Kulturstaatsministerin Monika Grütters zur Erwerbung von Humboldts Reise-Tagebüchern durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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- Es gilt das gesprochene Wort.-

Liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete des Deutschen Bundestages, lieber Bernd Neumann,
Herr Regierender Bürgermeister, lieber Klaus Wowereit,
Frau Ministerin Wanka,
Herr Parzinger,
meine Damen und Herren!

"Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung". Dieser schneidend scharfe Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs bringt auf den Punkt, was die Begegnung zwischen Europa und anderen Kontinenten früher durchaus kennzeichnete: Neugier – ja! Leider auch Habgier und nicht selten zugleich Geringschätzung leiteten viele Eroberer, häufig gepaart mit Ignoranz an anderen Völkern und Kulturen.

Lichtenberg starb 1799. Im selben Jahr brach Alexander von Humboldt zu einer so ganz anders gearteten Reise auf, die Simon Bolívar als die "wahre Entdeckung" Amerikas bezeichnete. Der unermüdliche Wille zu Erkenntnis, sein Mut, seine Offenheit und schöpferische Neugierde auf alles Unbekannte und Neue trieben diesen Forschungsreisenden an. Bis heute sind seine Expeditionen eine Quelle der Inspiration für die Begegnung mit dem – vermeintlich – Fremden und für den friedlichen Dialog zwischen den Völkern.

Heute feiern wir die Rückkehr seiner Reisetagebücher nach Berlin. Sie sind so außerordentlich wertvoll, weil sie vor allem ein überaus sympathischer, weil weltläufiger und zutiefst menschlicher Teil unseres Preußischen Erbes sind.

Der Ankauf für die Staatsbibliothek, an dem der Bund maßgeblich beteiligt war – vor allem, Du, lieber Bernd Neumann, hast als Kulturstaatsminister hier entscheidend gewirkt –, war jedoch alles andere als ein Selbstläufer; Herr Parzinger hat bereits darauf hingewiesen.

Die Geschichte dieses Erwerbs, die an überraschenden Wendungen wahrhaftig nicht gänzlich frei ist, zeigt exemplarisch: Wir müssen alles nur Erdenkliche unternehmen, um national wertvolles Kulturgut hier in Deutschland zu halten und seine Abwanderung ins Ausland zu verhindern. Und dies wahrlich nicht nur aus finanziellen Gründen. Die derzeit geltenden Regelungen weisen immer noch erhebliche Defizite auf. Deshalb werden wir noch in dieser Legislaturperiode ein neues Gesetz vorlegen, um Glanzstücke wie die Humboldt-Tagebücher für unsere Kulturnation, und damit meine ich vor allem: für kommende Generationen, zu bewahren, zu schützen und zu sichern!

Meine Damen und Herren,

Sie kennen sie alle, die berühmte Bemerkung Humboldts: "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben", soll Alexander von Humboldt einmal gesagt haben. Einem solchen Geist der Ignoranz wollen wir mit dem Humboldt-Forum entgegen wirken.
Und was für ein Geschenk, dass Berlin mit diesen zwei Humboldt-Gelehrten groß geworden ist. Der "Universitas"-Gedanke Wilhelm von Humboldts und der Begriff des "Kosmos" eines Alexander von Humboldt sind in der Internationalität Berlins gut aufgehoben. Die Neugier auf das Fremde, das Andere soll im stadträumlichen Bezug zu den Zeugnissen unserer europäischen Kunst- und Kulturgeschichte gegenüber auf der Museumsinsel Gestalt annehmen.

Im Zusammenspiel der beiden strategischen Gesellschaftsbereiche Kultur und Wissenschaft und in der globalisierten Welt von heute geht es um neuartige Kunst- und Kulturerfahrungen, um das Wissen über gleichberechtigte Weltkulturen, um neue Kompetenzen im Weltverständnis. Die reine Selbstbezüglichkeit eines kulturellen Identitätsbegriffs wird hier zugunsten globaler Betrachtungen der großen Menschheitsthemen wie die Grenzen des Lebens, also Geburt und Tod, wie Gott und die Bedeutung der Religionen, wie Identität und Migration erweitert.

In diesem Geist wollen wir die Künste und Kulturen der Welt in das Humboldt-Forum einladen, sich am zentralen Ort der Republik selbstbewusst zu präsentieren.

Wir tun dies auch im Bewusstsein, dass es heute keine ethnisch-homogenen Gesellschaften mehr gibt, in Deutschland so wenig wie in anderen Ländern. Ich glaube, dass nur Gesellschaften überleben, die dies annehmen und gestalten.

Für diese Ideen wollen wir werben – ganz im Geiste eines Alexander von Humboldt. Die Humboldt-Tagebücher sind dafür so etwas wie ein Unterpfand - und: sie nehmen uns Heutige klar und unmissverständlich in die Pflicht. In diesem Sinne sind wir gespannt auf noch viele Offenbarungen und Entdeckungen – mit und auf den Spuren Humboldts.

Ich danke Ihnen.