro bereit.

Ziel ist es, so Grütters, experimentelle und innovative Wege in der Gedenkstättenarbeit zu beschreiten. "Wir wollen noch stärker neue Zielgruppen wie zum Beispiel Zuwanderer erreichen. Damit stärken wir ein kritisches Geschichtsbewusstsein und können über gesellschaftliche Grundlagen und Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit diskutieren."

Bezüge zur Gegenwart

Die steigenden Besucherzahlen in NS-Gedenkstätten und -Dokumentationszentren zeigen das große Interesse gerade auch in den Schulen an diesem Bildungsangebot. "Es ermöglicht, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und Bezüge zu gegenwärtigen Fragestellungen und der eigenen Lebenswelt herzustellen. Wir dürfen auch heute nicht wegschauen, wenn Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung um sich greifen", unterstrich die Staatsministerin.

Benefizkonzert zum 75. Jahrestag

Am Abend nahm Kulturstaatsministerin Monika Grütters an dem Benefizkonzert zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in der Staatsoper Unter den Linden teil. Zu Beginn hielten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki Grußworte. Der Erlös des Abends kommt der Auschwitz-Birkenau Foundation zugute.

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz. Deutschland begeht diesen Tag seit 1996 als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2006 wird am 27. Januar auch weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Am 29. Januar findet die jährliche Gedenkstunde im Bundestag statt.