Wichtiger Schritt in eine neue NATO

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Pressekonferenz von Kanzler Merz nach dem NATO-Gipfeltreffen in Ankara  Wichtiger Schritt in eine neue NATO

Bundeskanzler Merz zieht eine positive Bilanz nach dem NATO-Gipfel in Ankara. Die NATO sei europäischer denn je und bleibe doch transatlantisch, stark und vor allem einig, betonte der Kanzler. Zudem würden die Beschlüsse des NATO-Gipfels von Den Haag umgesetzt.

  • Mitschrift Pressekonferenz
  • Mittwoch, 8. Juli 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz bei Pressekonferenz.

Deutschland habe einen großen Beitrag geleistet, dass die NATO zusammenbleibt und stärker wird, betonte Merz bei seiner Abschluss-Pressekonferenz in Ankara.

Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

„Es war ein guter Tag hier in Ankara, der uns gemeinsam gelungen ist“, resümierte Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem NATO-Gipfel, der vom 7. bis 8. Juli 2026 in Ankara stattfand. Der Gipfel habe gezeigt, dass die NATO einen wichtigen Schritt vorangekommen sei auf dem Weg zu einer neuen NATO – und dass die vor einem Jahr in Den Haag beschlossenen Ziele in von den NATO-Staaten umgesetzt werden. 

Diese NATO sei europäischer denn je. Die Europäer übernähmen mehr Verantwortung. Und doch bleibe sie transatlantisch fest verankert. Die NATO bleibe unerreicht stark und vor allem bleibe sie einig, bekräftigte der Kanzler. Die NATO-Staaten hätten sich klar und eindeutig zu Artikel 5 des NATO-Vertrags bekannt. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Erhöhung der Verteidigungsausgaben: Auf dem Gipfel in Den Haag hatten die NATO-Staaten verabredet, die Verteidigungsausgaben über zehn Jahre auf fünf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Deutschland würde dieses Ziel sogar „deutlich vor der Zeit erreichen“, betonte der Kanzler. Dieser Kraftakt sei notwendig, um sich gegen die russische Bedrohung „durch Cyberangriffe, durch Sabotage, durch Ausspähversuche und gezielte Desinformation“ zu wappnen.
  • Zusammenarbeit in Verteidigungsindustrie: Mit Blick auf eine stärkere transatlantische und europäische Zusammenarbeit wurde eine europäische Erklärung zu Abstandswaffen unterzeichnet. Als weiteres Beispiel nannte der Kanzler die kanadische Beschaffung deutsch-norwegischer U-Boote. „Es ist Ausdruck einer strategischen Zusammenarbeit, die wir jetzt im gesamten Raum des Nordatlantiks auf Jahrzehnte anlegen“, so Merz, um die Grundlagen der Freiheit, der Sicherheit und des Wohlstands zu bewahren.
  • Neue finanzielle Mittel für Ukraine: Auf deutsche Initiative hin haben sich die NATO-Staaten verpflichtet, die Ukraine 2026 und 2027 mit jeweils 70 Milliarden Euro zu unterstützen. „Wir tun dies nicht, um den Krieg zu befördern, sondern wir wollen ihn beenden“, unterstrich der Kanzler. Die auf dem G7-Gipfel in Frankreich gezeigte transatlantische Einigkeit zur Unterstützung der Ukraine sei auf diesem Gipfel ausgebaut werden. Die NATO-Staaten hätten zudem gewürdigt, dass die USA wichtige Ausnahmen von Sanktionen gegen Russland beendet haben. 

Lesen Sie hier die Mitschrift der Pressekonferenz:

Bundeskanzler Friedrich Merz:

Meine Damen und Herren, wir schließen den NATO-Gipfel in Ankara in diesen Minuten ab. Ich habe gerade Präsident Erdoğan noch einmal in einem persönlichen Gespräch herzlich für die Vorbereitung und die Durchführung des diesjährigen NATO-Gipfels hier in Ankara gedankt, der ja in außergewöhnlich bewegten Zeiten stattfindet. Vor allem sehen wir, dass Russland den Krieg gegen die Ukraine weiter eskaliert. Das hat Folgen für uns alle. Das hat Folgen für die Freiheit, für die Sicherheit, für den Wohlstand im gesamten euroatlantischen Raum. Deswegen haben wir beim Haager-NATO-Gipfel im letzten Jahr ja auch verabredet, dass wir unsere Verteidigungsausgaben über einen Zeitraum von zehn Jahren auf fünf Prozent erhöhen.

