Leben und Arbeiten in Deutschland: Eine Willkommenserfahrung?

Soroosh Eghbali, Mitarbeiter bei der ModuleWorks GmbH in Aachen, diskutiert mit Kollegen.

Herr Eghbali schätzt besonders die von Respekt und Vertrauen geprägte Unternehmenskultur.

Foto: Jennifer Braun

"Ausländer gibt es in unserem Unternehmen nicht."

Der 30-jährige Soroosh Eghbali ist Produktmanager. Das Bundeswirtschaftsministerium hat seinen Arbeitgeber - ModuleWorks - mit dem Preis für Willkommenskultur "Mit Vielfalt zum Erfolg" ausgezeichnet.

In einer Serie sprechen wir mit Menschen verschiedener Herkunft über ihre Erfahrungen zum Leben und Arbeiten bei ausgezeichneten Arbeitgebern.

Ankommen

Soroosh Eghbali, Mitarbeiter bei der ModuleWorks GmbH in Aachen. 28.09.2015. Foto: Jennifer Braun, Willkommenskultur

Soroosh Eghbali ist 30 Jahre alt und stammt aus dem Iran. Er hat in Deutschland und den USA studiert.

Foto: Jennifer Braun

Seit wann leben Sie in Deutschland?
Seit Oktober 2006.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?
Ursprünglich bin ich wegen meines Bachelor-Maschinenbaustudiums nach Deutschland gezogen. Danach habe ich weiterstudiert und meinen Master in Mechatronik absolviert. Auf diesem Feld ist Deutschland führend und hat einen sehr guten Ruf.  

Worauf haben Sie sich besonders gefreut? Und wovor hatten Sie Angst oder Respekt?
Zu Beginn habe ich mich gefreut, in einem anderen Land zu sein und Deutsch zu lernen. Am meisten habe ich mich aber auf die Reisefreiheit gefreut. Ich reise sehr gerne. Die Vorstellung, im Schengenraum frei reisen zu können, hat mich sehr gereizt. Mittlerweile freue ich mich auch über das, was ich in Deutschland schon erreicht habe. Angst hatte ich nicht. Respekt hatte ich vor der deutschen Disziplin und Ordentlichkeit.

Was machen Sie bei ModuleWorks?
Ich bin Produktmanager und leite die Dentalabteilung. Wir entwickeln CAM-Software Lösungen für dentale CNC-Fräsmaschinen. Damit können die Dentaltechniker Dentalprothesen, wie z.B. Kronen und Implantate automatisiert fertigen.

Wie sah Ihr erster Tag bei ModuleWorks aus?
Ich kannte bereits viele Mitarbeiter, weil ich dort schon mal als studentische Hilfskraft gearbeitet hatte. Der Personal-Chef und die Verwaltung haben mich an meinem ersten Tag sehr freundlich begrüßt. Beim ersten Gespräch hat mir der Geschäftsführer erzählt, dass er große Erwartungen an mich habe und gespannt sei auf die Zusammenarbeit. Das war ein guter Einstieg und hat mich motiviert.

Willkommen

Was ist Willkommenskultur für Sie?
Grundsätzlich ist das für mich eine gemeinsame Plattform, auf der man Unterstützung bekommt, um sich zurecht zu finden und sich erfolgreich in Deutschland integrieren zu können. Dadurch wird Offenheit erzeugt und man kann gemeinsame Ziele abstecken. Konkret ist Unterstützung bei der Wohnungssuche und den Behördengängen wichtig.

Welche Unterstützung Ihres Arbeitgebers hat Ihnen an meisten geholfen?
Die seelische Unterstützung. Dadurch habe ich mich hier sehr wohl und bedeutsam gefühlt. Ich konnte so produktiver arbeiten und meine Ideen implementieren.

Erinnern Sie sich an einen ganz bestimmten Moment, an dem Sie sich willkommen gefühlt haben?
In einer Besprechung haben sich meine Kollegen meine Ideen aufmerksam angehört und anschließend die Arbeitsprozesse entsprechend angepasst. Meine Meinung wurde also gehört und geschätzt. Das hat mich sehr gefreut. Für meine Kollegen war meine Kompetenz und nicht mein ethnischer Hintergrund wichtig. Ausländer gibt es in unserem Unternehmen nicht; die Zugehörigkeit zu einer Ethnie spielt nie eine Rolle.

