Leben und Arbeiten in Deutschland: Eine Willkommenserfahrung?

Willkommens- und Anerkennungskultur Leben und Arbeiten in Deutschland: Eine Willkommenserfahrung?

Aus vielen Ländern kommen Menschen nach Deutschland - als Flüchtlinge oder Fachkräfte. Warum kommen sie? Wie werden sie aufgenommen? Wie erleben sie Deutschland? Javier Quintana aus Spanien gibt Antworten.

  • Interview mit Javier Quintana
Zwei Männer bei der Arbeit bei SPS Schiekel Präzisionssysteme.

Um interkulturelle Barrieren abzubauen, lernen die spanischen Fachkräfte Deutsch und die deutsche Belegschaft Spanisch.

Foto: Felix Abraham

"Ein Mensch, der so ein Abenteuer wagt, um in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten, wird allen Problemen trotzen."

Der 34-jährige Spanier Javier Quintana ist für die Produktion und Einstellung von CNC-Drehmaschinen zuständig. Das Bundeswirtschaftsministerium hat seinen Arbeitgeber - SPS Schiekel Präzisionssysteme - mit dem Preis für Willkommenskultur "Mit Vielfalt zum Erfolg" ausgezeichnet.

In einer Serie sprechen wir mit Menschen verschiedener Herkunft über ihre Erfahrungen zum Leben und Arbeiten bei ausgezeichneten Arbeitgebern.

Ankommen

Der Spanier Javier Quintana bei der Firma SPS Schiekel.

Javier Quintana ist 34 Jahre und stammt aus Spanien. Seit 2013 lebt und arbeitet er im sächsischen Heidenau Dohna.

Foto: Felix Abraham

Seit wann leben Sie in Deutschland?
Seit Oktober 2013.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?
Ich wollte schon immer in Deutschland arbeiten. Und wegen der instabilen Lage in Spanien habe ich diesen Schritt gewagt.

Worauf haben Sie sich besonders gefreut? Und wovor hatten Sie Angst / Respekt? 
Ich habe mich sehr darauf gefreut, wieder einen Job zu haben. Hatte aber Angst davor, dass meine Familie das Leben in Deutschland nicht mögen würde.

Was machen Sie bei SPS Schiekel Präzisionssysteme GmbH?
Ich bin für die CNCDrehmaschinen zuständig und auch für die Produktion.
Eine CNC-Drehmaschine ist eine Drehmaschine, bei der Programme sämtliche Bewegungen steuern (CNC = Computerized Numerical Control).

Wie sah Ihr erster Tag bei der Firma aus?
Ich habe eine gute Einweisung bekommen. Meine Kollegen haben mir gezeigt, wo die Werkzeuge sind, einen Überblick über die Firma und die Belegschaft  gegeben.

Willkommen

Was ist Willkommenskultur für Sie?
Für mich sind zwei Dinge hierbei sehr wichtig: Toleranz und Geduld. Wir brauchen Zeit, um uns hier zurecht zu finden.  

Welche Unterstützung Ihres Arbeitgebers hat Ihnen an meisten geholfen?
Allein durch die Tatsache, dass ich diese Arbeit bekommen habe, haben sie mir schon sehr geholfen. Sie können sich nicht vorstellen, wie dankbar ich dafür bin.

Erinnern Sie sich an einen ganz bestimmten Moment, an dem Sie sich willkommen gefühlt haben?
Als mein Chef und meine Kollegen mich am Flughafen abgeholt haben. Mehr Anerkennungs- und Willkommenskultur geht, glaube ich, nicht.

Welche drei Dinge in Deutschland möchten Sie heute nicht mehr missen / haben Sie besonders liebgewonnen?
Ein schönes Bier trinken zu können, während ich auf der Straße schlendere oder im Park spazieren gehe. Die Autofahrer begegnen Fahrradfahrern im Straßenverkehr mit viel Respekt . Und die Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung möchte ich auch nicht missen.

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Ich mag gern Schnitzel.

Was war ein unerfreuliches Erlebnis für Sie in Deutschland?
Bisher hatte ich keine unerfreulichen Momente in Deutschland. Ich versuche auch alles positiv zu betrachten.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?
Das war der Tag, an dem meine Frau und meine Tochter in Deutschland angekommen sind. Der nächstschönste Tag wird der sein, an dem meine zweite Tochter in Deutschland das Licht der Welt erblicken wird.

Haben Sie ein deutsches Lieblingswort?
Schmetterling - klingt nach einer Rockband.

Erinnern Sie sich an ein kulturelles oder sprachliches Missverständnis – und daran, wie Sie es gelöst haben?
Bisher hatte ich keine Missverständnisse.

Was konnten Ihre deutschen Kollegen von Ihnen lernen?
Vielleicht etwas kreativer zu sein, aber so wirklich lernen, kann man das nicht, glaube ich.

Weiterkommen

SPS Schiekel Präzisionssysteme GmbHQuintana bei der Auswahl von Präzisionswerkzeugen.

Das Unternehmen SPS Schiekel gehört zu den diesjährigen Gewinnern des vom Bundeswirtschaftsministerium ausgelobten Unternehmenspreis für Willkommenskultur.

Foto: Felix Abraham

Was schätzen Sie an der internationalen/interpersonalen Arbeitsatmosphäre in Ihrem Unternehmen?
Wir können alle zusammen arbeiten, obwohl wir uns sprachlich nicht immer verstehen. Es klappt aber immer irgendwie.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren wollen?
Sie brauchen keine Angst zu haben, es lohnt sich ausländische Fachkräfte zu rekrutieren. Wer so ein Abenteuer wagt, um in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten, wird allen Problemen trotzen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Mein einziger Wunsch ist es, glückglich zu leben – und das versuche ich jeden Tag.