Hier in Ankara konnten wir eine erste Bilanz ziehen, und diese Bilanz ist durchweg positiv. In den letzten zwölf Monaten haben allein die europäischen Mitglieder der NATO ihre Verteidigungsausgaben um mehr als 100 Milliarden Euro erhöht. Deutschland hat daran einen Anteil von rund 25 Milliarden Euro. Wir haben unsere Verteidigungsausgaben auf knapp 125 Milliarden Euro angehoben. Wir haben innerhalb von vier Jahren, seit dem Jahr 2022, unsere Investitionen in unsere Verteidigung verdoppelt. Wir werden das in Den Haag verabredete Fünf-Prozent-Ziel damit deutlich vor der Zeit erreichen.

Diese Zahlen zeigen: Wir lassen den Worten des letzten Jahres Taten folgen. Wir haben uns diesen Kraftakt vorgenommen, und wir leisten ihn – nicht, um irgendjemandem einen Gefallen zu tun, sondern um unsere eigene Sicherheit zu stärken. Wir tun es, weil es in unserem eigenen Interesse notwendig ist. Denn jeden Tag testet Russland unsere Entschlossenheit durch Cyberangriffe, durch Sabotage, durch Ausspähversuche und gezielte Desinformation. Deshalb war es so wichtig, dass wir uns alle hier in Ankara noch einmal sehr klar und deutlich zu Artikel 5 des NATO-Vertrags verpflichtet und bekannt haben.

Das haben wir auf europäischer Seite alles intensiv vorbereitet, das wissen Sie. Ich habe dazu verschiedentlich auch nach Berlin eingeladen, unter anderem im sogenannten E5-Format, also dem der Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien und Deutschland, aber auch im B3-Format. Die drei baltischen Staaten sind also ebenfalls durch ihre Staats- und Regierungschefs meine Gäste gewesen.

Ich kann heute sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt. Die NATO bleibt für uns alle ein einziger großer Vorteil. Das gilt für Europa, das gilt für Kanada, und das gilt auch für die Vereinigten Staaten. Ich habe in der Arbeitssitzung heute vom „Geist von Ankara“ gesprochen. Ich wollte damit ganz einfach Folgendes ausdrücken: Wir bauen eine europäische NATO, damit die NATO transatlantisch bleiben kann. Als Europäer übernehmen wir eben mehr Verantwortung, wir machen die NATO stärker, wir machen sie aber auch in der Lastenverteilung fairer, wir lösen uns von einseitigen Abhängigkeiten, und das dient unser aller Sicherheit. All das schafft neue Chancen zu transatlantischer und europäischer Zusammenarbeit.

Das gilt, last, but not least auch für die Verteidigungsindustrie, bei Abstandswaffen in der Luftverteidigung und bei künstlicher Intelligenz, um nur einige Beispiele zu nennen. Wir wollen bei dem Thema der Abstandswaffen zügig vorankommen, europäisch und auch transatlantisch. Wir haben eine entsprechende europäische Erklärung hier in Ankara ja auch unterzeichnet.

Wir haben gestern, und das haben Sie verfolgen können, mit Premierminister Carney aus Kanada und Jonas Støre aus Norwegen eine gemeinsame Beschaffung beschlossen. Wir haben vereinbart, dass wir in Zukunft eng zusammenarbeiten, und Kanada hat sich entschlossen, die U-Boote der 212-CD-Klasse, wie sie in der Fachsprache heißen, anzuschaffen. Das ist ein wirklich großartiges Vorhaben. Es ist Ausdruck einer strategischen Zusammenarbeit, die wir jetzt im gesamten Raum des Nordatlantiks auf Jahrzehnte anlegen. Wir werden miteinander eine Flotte von insgesamt 24 U-Booten in diesem Raum haben. Wir werden die Ausbildung harmonisieren. Wir werden die Wartung dieser U-Boote gemeinsam durchführen. Es wird also wirklich integrierte marine Streitkräfte geben, die hier entstehen. Das ist wirklich ein großer Fortschritt, nicht nur in der europäischen Zusammenarbeit, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Kanada.

