Im Wortlaut

Rede von Kulturstaatsministerin Grütters zum Abschluss der Restaurierung und Sanierung von Schloss und Park Babelsberg

Nach Ende der umfangreichen Restaurierungsarbeiten sagte Kulturstaatsministerin Grütters, sie freue sich sehr, "dass wir die künstlerische Gesamtkomposition von Schloss und Park Babelsberg wieder erleben können". Um das "einmalige Erbe der Gartenkünstler zu bewahren", stellte Grütters eine dauerhafte finanzielle Unterstützung des Bundes in Aussicht.

Dienstag, 16. August 2016 in Potsdam

Als sich 1832 der Landschaftsarchitekt Hermann von Pückler-Muskau dem Preußischen Kronprinzenpaar Wilhelm und Augusta für die Vollendung des Parks Babelsberg empfahl, versicherte er, "dass der Babelsberg als organisches Ganzes, etwas sehr Gediegenes und in künstlerischer Hinsicht alle anderen Anlagen seiner Art in der Potsdamer Gegend übertreffen wird...".

Dabei stellte Pückler an seine potentiellen Auftraggeber folgende Bedingungen: "[…] man muss mir freie Hand lassen und tun, was ich sage, sonst kann ich die künstlerische Verantwortung nicht dafür übernehmen. Knickern aber darf man gar nicht, denn umsonst ist nur der Tod und unnütze Verschwendung wird unter meinen Leuten nie vorfallen, aber das Notwendige muss geschaffen werden ...".

Die Opulenz des Parks ist also wohl der Tatsache zu verdanken, dass Pückler ausschließlich "unnütze Verschwendung" ablehnte. Die kunstvollen Fontänen, die romantischen Pfade und der üppige Baumbestand lassen keinen Zweifel daran, dass hier nicht etwa nur das „Notwendige“, sondern etwas Einzigartiges geschaffen wurde. Ich freue mich sehr, dass wir nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten nun wieder die künstlerische Gesamtkomposition von Schloss und Park Babelsberg erleben können. Dafür danke ich besonders dem Masterplan-Team der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten und stellvertretend dessen Leiter Ayhan Ayrilmaz!

Der Park Babelsberg zeigt sich uns heute "als organisches Ganzes" wie es Pückler einst erdachte. Das war nicht immer so: Der Park Babelsberg ist nicht nur ein Zeugnis glorreicher preußischer Zeiten, sondern auch ein Zeuge der deutsch-deutschen Teilung: Für ein "freies Sicht- und Schussfeld" im Grenzgebiet ließ das SED-Regime die geschwungenen Wege und sanften Hügel mit Planierraupen plattwalzen. Stacheldraht und Beton schnitten tiefe Wunden in das landschaftsarchitektonische Meisterwerk. Die Zerstörung des Parks und die Restaurierung nach der Wiedervereinigung dokumentiert übrigens zurzeit die Ausstellung "Gärtner führen keine Kriege" im Schloss Sacrow, die unter anderem von der Stiftung Aufarbeitung und meinem Haus gefördert wird. Ein ungewöhnlicher, ein spannender Blick auf die Zeitgeschichte!

Es war schließlich auch diese einmalige Verbindung von Kunst, Kultur und Geschichte, die das UNESCO-Welterbekomitee 1990 davon überzeugte, die Berlin-Potsdamer Schloss- und Parklandschaft in die Liste des Welterbes der Menschheit aufzunehmen. Mehr als 25 Jahre sind seitdem vergangen, die Schlösser und Parks an der Havel, in Potsdam und in Glienicke sind buchstäblich wieder zusammengewachsen. Doch nicht zuletzt unsere Geschichte mahnt uns, das einmalige Erbe der Gartenkünstler, die hier gewirkt haben, zu bewahren. Die Pflege dieses Erbes ist intensiv, der Erhalt der Schlösser und Gärten kostet Zeit und Geld: 5,9 Millionen Euro für die Wiederherstellung des Bewässerungs-netzes im Park Babelsberg verdeutlichen die Dimensionen dieser Aufgabe.

Dass die Brunnen wieder sprudeln und die Fontänen im Park zum Leben erwecken, ist einer Geldquelle mit sperrigem Namen zu verdanken: dem Sonderinvestitionsprogramm für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Von meinem Haus initiiert, haben sich der Bund, Brandenburg und Berlin im Jahr 2008 darauf verständigt, bis 2017 für die Sanierung der Schloss- und Parkanlagen insgesamt 155 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Programm ist - das kann man im neunten Jahr schon einmal sagen - ein voller Erfolg: Nicht nur der Park Babelsberg mit seinen wunderbaren Wasserspielen wurde saniert, auch die Außenhülle des Schlosses erstrahlt in neuem Glanz.

Theodor Fontane, der große Brandenburger, hat einmal gesagt: "Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser." In diesem Sinne wollen wir die komplexe und langfristige Aufgabe der Sanierung der Schloss- und Parkanlagen weiterführen. Ziel ist eine Fortsetzung des Sonderinvestitionsprogramms, über die wir gerade verhandeln. Das neue Programm soll auf 15 Jahren angelegt sein und - wenn es nach dem Willen des Deutschen Bundestages geht - mit 200 Millionen Euro allein von Seiten des Bundes ausgestattet werden. Der Erfolg des ersten Programms und die gute Zusammenarbeit zwischen Bund und den zwei Ländern stimmen mich zuversichtlich, dass wir die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten auch künftig dabei unterstützen werden, ihren großen Sanierungsmasterplan abzuarbeiten. Dass alle Kraftanstrengung und Ausdauer sich lohnen, zeigt sich hier und heute.

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