Ein Imker berichtet: Qualität kommt von Qualität

Weltbienentag 2022 Ein Imker berichtet: Qualität kommt von Qualität

Wie man mit den Bienen und ihrem Honig umgeht, drückt sich nachher in der Qualität aus. Davon ist Herbert Märkl überzeugt, jahrzehntelanger Hobbyimker aus Seevetal. Nach seiner Erfahrung ist der Honig zum einen nur so gut, wie der Nektar, den die Bienen aus den Blüten ziehen. Daneben gibt es aber auch noch andere Parameter, die entscheidend für die Qualität des Honigs sind.

Eine echte Carnica, Unterart der westlichen Honigbiene, an einer Obstblüte.

Eine echte Carnica, Unterart der westlichen Honigbiene, an einer Obstblüte.

Foto: Herbert Märkl

Wichtig für guten Honig sei unbelasteter Nektar, sagt Herbert Märkl, weshalb er seinen Honigbienen ein Zuhause inmitten naturbelassenen Blühpflanzen gegeben hat. „Wenn man allerdings den Bienen den Honig entzieht, was der Imker regelmäßig tut, muss den Bienen zum Überwintern ein Ersatz eingefüttert werden. Ausreichender Zuckervorrat ist auch für die Frühjahrsentwicklung der Bienen entscheidend. Bei ausreichender Tracht sollte übriger Zucker jedoch entnommen werden.“ 

Waben ohne Zeitverzug schleudern

Wenn der Hobbyimker den Honig aus seinen sechs Bienenstöcken erntet, bringt er die Waben – unter Wahrung der bei der Verarbeitung von Lebensmitteln gebotenen Hygiene – sofort in die Küche, wo die Honigschleuder steht. Der Honig wird in diesem Fall also direkt bei Stocktemperatur ausgeschleudert. Märkl: „Zwischenerhitzen des Honigs beispielsweise in nachgeschalteten Sieben kann auf diese Weise vermieden werden. Dadurch bleiben wertvolle Inhaltstoffe, wie zum Beispiel Enzyme, erhalten.“ 

Die sechs Bienenvölker von Herbert Märkl stehen inmitten verschiedener Blühpflanzen, die sie die gesamte Saison über mit Nektar versorgen.

Die sechs Bienenvölker von Herbert Märkl stehen inmitten verschiedener Blühpflanzen, die sie die gesamte Saison über mit Nektar versorgen.

Foto: Herbert Märkl

Dass er mit diesem Vorgehen richtig handelt, weisen ihm die Messdaten seines Honigs auf. In regelmäßigen Abständen sendet er eine Probe zur Qualitätsanalyse an das Institut für Bienenkunde in Celle. „Bislang konnte ich mich über das Messergebnis nicht beklagen“, sagt Märkl.

Von der Bienenkunde beeindruckt

Die Arbeit des Institutes in Celle, das Teil des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist, habe ihn von Anbeginn beeindruckt, erzählt er fasziniert. Als Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie etwa Pflanzenschutz genießt das Institut internationale Anerkennung durch überregionale Tätigkeit in Fortbildung, Forschung und Entwicklung.

„Zeitweise gab es auf mein Betreiben hin ein Wahlfach zur Bienenwissenschaft an der Technischen Universität in Hamburg“, sagt Märkl, der selbst Wissenschaftler ist und an der Universität das Institut für Bioprozess- und Bioverfahrenstechnik leitete. Das Wahlfach war eine Kooperation des Bienenkundeinstitutes in Celle mit der Technischen Universität. 

Eine nachhaltige Empfehlung

Wie kam er zur Imkerei? Er habe von einem Freund gerade ein Bienenvolk angeboten bekommen: echte Carnica. Es war auch die Empfehlung einer Wissenschaftlerin, seiner späteren Frau Regina Märkl, die am Institut für Zoologie der Ludwig Maximilian Universität in München damals gerade ihre Doktorarbeit schrieb, die ihn zur Imkerei bewegte. Ein berühmtes Institut, an dem kein geringerer als Karl von Frisch lange Zeit Professor war, erzählt der Hobbyimker weiter. Von Frisch habe nämlich über die Sinneswahrnehmung der Honigbiene und der Art und Weise der Verständigung untereinander geforscht, wofür er 1973 gemeinsam mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Die Karl Ritter von Frisch-Medaille ist denn auch der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie in Deutschland. 

Völkerverständigung über Bienen

Am meisten freut sich der Bienenfreund Märkl über die gestiegenen Zahlen an Imkerinnen und Imkern. Das sei wichtig, sagt er, um die große Nachfrage nach Honig zu stillen. Das sei zugleich für die Bestäubung von Obstbäumen wichtig, obwohl einige Obstbauern deshalb auch selbst Imker seien. Im Alten Land würden aber viele Obstbauern für die Bestäubung durch Bienen sogar zahlen, berichtete der Imker.

Auch in seinem Imkerverein seien die Zahlen wieder gestiegen. Darunter seien auch viele Menschen mit Migrationshintergrund, die mitunter schon in ihrem Heimatland geimkert haben. Märkl: „Aus Kasachstan, zum Beispiel, da sind echte Profis dabei. Von deren Imkerkenntnissen können wir auch noch etwas lernen!“ Überhaupt weist der langjährige Imker darauf hin, wie wichtig es für an der Imkerei Interessierte sei, sich einem Imkerverein vor Ort anzuschließen: „Guter und vor allem schneller praktischer Rat und Rückhalt ist im Bedarfsfalle über die Mitstreiter so stets sichergestellt. Man ist nie allein.“

Für Artenvielfalt und Insektenschutz

Auch der Bundesregierung ist der Insektenschutz, speziell auch der Bienenschutz, ein besonderes Anliegen. Das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ hat zum Ziel, dem Insektenrückgang und der Reduzierung der Artenvielfalt gezielt entgegenzuwirken. Speziell für Bienen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium „Bienen füttern“ initiiert, wo Interessierte Unterstützung und Informationen finden können.

Für den Schutz der Bienen hat es konkrete Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz und der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung gegeben. Durch mehr Rückzugsgebiete für Insekten und durch weniger Lichtverschmutzung werden die Lebensbedingungen für Insekten verbessert. Ebenso gibt zahlreiche Einschränkungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Unter anderem ist die Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln durch private Nutzer verboten. 

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert außerdem Anbaumethoden und Technologien, die helfen, die biologische Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen zu erhöhen. Dazu gehört unter anderem, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu verringern und den Anteil des ökologischen Landbaus weiter zu steigern.