Ich will Mark Carney auch noch einmal sehr herzlich danken, dass er diese Entscheidung in Kanada getroffen hat, aber ich will gleichfalls Boris Pistorius, Johann Wadephul, Katherina Reiche und ihren jeweiligen kanadischen Amtskollegen und norwegischen Amtskollegen danken. Wir alle haben dies, was wir gestern unterzeichnet haben, über die letzten Monate hinweg vorbereitet und haben dafür auch hart gearbeitet. Das trägt alles dazu bei, dass die Grundlagen unserer Freiheit, unserer Sicherheit und unseres Wohlstandes bewahrt bleiben und dass wir sie zu erneuern versuchen, und zugleich gibt es uns Chancen, unsere wirtschaftlichen Fähigkeiten einzubringen und weiterzuentwickeln.

Das gilt auch für unser Engagement für die Ukraine. Auch das habe ich heute noch einmal unterstrichen. Ich will es hier nicht wiederholen, aber ich tue es dann doch: Die Ukraine verteidigt eben nicht nur ihre eigene Freiheit gegen die russische Aggression, sondern zugleich unsere, und damit dürfte dem Kreml langsam klar werden, dass Russland seine Kriegsziele nicht erreichen wird, sondern dass es jetzt Zeit wird, an den Verhandlungstisch zu kommen. Auch darüber habe ich mit Präsident Erdoğan gerade noch einmal ausführlich gesprochen.

Wir haben uns auf deutsche Initiative hin schließlich verpflichtet, der Ukraine in den Jahren 2026 und 2027 zusammen mit den europäischen Mitteln noch einmal insgesamt zweimal 70 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Das ist ein wichtiges Bekenntnis der europäischen Seite, dass wir eben noch mehr leisten wollen. Wir werden über Details schon am nächsten Montag in Paris in der sogenannten Koalition der Willigen sprechen. Deutschland trägt das Seine dazu bei. Wir sind mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine. Wir wollen damit den Krieg nicht befördern. Ich sage das auch noch einmal an alle nicht ganz unkritischen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland: Wir tun dies nicht, um den Krieg zu befördern, sondern wir wollen ihn beenden, und wir wollen mit der notwendigen Hartnäckigkeit Präsident Putin an den Verhandlungstisch bringen.

Deswegen war es heute wichtig, die transatlantische Einigkeit auszubauen, die uns beim G7-Treffen in Evian gelungen ist. Dort haben wir ja mit allen G7-Partnern zusammen gefordert, Moskau müsse den Krieg beenden. Washington hat seitdem diesem Appell auch Taten folgen lassen, zum Beispiel, indem wichtige Ausnahmen von den Sanktionen ausgelaufen sind und nicht fortgesetzt werden. Das ist ein Fortschritt, den wir heute auch gemeinsam gewürdigt haben.

Schließlich hat das Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran in Ankara eine Rolle gespielt. Es ist jetzt die beste Chance, das iranische Atomprogramm dauerhaft zu beenden, die Straße von Hormus zu öffnen und neue Stabilität in den Nahen und Mittleren Osten zu bringen. Die Alliierten haben heute einvernehmlich deutlich gemacht: Wir werden nach Kräften helfen, diese Chance auch zu nutzen.

Es war also alles in allem ein guter Tag hier in Ankara, der uns gemeinsam gelungen ist. Wir sind einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die neue NATO vorangekommen. Ich will zusammenfassen: Die NATO ist mit dem heutigen Tag europäischer denn je, und doch bleibt sie transatlantisch fest verankert. Sie bleibt unerreicht stark, und vor allem: Sie bleibt einig.

Lassen Sie mich abschließend vielleicht noch eine persönliche Beobachtung hinzufügen. Präsident Trump hat heute ausnahmslos über die gesamte Zeit an den Beratungen teilgenommen und ist auch die ganze Zeit im Sitzungssaal geblieben. Was mir erneut aufgefallen ist: Er hört auch den Vertretern kleinerer Mitgliedstaaten in der NATO aufmerksam zu, nimmt sehr intensiv wahr, was auch in kleineren Mitgliedstaaten geschieht und hat das mit einer großen Sympathie begleitet. In seinem Schlussstatement kam der Satz vor, der mich persönlich etwas überrascht, aber auch sehr gefreut hat: There is a feeling of love in the air. Das ist ein Schlusssatz, mit dem man, glaube ich, einen solchen NATO-Gipfel, der auch unter medial so schwierigen Vorzeichen stand, gut abschließen kann. Ich fahre jedenfalls in dem sicheren Gefühl zurück nach Deutschland, dass wir einen großen Beitrag dafür geleistet haben, dass die NATO zusammenbleibt, dass sie stärker wird, dass sie europäischer wird und dass wir gemeinsam das tun, was wir uns vorgenommen haben, nämlich dem Frieden und der Freiheit in der Welt zu dienen.