Um fünf Uhr aufstehen für den Klimaschutz

Reportage über Klima-Botschafterin  Um fünf Uhr aufstehen für den Klimaschutz

Die 16-jährige Paula ist Klima-Botschafterin. Sie leitet Workshops zu Ursachen und Folgen des Klimawandels. 134 Jugendliche sind deutschlandweit dafür ausgebildet. Sie begegnen Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe.

Paula und Anna - eine Schülerin, die an einem ihrer Workshops teilgenommen hat.

Klimabotschafterin Paula (r.) möchte andere Schüler für ein klimafreundliches Verhalten sensibilisieren. In Rüsselsheim kam sie auch mit Anna (l.) ins Gespräch. 

Foto: Bernd Hartung

Schon als kleinem Kind war Paula Klimaschutz sehr wichtig. "Mit vier habe ich meine Oma angemotzt, dass sie das Licht ausmachen soll, weil sonst die Eisbären sterben", erinnert sich das Mädchen mit der braunen Kurzhaarfrisur und lächelt verschmitzt. Mittlerweile 16, ist es für Paula ein bedeutender Teil ihres Lebens, andere für ein klimafreundliches Verhalten zu sensibilisieren. Als Klima-Botschafterin leitet sie in ihrer Freizeit Workshops für Schülerinnen und Schüler. "Jeder muss halt seine Rolle im Kampf gegen den Klimawandel finden. Ich finde es superwichtig, dass man sich engagiert."

Für Paula heißt das an diesem Montag: um fünf Uhr aufstehen, um den Zug von ihrem Wohnort Essen nach Rüsselsheim am Main zu bekommen. Vier Stunden später steht sie gemeinsam mit einer anderen Botschafterin, Sina, in einer Klasse des "Neuen Gymnasiums".
Vor den beiden sitzen im Halbkreis 15 Jugendliche in ihrem Alter. Erstes Thema ist der Fleischkonsum. "Wie oft esst ihr denn Fleisch und Wurst?", fragt Paula.

Ernährung für das Klima umgestellt

"Früher in der Grundschule habe ich noch oft Salamibrote mitgenommen, mittlerweile esse ich aber lieber Käse", berichtet die 17-jährige Franzi. "Und mit meiner Familie haben wir im Sommer zum ersten Mal vegetarisch gegrillt. Das hat echt gut geschmeckt." Dies sei auch wesentlich klimafreundlicher, ergänzt Paula sachkundig. Denn bei der Herstellung von Fleisch werde wesentlich mehr CO2 verursacht. Paula weist zudem auf den hohen Methanausstoß von Rindern hin. Auch die 16-jährige Anna ernährt sich in letzter Zeit verstärkt von Gemüse. Sie hält es für entscheidend, was jeder Einzelne konsumiert. "Wenn sich Millionen Menschen klimafreundlicher verhalten, dann macht das richtig viel aus."

Schülerinnen und Schüler arbeiten in einem Klassenzimmer im Workshop zum Klimawandel

Szene aus dem Workshop: Konzentriert im Gespräch über den Klimawandel.

Foto: Bernd Hartung

Zeit für die nächste Aufgabe im Workshop. Paula verteilt rote und gelbe Karten. Jetzt geht es um allgemeine Folgen und Ursachen des Klimawandels. Schnell zücken Anna und Franzi ihre Stifte, schreiben "Plastikkonsum" und "Viehzucht" auf die gelben Karten. Zu den "Folgen" diskutieren die beiden Mädchen, ob alle Tierarten gleichermaßen vom Aussterben bedroht sind. "Quatsch, es gibt natürlich Unterschiede", ist Anna dann überzeugt.

Paula lächelt zufrieden. Die heutige Gruppe zeigt sich engagiert – und zu Klimafragen bereits gut informiert. Ihr eigenes Wissen hat sich Paula bei der Ausbildung zur Klima-Botschafterin angeeignet. Bundesweit geben mehr als 120 junge Leute Workshops und Seminare zu Klimaschutz. Dahinter steht das Projekt "Schule⋅Klima⋅Wandel" des Bildungswerks für Schülervertretung und Schülerbeteiligung (SV).

Kommunikation auf Augenhöhe

Die mehrtägige Schulung vermittelt neben Fachwissen auch didaktische Fähigkeiten. Die jungen Klima-Botschafter können ihre Kenntnisse oft viel besser als Erwachsene an andere Jugendliche weitergeben. "Entscheidend ist die Kommunikation auf Augenhöhe und in derselben Sprache", betont Vorstandsmitglied Christian Mohr. Er koordiniert den bundesweiten Einsatz der Klima-Botschafter aus der Berliner Zentrale.

Auch der Kontakt zu den Schulen komme oft von Jugendlichen selbst. So habe sich ein Schülervertreter des "Neuen Gymnasiums" in Rüsselsheim direkt an das Projektteam gewandt. Nach Absprache mit der Schulleitung war der Seminartag möglich. Die Inhalte würden oft wichtige Impulse für den normalen Unterricht liefern, so Mohr. In Rüsselsheim ist der Workshop darüber hinaus Teil des eigenen Klima-Projekts des Gymnasiums "NG goes green". Paula und die anderen Klima-Botschafter können sich vor Anfragen kaum retten. Allein in diesem Jahr liefen bereits mehr als 100 Workshops. "Viele Ältere denken ja immer noch, dass unsere Generation nur mit dem Handy daddelt und total politikverdrossen ist. Aber das stimmt ja so nicht", meint Paula.

Teilnehmer des Klimaworkshops sitzen im Kreis und halten orangene Karteikarten mit Stichworten zum Klimawandel in ihren Händen.

Hochwasser, Hitzesommer - Stichworte, die zur Diskussion animieren.

Foto: Bernd Hartung

Die 16-Jährige will sich auf jeden Fall weiter als Klima-Botschafterin engagieren, weil "dies eines der Hauptthemen unserer Zeit ist". Die Schülerinnen Anna und Franzi hat der Workshop zum Nachdenken angeregt. Beide wollen künftig häufiger auf Märkten einkaufen, Plastikmüll vermeiden und lieber mal in der Nähe Urlaub machen. "Denn schließlich geht es um unsere Zukunft!"

Mehr unter www.schule-klima-wandel.de

Dieser Text ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe von SCHWARZROTGOLD - dem Magazin der Bundesregierung. Das E-Paper der Ausgabe 4/2019 finden Sie hier.

Schlagwörter