Im Wortlaut

Rede der Kulturstaatsministerin auf dem Open Heritage Evening im Rahmen des European Cultural Heritage Summit

Am Vorabend des "Cultural Heritage Summit" hat Kulturstaatsministerin Grütters das Engagement für das europäische Kulturerbe gerade im Themenjahr gewürdigt. Sie hoffe auch bei dem Gipfel auf interessante Diskussionen um die Auseinandersetzung des kulturellen Erbes. "Europas Puls schlägt laut und kräftig, wo die Herzen der Europäer für Europa schlagen. Sorgen wir also - nicht nur, aber ganz besonders in diesem Europäischen Kulturerbejahr - dafür, dass der kulturelle Reichtum Europas, dass unser gemeinsames Kulturerbe die Herzen höher schlagen lässt!

Donnerstag, 21. Juni 2018 in Berlin

Herzlich willkommen in Berlin, herzlich willkommen am vermutlich einzigen öffentlichen Ort der deutschen Hauptstadt, der es während der Fußball-WM in puncto Anziehungskraft mit der Fan-Meile am Brandenburger Tor aufnehmen kann. Umgeben von Kunst und Kultur aus mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte - so feiert man schließlich nicht alle Tage! Für den Willkommensempfang zum "Cultural Heritage Summit" gibt es wohl kaum eine bessere Kulisse: Denn hier auf der Museumsinsel, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, braucht es gar keine großen Worte, um die Strahlkraft des europäischen Kulturerbes zu beschwören. Die großartigen Bauwerke mit den einzigartigen Sammlungen, die sie beherbergen, sprechen für sich. Auf würdigende Worte für Ihr Engagement im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres möchte ich aber keinesfalls verzichten, meine Damen und Herren. Denn es sind Ihre Ideen und Initiativen, die dieses europäische Themenjahr mit Leben füllen und die so viele Menschen - allein im ersten Quartal waren es europaweit eine Million! - dazu bewegen, der Seele Europas in den Zeugnissen vergangener Epochen nachzuspüren. Es ist Ihr Engagement, dass es uns ermöglicht, das Europäische Kulturerbejahr als Bürgerfest der Verständigung über unsere europäischen Wurzeln und Werte zu feiern! Dafür danke ich Ihnen von Herzen!

Dankbar bin ich auch, dass die Europäische Kommission, das Parlament und alle europäischen Mitgliedsstaaten das Kulturerbejahr in großer Einigkeit unterstützen - ebenso wie Bund, Länder und Zivilgesellschaft hier in Deutschland. Aus dem Bundeskulturetat konnte ich bisher in enger Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen rund 40 bundesbedeutsame Projekte fördern, weitere werden bald folgen. Dass Deutschland darüber hinaus auch Gastgeber für den European Cultural Summit - und damit für eine der zentralen europäischen Veranstaltungen des Europäischen Kulturerbejahres - sein darf, freut mich natürlich ganz besonders!

Die Strahlkraft unseres gemeinsamen kulturellen Erbes können wir zum Auftakt dieses Gipfels heute Abend auf der Museumsinsel nicht nur sehen, meine Damen und Herren. Wir können sie auch hören: Hier draußen begleitet uns das international besetzte Sharing Heritage Love Tree Ensemble mit europäischer Folkmusik durch den Abend. Und in verschiedenen Räumen des Neuen Museums, das heute den ganzen Abend exklusiv für Sie geöffnet hat, spielen Musikerinnen und Musiker des European Union Youth Orchestra für uns auf - unter anderem Beethovens Cavatina aus dem Streichquartett opus 130, die es (wie auf Wikipedia nachzulesen ist) zur Kulturbotschafterin der Erde im Weltall gebracht hat: Als eines von mehreren Musikstücken befindet sie sich auf der „Voyager Golden Record“ an der 1977 gestarteten NASA-Raumsonde Voyager 2. Sollte es außerirdisches Leben geben, machen wir damit - so viel ist sicher! - bestimmt einen guten ersten Eindruck! Bis es soweit ist, mag uns die Musik, mag uns die Kultur als irdische Botschafterin dienen und Zusammenhalt in Vielfalt stiften. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass wir für Verständnis und Verständigung nicht nur die Kunst der Diplomatie, sondern auch die Diplomatie der Kunst brauchen - ihre Kraft, Verbindendes sichtbar zu machen und zu Verständnis und Verständigung beizutragen. Das European Union Youth Orchestra mit seinen rund 140 Musikerinnen und Musikern aus allen EU-Mitgliedsstaaten steht dafür beispielhaft, ist es doch seit mehr 40 Jahren Symbol des europäischen Prinzips der Einheit in Vielfalt. Deshalb bin ich froh, dass es dank gemeinsamer Anstrengungen gelungen ist, seine Finanzierung auch für die Zukunft zu sichern.

In einem solchen Orchester gelingt, was wir uns auch für Europa wünschen: das Zuhören und Einfühlen, das Lauschen auf andere Stimmen, auf Takt und Tonart, auf laut und leise, das Miteinander des Unterschiedlichen. Was darüber hinaus die Auseinandersetzung mit unserem kulturellen Erbe zu Einheit in Vielfalt, zu Verständigung und Zusammenhalt in Europa beitragen kann, werden wir morgen im Rahmen des European Cultural Heritage Summit diskutieren. Berlin ist dafür eine geradezu prädestinierte Bühne: nicht nur als Ort der Erinnerung an die jahrzehntelange Spaltung Europas in Freiheit und Unfreiheit und an ihre glücklichen Überwindung vor 28 Jahren; nicht nur als Ort des UNESCO-Weltkulturerbes und des Kulturgenusses in zahlreichen Museen, Opern, Konzerthäusern und Theatern; sondern auch als Sehnsuchtsort der künstlerischen Avantgarde und junger Menschen auf der ganzen Welt, die sich ganz besonders von der Vielfalt Berlins angezogen und inspiriert fühlen, und als Stadt, die enorm davon profitiert, der Vielfalt eine Heimat zu sein, weil damit auch Pioniergeist, Experimentierfreude und Innovationskraft Einzug halten.

Ich freue mich, dass wir im Rahmen des Summits erfahren werden, wie die Kraft der Kultur auch viele andere europäische Städte und Regionen, ja ganz Europa zum Strahlen bringt. Und ich bin überzeugt: Europas Puls schlägt laut und kräftig, wo die Herzen der Europäer für Europa schlagen. Sorgen wir also - nicht nur, aber ganz besonders in diesem Europäischen Kulturerbejahr - dafür, dass der kulturelle Reichtum Europas, dass unser gemeinsames Kulturerbe die Herzen höher schlagen lässt! In diesem Sinne: auf einen erfolgreichen Gipfel und auf einen schönen Abend in Gesellschaft überzeugter Europäer und europäischer Kulturschätze!

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