Welche Dinge möchten Sie heute nicht mehr missen in Deutschland oder haben Sie besonders liebgewonnen?
Ganz klar: die soziale Sicherheit, den Rechtsstaat, die Ordentlichkeit und die Autofahrkultur. Die Menschen hier fahren vergleichsweise sehr sicher.

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Steak – Fillet Mignon

Was war ein unerfreuliches Erlebnis für Sie in Deutschland?
Bisher ist mir, Gott sei Dank, nichts Schlimmes passiert. Aber oft, wenn mir meine deutsche Sprache nicht ausreichend erscheint, geben mir die Leute das Gefühl, nicht intelligent oder gebildet zu sein. Dann fühle ich mich unwohl.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?
Dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen habe. Und das auch noch an meinem Geburtstag. Das war ein schönes Geschenk!

Soroosh Eghbali, Mitarbeiter bei der ModuleWorks GmbH in Aachen, im Gespräch mit einem der Integrations-Betreuer.

ModuleWorks erhält den Preis für die intensive persönliche Betreuung vom ersten Kontakt bis zur Einstellung, die von zwei eigens dafür zuständigen Ansprechpersonen unterstützt wird.

Foto: Jennifer Braun

Haben Sie ein deutsches Lieblingswort? Verraten Sie uns die Geschichte dahinter?
Das Wort "Staatsangehörigkeit". Das ist eines der ersten Worte, die ich im Sprachkurs gelernt habe. Im Sprachkurs hatten wir alle Probleme, das Wort auszusprechen. Da kam was Komisches aus dem Mund. Ich habe ein paar Monate gebraucht, aber jetzt kann ich‘s aussprechen: Staatsangehörigkeit.

Erinnern Sie sich an ein kulturelles oder sprachliches Missverständnis– und daran, wie Sie es gelöst haben?
Als ich frisch in Deutschland war, hatte ich bedauerlicherweise einen Autounfall. Beim Schriftverkehr mit der Versicherung habe ich den Google-Übersetzer benutzt. Wir haben völlig an einander vorbei geredet. Ich hatte aber glücklicherweise eine Sozialansprechpartnerin an der Universität Aachen. Mit ihrer Hilfe wurden die Missverständnisse aufgeklärt und es fand alles ein gutes Ende.

Was konnten Ihre deutschen Kollegen von Ihnen lernen?
Flexibilität und Freundlichkeit im Privaten und auch auf der Arbeit. Wir reisen auch gemeinsam viel. Wir sind beispielsweise in Österreich zusammen Ski gefahren. Auch in die USA sind wir zusammen geflogen. Wir haben zusammen zum Beispiel Chicago und Kalifornien besucht und erkundet.

Weiterkommen

Was schätzen Sie an der internationalen/ interpersonalen Arbeitsatmosphäre in Ihrem Unternehmen?
Die Willkommenskultur, die gelebt wird und dass niemand Ausländer ist hier. Die Kollegen haben Respekt vor einander und sind fachlich orientiert. Dabei hat jeder eine andere Art, Probleme zu lösen. Daraus ergeben sich verschiedene Lösungsansätze, die uns in der Regel voran bringen. 50 Prozent der Belegschaft hat einen internationalen Hintergrund. Daher gibt es keine Minderheiten.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren wollen?
Es öfter zu tun als bisher. Sie sollten sich trauen. In vielen Fällen könnte es eine gute Erfahrung sein,  und beide Seiten profitieren davon. Sie sollten sicherstellen, dass die Leute sich hier nicht nur am Arbeitsplatz integrieren, sondern auch sozial in der Gesellschaft. Wir haben hier zum Beispiel sehr aktive Sozialansprechpartner, die Teamevents organisieren oder Geschenke zu bestimmten Anlässen beschaffen. Das fördert Kontakte und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Perfekt Deutsch zu sprechen und den Master of Business Administration (MBA) zu machen.

Die ModuleWorks GmbH mit Sitz in Aachen ist ein IT-Unternehmen mit 107 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das CAM-Softwarekomponenten entwickelt. Der Anteil der internationalen Beschäftigten ist mit fast 50 Prozent sehr hoch.