Henry-Kissinger-Preis für Kanzlerin Merkel

"Ein gutes transatlantisches Verhältnis ist in unserem ureigenen Interesse"

Bundeskanzlerin Merkel hat für ihr Engagement auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit den Henry-Kissinger-Preis der American Academy verliehen bekommen. Die Eröffnungsrede im Schloss Charlottenburg in Berlin hielt Namensgeber Kissinger, die Laudatio der frühere US-Außenminister John Kerry. "Ich werde mich weiter für intensive und wertegebundene transatlantische Beziehungen einsetzen", erklärte die Kanzlerin.

Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister, gratuliert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Bühne.

Kanzlerin Merkel mit Henry Kissinger: Eine Auszeichnung für den Einsatz für die transatlantische Partnerschaft und den Erhalt internationaler Organisationen.

Foto: Bundesregierung/Denzel

Anfang der 1990er-Jahre habe es so ausgesehen, "als sei die Welt nun auf dem Pfad zu mehr Freiheit, zu mehr Demokratie, zu mehr Menschenrechten. Davon waren wir alle erfüllt und das hat auch die Transatlantische Partnerschaft in den ersten Jahren sehr belebt". Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend im Berliner Schloss Charlottenburg bei der Verleihung des Henry-Kissinger-Preises. Die American Academy würdigte mit der Auszeichnung Merkels großes Engagement auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit, insbesondere ihre Verdienste um die transatlantischen Beziehungen.

Analyse aktueller Herausforderungen

Die Kanzlerin führte weiter aus, schließlich seien große Herausforderungen an uns herangetreten. Europa müsse sich "jetzt genau überlegen, wie wir uns in einer multilateralen Welt positionieren" wollen. Und: "Unser Interesse an guten transatlantischen Beziehungen ist meiner Meinung nach größer als vielleicht im Augenblick das Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika."

Die Kanzlerin bezog sich in ihrer Analyse aktueller Herausforderungen auch auf eine Außengrenze der Europäischen Union, nämlich die Mittelmeergrenze. Sie sagte: "Sie grenzt an Afrika, grenzt an die Türkei, grenzt an den Irak, wenn ich die Nato-Grenze nehme. Dann kommen da Irak und Syrien und alles, was die Welt im Augenblick so an dramatischen Konflikten bereithält." Das würde natürlich beunruhigen. Man müsse überlegen, wie mit diesen Herausforderungen klarzukommen sei.

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Verleihung des Kissinger-Preises an Bundeskanzlerin Merkel

Die American Academy

Die American Academy ist eine Forschungs- und Kultureinrichtung in Berlin. Ihr Ziel ist auch, den Meinungsaustausch zwischen Deutschland und den USA zu fördern. Der ehemalige US-Botschafter Richard Holbrooke hatte hierzu den Anstoß gegeben. Die deutsch-amerikanische Freundschaft sollte weiterhin mit Leben erfüllt werden. Der Henry Kissinger Preis wird seit 2007 vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (2007), der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker (2009) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (2017).