Kabinett verabschiedet Bundeskonzept zur Steigerung des Anteils von Ostdeutschen in Führungspositionen

Die Bundesregierung hat am heutigen Mittwoch das vom Beauftragten für Ostdeutschland, Staatsminister Carsten Schneider, vorgelegte Bundeskonzept zur Steigerung des Anteils von Ostdeutschen in Führungspositionen der Bundesverwaltung beraten und verabschiedet.

Erstmals wird damit von der Bundesregierung die Repräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen zum Thema gemacht.
Anhand einer validen Datengrundlage stellt die Bundesregierung fest, dass Ostdeutsche in Führungsfunktionen der Bundesverwaltung zum Teil deutlich unterrepräsentiert sind. Daraus leitet sie einen konkreten Handlungsbedarf ab und verpflichtet sich, die Repräsentation Ostdeutscher in der Bundesverwaltung zu verbessern und damit auch eine Vorreiterrolle für andere gesellschaftliche Bereiche zu übernehmen.

Carsten Schneider, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland: „Die ungleiche Repräsentation von Ostdeutschen in den Führungspositionen der Bundesverwaltung ist mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht mehr akzeptabel.  Das große Potential und die vielschichtigen Erfahrungen der Ostdeutschen sind bei der Gestaltung der Transformation unverzichtbar.  Es geht aber nicht nur um Politik und Verwaltung. Gerade auch Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Justiz und Medien sind hier gefordert, mehr Ostdeutschen die Türen in den Führungsetagen zu öffnen – und so ihren Beitrag für eine faire Teilhabe zu leisten. Das ist entscheidend für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer Demokratie.“

Insgesamt wurde bei knapp 4.000 Führungskräften in 94 Bundesbehörden, vier Verfassungsorganen und der Richterschaft an den fünf obersten Bundesgerichten der Geburtsort erhoben. Im Sinne des Bundeskonzepts ist dabei „ostdeutsch“, wer in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen geboren ist. Nach einer aktuellen wissenschaftlichen Studie liegt der Anteil gebürtiger Ostdeutscher an der Gesamtbevölkerung bei schätzungsweise 20 Prozent. Die Datenerhebung ergab eine deutliche Unterrepräsentanz von Ostdeutschen:  Der Anteil ostdeutscher Führungskräfte in obersten und oberen Bundesbehörden liegt bei 13,5 Prozent bzw. bei 7,4 Prozent ohne Berlin. Bei den ostdeutschen Richterinnen und Richtern liegt er bei 7,1 Prozent bzw. bei 5,1 Prozent ohne Berlin.
Ostdeutsche sind in höheren Führungsebenen seltener vertreten als in den unteren. So sind in obersten Bundesbehörden nur 6,8 Prozent der Leitungspositionen von Ostdeutschen besetzt. Bei den Referatsleitungen liegt der Anteil bei 15,1 Prozent.

Im Konzept werden verschiedene niedrigschwellige Maßnahmen vorgeschlagen, die kurzfristig umsetzbar und geeignet sind, den Anteil Ostdeutscher in Führungspositionen zu steigern. Des Weiteren wurden übergeordnete und begleitende Maßnahmen beschlossen, wie eine vertiefte Ursachenforschung, die kontinuierliche Datenerhebung und Veröffentlichung, stärkere Kooperation mit den ostdeutschen Bundesländern sowie die Verknüpfung des Bundeskonzepts mit anderen Maßnahmen für mehr Vielfalt in der Bundesverwaltung.

Zum Ende der Legislaturperiode will die Bundesregierung eine Zwischenbilanz ziehen, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu bewerten und bei Bedarf weitere Schritte einzuleiten.